High Potential 1x01

High Potential 1x01

Die neue Krimiserie „High Potential“ ist just in den USA gestartet und sorgt mit sympathischem Cosy-Crime-Faktor für Spannung und Unterhaltung. Lest im Review zur Pilotfolge, warum wir ganz angetan sind.

Szenenfoto aus „High Potential“
Szenenfoto aus „High Potential“
© ABC

Das passiert in der Pilotfolge der Krimiserie „High Potential“

Morgan (Kaitlin Olson) ist in High Potential eine alleinerziehende Mutter, die ihren Lebensunterhalt mit der nächtlichen Reinigung der Büroräume des LAPD verdient. Als sie eines Abends tanzend die Räumlichkeit putzt, stößt sie versehentlich eine Kiste mit Bildern und Notizen eines aktuellen Mordfalls vom Tisch, an dem der Mordermittler Karadec (Daniel Sunjata) sich festgefahren hat. Als er morgens zur Arbeit kommt, findet er den Namen der verdächtigen Ehefrau des Opfers auf dem White Board allerdings durchgestrichen. Stattdessen ist sie als Opfer deklariert. Die Überwachungskamera beweist schnell, dass Morgan die Korrektur vorgenommen hat.

Als Karadec und seine Chefin Selena (Judy Reyes, Scrubs) die Reinigungskraft ins Büro zitieren, stellt sich allerdings heraus, dass diese über einen IQ von 160 verfügt und Zusammenhänge sieht, wo sie selbst die erfahrensten Detectivs nicht finden. Da es nun gilt, das zweite Opfer des Verbrechens so schnell wie möglich zu retten, unterbreitet Selena Morgan ein ungewöhnliches Angebot. Sie soll Karadec als Beraterin begleiten und den Fall gemeinsam mit ihm lösen...

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Ein witziger Einstieg

Man stelle sich das einmal vor: eine Putzkraft tanzt nachts durch ein Polizeigebäude und schwingt motiviert den Putzlappen, als sie plötzlich eine Kiste mit Indizien zu einem Mordfall umstößt, der lang und breit vor ihr auf dem Whiteboard ausgebreitet ist. Ein Blick genügt und sie findet den Teufel im Detail, korrigiert ihn und geht heim. Am nächsten Morgen versorgt sie leicht gestresst, aber unbekümmert ihre Kinder, als es plötzlich schellt und zwei Police-Officer sie abführen und vor den Schreibtisch eines mürrischen Detectivs zitieren, der ihr nun eine Standpauke hält.

Klingt irgendwie verrückt lustig, finden Sie? Genau das ist es auch, denn die Pilotfolge der just auf dem US-Sender ABC gestarteten Crime-Serie „High Potential“ will offensichtlich einen heiteren Ton treffen und diesen nach dem guten alten Cosy-Crime-Prinzip mit spannenden Mordfällen kombinieren.

Ausgehend von der Debütfolge gelingt das bisher richtig gut. Die ersten knapp 45 Minuten präsentieren sich jedenfalls höchst unterhaltsam und entspannend. Schon in der ersten Szene, in der man Morgan kennenlernt, huscht einem ein freudiges Lächeln über die Lippen. Die beschwingte Art, in der It's Always Sunny in Philadelphia-Star Kaitlin Olson die Hauptfigur des neuen Formats vorstellt, ist schlicht und ergreifend charmant.

Der Ernst eines Ermittlerlebens

Natürlich wundern sich aufmerksame Zuschauende darüber, dass die vermeintlich „einfache“ Putzkraft plötzlich an einem Mordfall herumpfuscht. Die Aufklärung über diese absichtlich etwas verwirrend gestaltete Szene folgt jedoch auf dem Fuß, denn schon am nächsten Morgan muss sie Rede und Antwort stehen und erfährt außerdem, dass sie da in der Nacht eigentlich ein Verbrechen begangen hat.

Ihre Antwort wird von ihrem schauspielerischen Alter Ego so energiegeladen und sympathisch vorgetragen, dass man sich über die verdutzten Blicke des Cops Karadec richtig freut, der einen stimmigen Kontrast zur alleinerziehenden Mutter bildet. Als ordnender Faktor tritt dessen Chefin Selena auf, die sofort erkennt, dass Morgan über die besondere Gabe verfügt, Details zu entdecken, auf die andere nicht einmal im Traum kommen würden.

In einem kurzen, aber wichtigen Dialog stellt sich heraus, dass die Reinigungsfrau einen IQ von 160 (das entspräche etwa der Intelligenz von Stephen Hawking) hat und sich damit fast problemlos in die Riege der intelligentesten Menschen der Welt einreiht. Dennoch verspürt Karadec verständlicherweise keine große Lust drauf, von einer blutigen Anfängerin als Beraterin begleitet zu werden, obwohl selbstredend genau das schließlich eintrifft.

Die Chemie stimmt

In den folgenden Szenen und Dialogen offenbart sich, dass die Chemie zwischen den beiden so ungleichen Personen dennoch stimmt. Zwar begeht Morgan einen ermittlungstechnischen Fehler nach dem anderen, doch mit ihren Anmerkungen zum Fall liegt sie immer richtig. Das ist für den gestandenen Ermittler eine nicht zu unterschätzende Herausforderung, weil er sich einerseits auf das nicht gerade einfache Leben seiner neuen Kollegin einlassen muss, sie andererseits aber auch des Öfteren zurechtstutzt, um den Ermittlungserfolg wegen ihrer Unerfahrenheit nicht zu gefährden.

Das alles kommt in einem locker-flockigen Ton daher, der gut zu unterhalten weiß und das Publikum mitzunehmen versteht. Serienerfinder Drew Goddard (Lost, Daredevil) sorgt nämlich einerseits dafür, dass der zu klärende Fall nicht zu offensichtlich ist, andererseits belässt er es aber auch nicht bei einem reinem Case-of-the-week-Konzept. Am Ende der Episode kommen die Täter natürlich hinter Gitter und Morgan erhält ein festes Jobangebot von Selena.

Doch sie selbst fordert auch etwas dafür. Vor 15 Jahren verschwand ihr Mann spurlos, ein Umstand, der tiefe Spuren in der Familie hinterließ. So fühlt sich Morgans Tochter Ava (Amira J) etwa ausgeschlossen, weil ihr Bruder Elliot (Mathew Lamb) offensichtlich über die gleichen Talente wie seine Mutter verfügt, sie aber nicht. Ihren Vater lernte sie außerdem nie kennen, so dass sie einerseits frustriert, andererseits aber auch traurig ist, da sie glaubt, von ihm verlassen worden zu sein.

Deshalb bittet Morgan nun Selena im Gegenzug für ihre Dienste um Hilfe, ein vielleicht etwas weit hergeholter, aber verständlicher Wunsch, der „High Potential“ einen hübschen Schub in Richtung horizontaler Erzählweise verleihen könnte. Damit würde die Serie dann nach einem ähnlichen Prinzip wie etwa die erfolgreiche Tracker funktionieren, in der die Hauptfigur wöchentlich einen neuen Fall löst, aber gleichzeitig ein übergeordnetes Ziel verfolgt. Der Vorteil solcher Formate liegt klar auf der Hand. Verpasst man mal eine Episode, geht nicht gleich die Welt unter, obwohl man durchaus zum Dranbleiben motiviert wird.

Fazit

Die Debütfolge von High Potential ist gut gelungen und für Freunde episodal erzählter Serien sicherlich ein Gewinn. Das heißt, wenn die Fälle nicht langweilig werden und sich das Autorenteam um Drew Goddard ins Zeug legt. Gute Cosy-Crime-Geschichten zu schreiben ist nämlich gar nicht so einfach. Der Humor muss passen und sollte nicht ausufern, die Geschichten dürfen nicht zu schlicht geraten und die Chemie im Ensemble muss stimmen. Welche Zutaten man benötigt, ist also klar und Pilot präsentiert sie in routinierter und ansehnlicher Weise. Freuen wir uns also schon einmal auf den hoffentlich bald erfolgenden Start in Deutschland. Von uns gibt es einstweilen 4 von 5 Staubwedel.

Verfasser: Reinhard Prahl am Montag, 23. September 2024

High Potential 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(High Potential 1x01)
Titel der Episode im Original
Pilot
Länge der Episode im Original
42 Minuten
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 17. September 2024 (ABC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 23. Januar 2025

Schauspieler in der Episode High Potential 1x01

Darsteller
Rolle
Daniel Sunjata
Deniz Akdeniz
Oz
Amirah Johnson
Ava
Matthew Lamb
Judy Reyes

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