High Fidelity: Top Five Heartbreaks - Review der Pilotepisode

© oe Kravitz in High Fidelity (c) Hulu
Im Leben jedes Menschen kann maximal nur eine Liebesgeschichte gut ausgehen. Und vielen ist nicht mal dieses eine Happy End vorbehalten. Mit diesem grausamen Gesetz der Natur müssen all diejenigen klarkommen, die nach Zweisamkeit suchen oder danach, mehr aus sich zu machen. Die meisten Herzbrüche verheilen bekanntlich nie so ganz. Aber sollte man deshalb bereuen, überhaupt geliebt zu haben? Diese Frage wirft die Hulu-Comedy High Fidelity mit Zoe Kravitz (Big Little Lies) auf. Und beantwortet wurde sie zufälligerweise auch vor einer Woche im wunderbaren Serienfinale von BoJack Horseman...
Wie am Ende das Urteil von Veronica West und Sarah Kucserka ausfallen wird, vermag man nach der halbstündigen Pilotepisode namens Top Five Heartbreaks noch nicht zu sagen. Insgesamt haben die zwei Showrunner von High Fidelity, die zuvor Serien wie Brothers & Sisters, Hart of Dixie und Ugly Betty schrieben, eine zehnteilige Auftaktstaffel ausgeheckt. In ihrer Gänze erschien diese nun am Valentinstag, wobei es hierzulande noch keinen offiziellen Abnehmer gibt. Als Vorlage diente der gleichnamige Roman von Nick Hornby, der im Jahr 2000 bereits mit John Cusack („Teen Lover“) verfilmt wurde.
Worum geht's?
Die Prämisse ist einfach: eine junge Frau, gespielt von Kravitz, erzählt uns in bester Fleabag-Manier - sprich: durch die vierte Wand hindurch - von ihren fünf schlimmsten Herzbrüchen. Dabei lernen wir natürlich nicht nur ihre Verflossenen kennen, sondern auch beziehungsweise hauptsächlich sie selbst. Dass der Regisseur Jesse Peretz (Girls) in der ersten Episode alle Lovestorys auf einmal unterbringen will, ist gelinde gesagt ambitioniert. Man könnte auch sagen: Es ist überambitioniert. Denn es sorgt letztendlich dafür, dass alles etwas überhastet und sprunghaft wirkt. Und echte Romantik kaum spürbar scheint.
Auf der anderen Seite könnte man argumentieren, dass dieses chaotische Grundgefühl ziemlich präzise das Innenleben der Protagonistin widerspiegelt, sodass wir uns besser in sie hineinfühlen können. Kravitz' Rob ist tatsächlich das genaue Gegenteil von dem, was man einen Kopfmenschen nennt, was sie für Herzbrüche umso anfälliger macht. Schmerzhafte Trennungen lassen sie in tiefe emotionale Löcher fallen, sodass sie auch schon mal ihr Studium schmeißt und am Ende in einem eingestaubten Plattenladen landet, den sie nur am Laufen halten kann, wenn sie nachts auch als DJ arbeitet.

Kravitz passt perfekt in diese Rolle der obercoolen und doch tieftraurigen New Yorkerin. Ihre love interests, die gerade für eine solche Serie von immenser Bedeutung sind, wirken leider etwas weniger gut gecastet. Einzig bei Kingsley Ben-Adir, der in der aufsehenerregenden Showtime-Miniserie „A Higher Loyalty“ übrigens bald als Barack Obama auftreten wird, fühlt sich die Beziehung irgendwie besonders an. Clyde-Darsteller Jake Lacy und David Holmes lassen derweil jegliche Chemie mit ihr vermissen. Obwohl das im Fall von Holmes ja durchaus Sinn macht, da sich sein Charakter bald als schwul herausstellt...
Statt der großen Liebe ihres Lebens wird sein Simon nun Robs bester Freund und Angestellter. Er und Da'Vine Joy Randolph, die den Sonnenschein Cherise spielt, müssen die Düsterkeit, die die Hauptfigur ausstrahlt, gewissermaßen ausgleichen. Auch musikalisch wird das verdeutlicht, indem Kravitz' Alter Ego meist depressiven Prog-Rock und edgy Indiebands hört, während Cherise schamlos bei Hochzeitshits wie „Come On Eileen“ und „Can't Take My Eyes Off You“ das Tanzbein schwingt.
Kleinigkeiten wie diese lassen High Fidelity, die Serie, sehr sympathisch wirken, wenngleich noch nicht alle Einzelteile perfekt ineinander passen. Wichtiger sind aber ohnehin die großen kreativen Entscheidungen der Produzentinnen West und Kucserka, aus Rob erstens eine Frau zu machen und sie zweitens für alle Geschlechter schwärmen zu lassen. So entkräften sie auf clevere Art und Weise potentielle kritische Fragen nach der generellen Notwendigkeit einer Neuauflage des Stoffes. Zumal die Geschichte so ja mindestens genauso gut funktioniert wie im Original. Neue Impulse dürften aber auch durch Smartphones und Apps wie Tinder entstehen, die die Datingwelt binnen weniger Jahre komplett revolutioniert haben.
Fazit
Wer den Valentinstag allein verbringt und sich mal so richtig schön im Herzschmerz suhlen will, für den oder die ist die neue Hulu-Comedy High Fidelity vermutlich genau das Richtige. Der Grundton wurde bewusst eher tragisch statt romantisch gehalten. Und die Hauptdarstellerin Zoe Kravitz passt perfekt in die Rolle der Rob, die 2000 zuletzt John Cusack innehatte. Fraglich ist nur, ob eine Serie das richtige Format für diese Neuauflage von Veronica West und Sarah Kucserka ist. In der ersten Episode der Auftaktstaffel wirkte vieles noch sehr ungeordnet. Als Film oder als Buch ist das Ganze vielleicht besser geeignet. An sich hat das Thema aber durchaus eine hohe Relevanz - falls die Liebe überhaupt je irrelevant werden kann.
Hier abschließend der Trailer zur Hulu-Serie High Fidelity: