Nach Lilyhammer und House of Cards bringt Netflix seine dritte Eigenproduktion an den Start: Die Horrorserie Hemlock Grove. In einer Kleinstadt wird ein Mädchen ermordet, doch das ist erst der Anfang einer Reihe ungewöhnlicher Ereignisse.

Roman (Bill Skarsgard) und Peter (Landon Liboiron) in der Serie „Hemlock Grove“ / (c) Netflix
Roman (Bill Skarsgard) und Peter (Landon Liboiron) in der Serie „Hemlock Grove“ / (c) Netflix

Sein Name steht für Horrorkinofilme wie „Hostel“ und „Cabin Fever“. Nun wendet Eli Roth sich als Produzent und Pilotepisoden-Regisseur von Hemlock Grove der Serienwelt zu. Und die Netflix-Produktion muss sich nicht verstecken, darf aber gerne noch ein bisschen zulegen.

Mord in der Kleinstadt

Eine Cheerleaderin wird von einer nicht zu erkennenden Kreatur aus ihrem Auto gejagt und auf grausame Art getötet. Soweit der Ausgangsfall. War es ein Tier? Oder ein Monster? Auch wenn sich in der Pilotepisode von Hemlock Grove niemand in ein übernatürliches Wesen verwandelt, weiß man doch: Das ist nur die Ruhe vor dem Sturm.

Normal ist in dieser Stadt niemand. Ziemlich bald werden sie ihr wahres Gesicht zeigen, die Werwölfe und Vampire. Bisher überwiegt unter den seltsamen Einwohnern der Kleinstadt um das Stahlwerk noch die Attraktivität. Mit Ausnahme der missgestalteten Shelley Godfrey (Amazon Eve), Mitglied einer mächtigen Familie, deren Körper zu groß geraten ist und die - wenn sie ihre Perücke absetzt - als glatzköpfiges Mysterium mit zwei sehr unterschiedlichen Augen zu erkennen ist.

Und trotzdem oder gerade deshalb ist sie die Schüchternste in einer Familie aus Exzentrikern. Als Matriarchin kann man schnell die eiskalt-schöne Olivia (Famke Janssen, Nip/Tuck, „X-Men“) ausmachen. Sie hat nach dem Tod ihres Ehemannes die Zügel in der Hand und lässt sich auch von ihrem Schwager Norman (Dougray Scott, Desperate Housewives) nicht ins Bockshorn jagen. Dritter im Familienbunde der Godfreys ist Roman (Bill Skarsgard), ein attraktiver Junge, der einen Fetisch für Blut hat und sich sowohl mit Prostituierten als auch mit seiner Cousine Letha (Penelope Mitchell) vergnügt.

Den schwerreichen Dogfreys steht ein Mutter-Sohn-Duo gegenüber, das erst wenige Monate zuvor in die Stadt gezogen sind. Um genau zu sein: In den verdreckten Trailer im Wald, den ihnen ein verstorbener Verwandter vermacht hat. Peter (Landon Liboiron, Terra Nova, Degrassi) ist ungefähr im selben Alter wie Roman, ähnlich mysteriös, doch statt Hinweisen auf Vampirismus wie bei Roman, wird Peter als möglicher Werwolf in Szene gesetzt.

Die Schlussszene der Pilotepisode, das Aufeinandertreffen von Roman und Peter am nächtlichen Tatort des Mordes, erscheint wie die Initialzündung, auf die die Ereignisse in der Serie Hemlock Grove die ganze erste Episode über gewartet haben.

Horror oder Krimi

Der Erzählton ist langsam, vielleicht auf Dauer zu langsam. Auch die Dialoge fühlen sich seltsam an. Oft funktioniert der Trick und sie wirken mysteriös und sonderbar. Doch hin und wieder sind sie einfach nur zu bemüht und gestelzt. Die Figuren schleppen viele Geheimnisse mit sich herum, daran lässt die Serie keinen Zweifel. Die Art, wie diese Geheimnisse angedeutet werden, ist zum großen Teil leider wenig subtil.

So findet Peters Mutter Lynda (Lili Taylor, Six Feet Under, Deadline) in ihrem neuen Heim, das bisher von Peters Onkel bewohnt wurde, eine silberne Schatulle mit mysteriösen Ampullen drin und lässt sich zu einem „We're in business“ hinreißen. Dass dieses Geschäft etwas mit dem der Olivia Godfrey zu tun hat, liegt ebenfalls nach der Pilotepisode auf der Hand.

Fazit

Man muss sich nach der Pilotepisode fragen, wo die Serie hin will: Manchmal ist es ein bisschen sehr American Horror Story, dann wieder kommt der Verdacht auf, hier hat sich jemand „Twin Peaks“ als Vorbild genommen. In jedem Fall gibt es zumindest in der Pilotepisode sehr wenig Horror und dafür mehr stille Momente, die sich mysteriös in Szene setzen sollen. Und das hin und wieder auch schaffen.

Diese Serie passen auch zu «Hemlock Grove»