Jahrzehnte zurück in die Vergangenheit reisen und alle Fehler berichtigen, die man so gemacht hat? Aus einem platten Plot holen die Hindsight-Macher einige Überraschungen heraus. Ein Goldstück ist die Serie trotzdem noch nicht.

Becca und Lolly in „Hinsight“ / (c) VH-1
Becca und Lolly in „Hinsight“ / (c) VH-1

Die Prämisse der Serie Hindsight klingt erst mal ziemlich vorausschaubar. Doch über die vierzig Minuten der Pilotepisode schaffen es die Autoren, einige amüsante Szene in die Story zu schmuggeln, die zum Weiterschauen animieren könnten.

Worum es geht?

Becca (Laura Ramsey) steht kurz vor ihrer zweiten Hochzeit mit dem vernünftigen, schwer verliebten, aber ein bisschen biederen Andy (Nick Clifford), den sie seit ihrer Kindheit kennt. Doch so richtig sicher ist sie sich mit dieser Vernunftentscheidung nicht. Schnell bekommen wir in einem Rückblick erklärt wieso: So verantwortungsbewusst und rational sie auch wirkt, sie hatte auch mal eine andere Seite. Und die hat sie vor allem gemeinsam mit ihrer ehemals besten Freundin Lolly (Sarah Goldberg) ausgelebt. Doch Jahre bevor wir Becca kennenlernen, haben die beiden sich zerstritten. Mit ihrem ersten Ehemann, dem attraktiven, aber verantwortungslosen Bad Boy Sean (Craig Horner, Legend of the Seeker) lief es ebenfalls nicht besonders gut. Und von ihrem Chef fühlt sie sich komplett ausgenutzt.

Beccas neues, vernünftiges Leben an der Seite von Andy wirkt also von Anfang an wie eine trotzige Gegenreaktion auf die schlechten Erfahrungen. Da verwundert es nicht, dass sie Zweifel angesichts ihrer Situation bekommt.

Passend also, dass sie es nach dem Start der Pilotepisode dort nicht mehr besonders lange aushalten muss. Keine Viertelstunde nachdem wie sie kennengelernt haben, fällt sie in einem Fahrstuhl in Ohnmacht und wacht in den Neunzigern wieder auf, am Tag ihrer Hochzeit mit Sean und weit vor dem Streit mit Lolly.

In schneller Abfolge lernen wir also auch das andere Leben der Hauptfigur kennen. Den größten Teil der ersten Episode verbringt sie damit, sich in ihre neues altes Leben zurückzufinden und zu überlegen, wie sie mit dem Wissen über die eine Version der Zukunft Fehler im zweiten Versuch vermeiden kann.

Wie kommt es rüber?

Großes Theater erwartet man wohl nicht, wenn man die Prämisse zur Serie Hindsight liest. Doch so flach wie zu befürchten, wird die Pilotepisode dann überraschenderweise auch nicht. Trotzdem stört einiges an der Story nach wie vor.

Das Beste an der Pilotepisode ist das erste Aufeinandertreffen der zeitgereisten Becca mit ihrer ahnungslosen besten Freundin Lolly. Das Gespräch der beiden Freundinnen lässt erahnen, dass die Hindsight-Autoren vielleicht noch mehr auf dem Kasten haben, was sie in der Pilotepisode nicht zeigen können. Die Szene kommt nicht an die großen Unterhaltungen zwischen Lorelai und Rory oder Sookie heran, doch ein wenig erinnert es schon an die guten alten Gilmore Girls-Zeiten.

Auf der Plusseite kann die Serie Hindsight außerdem die Stärke des Casts verbuchen. Niemand sticht besonders hervor. Aber es liegt vor allem an den Schauspielern, dass die Kennenlernphase ziemlich kurz ausfällt und man am Ende der Pilotepisode den Eindruck hat, alle schon länger zu kennen.

Während die Autoren dabei offenbar vieles richtig machen, lassen sie auf der anderen Seite vieles schludern. Für einen klischeehaften Spruch oder eine vorhersehbare Reaktion lassen sie jede Logik außer Acht. Damit der Überrsaschungseffekt nach der Zeitreise auf keinen Fall untergeht, muss Beccas Mutter Georgie (Donna Murphy) entgeistert ausrufen, dass Becca ja noch nicht einmal geduscht habe, als sie ihre Tochter sieht. Das hindert Becca nicht daran, erst einmal zu Lolly, anschließend zu Sean und in eine Bar zu gehen, bevor sie dann wirklich für ihre Hochzeit duscht. Hat Becca noch viele kleine Zeitreisen in petto?

Zwischendurch wirkt die ganze Angelegenheit also durchaus holprig. Besonders tief ist der Fall, als wir nach der schönen Freundinnenszene eine furchtbar an den Haaren herbeigezogene Umzugsmontage mit Neunzigerjahre-Klamotten serviert bekommen.

Auch die Flucht aus der Kirche am Ende, als die zeitgereiste Becca ihre erste Hochzeit platzen lässt und auf dem Weg noch kurz ihren Chef zusammenstaucht, ist eine enttäuschend platte Auflösung.

Der Zeitreiseaspekt bewerkstelligt ebenfalls einige gute und einige weniger starke Szenen. Hindsight ist nicht die Art von Serie, um alles zu ernst zu nehmen. Und wenn Becca Sean kurz nach dem Sex im Vorbeigehen rät, sein Loft zu kaufen, weil die Preise explodieren werden, ist das unterhaltsam. Wenn sie plötzlich ihren Pager in der Tasche hat und tut als hätte sie ihn noch nie gesehen, aber offenbar ja kurz vorher ihre alte Tasche irgendwo erst einmal mitgenommen haben muss, dann fördert das eher ein Augenrollen zu Tage.

Wichtig für die Geschichte ist jedoch, dass wir die Figuren, die wir an zwei unterschiedlichen Punkten in ihrem Leben treffen, kennenlernen. Und das funktioniert recht gut.

Fazit

Ein Serienjuwel ist Hindsight nicht, aber als Guilty-Pleasure für diejenige, die keine eingespielten Laugh Tracks und keine große Action, sondern eine kleine, leichte Geschichte mit etwas Romantik suchen, könnte die Serie funktionieren.

Wie schön wäre es, wenn sich herausstellen würde, dass Becca und der bezaubernde Xavier (Collins Pennie, HawthoRNe), der Mann mit dem Buddha-Spruch, füreinander vorherbestimmt sind?

Hindsight: Promo zur Serie

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