Highston 1x01

Highston 1x01

Der 19-jährige Highston Liggetts hat Schwierigkeiten mit dem Erwachsenwerden. Hilfe sucht er sich in imaginären Gesprächen mit den großen Berühmtheiten unserer Zeit, was seinen Eltern Sorgen bereitet. Beeindruckende Namen stehen hinter diesem neuen Amazon-Projekt.

Szenenbild der Pilotepisode von „Highston“ / (c) Amazon
Szenenbild der Pilotepisode von „Highston“ / (c) Amazon

Die halbstündige Pilotepisode von Amazons neuem Coming-of-Age-Comedyformat Highston stammt aus der Feder des oscarnominierten Drehbuchautors Bob Nelson („Nebraska“) und wurde von den „Little Miss Sunshine“-Regisseuren Jonathan Dayton und Valerie Faris inszeniert. Dazu gesellen sich „Borat“-Erfinder Sasha Baron Cohen und sein Kompagnon Todd Schulman als ausführende Produzenten. Doch nicht nur aufgrund der namhaften Macher dürfte Highston eines der Highlights in Amazons diesjähriger pilot season sein.

In der Eröffnungsszene sitzen die Ehepartner Jean (Mary Lynn Rajskub) und Wilbur Liggetts (Chris Parnell) im Büro des Psychiaters Dr. Leland Conway (Kurt Fuller). Sorgenvoll berichten sie ihm vom psychischen Zustand ihres Sohnes Highston (Lewis Pullman). Der 19-jährige hat offenbar Probleme damit, seine Umwelt richtig zu verstehen und mit ihr umzugehen. Durch den zusätzlichen Druck des Erwachsenwerdens flüchtet Highston in eine Gedankenwelt, in der er sich mit Berühmtheiten wie Meryl Streep, Donald Trump oder Stephen Hawking unterhält.

Je nachdem, wen er sich am jeweiligen Tag einbildet, haben seine imaginären Weggefährten einen guten oder schlechten Einfluss auf ihn. Obwohl sie etwas „slutty-like“ wirke, habe Madonna ihm beispielsweise geraten, in der Schule zu bleiben und immer ein Kondom zu tragen, wofür seine Eltern ihr sehr dankbar sind. Dennoch wollen die beiden ihren Sohn Highston lieber in psychotherapeutische Behandlung geben.

Szenenbild der Pilotepisode von %26bdquo;Highston%26ldquo; © Amazon
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Schließlich wird Highston selbst in das Büro gebeten. Begleitet wird er vom Bassisten der Red Hot Chili Peppers, Michael „Flea“ Balzary, mit dem er zuvor im Wartezimmer über dessen Musik und den Ursprung des Universums diskutiert hatte. Allein, zu sehen, wie der lilahaarige Punk Einstein zitiert, macht es wert, einen Blick in den Piloten zu werfen. Als dann Dr. Conway Highston eröffnet, dass er ihn in sein Psychiatriezentrum einweisen will, kann dieser nicht verstehen, wieso.

Er selbst fühlt sich schließlich wohl mit den Stars in seinem Kopf. Und auch sein Onkel Billy (Curtis Armstrong) ist dagegen. Er meint, dass eigentlich jeder Mensch eine Therapie nötig hätte. Der kauzige Billy scheint ohnehin ein wahres Füllhorn kluger Sprüche zu sein und gehört sicherlich zu den witzigsten Charakteren dieser Episode. Wobei auch Mr. und Mrs. Liggetts eine gewisse Absurdität versprühen, die für ihre Gesprächspartner unangenehm, für den neutralen Zuschauer jedoch ziemlich amüsant ist. Schließlich haben die beiden Mitleid mit ihrem Sohn und nehmen ihn vorerst wieder mit nach Hause.

Durch eine kurze Montagesequenz erkennen wir, dass Familie Liggetts in einer kargen Kleinstadt lebt. Die kräftige Farbgebung in dieser Szene erinnert beinahe an Breaking Bad. Zu Hause angekommen, erhält Highston imaginären Tanzunterricht von Basketballlegende Shaquille O'Neal. Insgesamt liefern Shaq und Flea einen tollen Cameo-Auftritt ab, der in einer gemeinsamen Jamsession gipfelt. Sie helfen Highston dabei, einen Job zu finden, wie es seine Eltern von ihm verlangen. Bei Connie's Collection Agency bewirbt er sich als Schuldeneintreiber, doch er scheitert kläglich, als er am Telefon zu viel Mitgefühl für das persönliche Leid des Schuldners entwickelt. Er ist einfach zu „sweet“ für die harte Welt außerhalb seines Kopfes. Deshalb lässt er sich letztendlich doch auf professionelle Hilfe ein.

Als die Familie ihn in die Klinik fährt, wünscht sich seine kleine Schwester Pam (Caige Coulter), dass er einfach so bleibt, wie er ist. Sein älterer Bruder Bud (Austin Fryberger) nimmt Highstons Krankheit überhaupt nicht ernst und macht immer wieder Witze darüber. Doch nach der ersten Gruppentherapiesitzung mit Dr. Gabler alias Bob (Adam Lustick) wird deutlich, wie kritisch sein Zustand tatsächlich ist. Anstatt sich dem zu stellen, ergreift er gemeinsam mit Flea und Shaq die Flucht aus der Klinik. In der letzten Einstellung sieht man ihn ohne seine imaginären Begleiter einsam auf einer Wiese vor dem Therapiezentrum stehen, Zweifel stehen ihm ins Gesicht geschrieben.

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Fazit

Die Pilotepisode von Highston ist insgesamt sehr unterhaltsam, lustig und vielversprechend. Man denke allein an die unzähligen Namen, die künftig für mögliche Cameo-Auftritte in Frage kämen. Sollte der Pilot tatsächlich in Serie gehen, worüber Amazon Prime-Kunden nun abstimmen dürfen, müssen die Produzenten aber darauf achten, dass es nicht allein um billiges Namedropping geht. Die jeweiligen Gaststars sollten wirklich einen genuinen Zweck in der Geschichte haben und die Gags, die auf ihrer Berühmtheit basieren, sollten nicht zu albern werden. Außerdem muss die Hauptfigur Highston tiefer beleuchtet werden.

Auch wenn Lewis Pullman die typische social awkwardness eines schüchternen Teenagers ziemlich glaubwürdig rüberbringt, ist in Bezug auf seine Persönlichkeit bisher eigentlich nur klar, dass er ein netter Junge mit imaginären Freunden ist, der kein Blut sehen kann. Nebenbei deutet sich mit Molly (Chloe Levine) aus der Therapiegruppe bereits ein möglicher love interest an, was diesem Zweck sicherlich entgegenkäme. Am ehesten könnte ich mir eine potenzielle Serie Highston in Form einer Dramedy vorstellen, wofür auch die Episodenlänge sprechen würde. Dafür müsste die Serie ihre stärksten Elemente jedoch weiter ausbauen, zu diesen würde ich beispielsweise den teils düsteren und satirischen Ton zählen. Highston: vier Sterne.

Verfasser: Bjarne Bock am Samstag, 7. November 2015
Episode
Staffel 1, Episode 1
(Highston 1x01)
Titel der Episode im Original
Pilot
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 6. November 2015 (Amazon Prime Video)

Schauspieler in der Episode Highston 1x01

Darsteller
Rolle
Chris Parnell
Lewis Pullman

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?