Hello Tomorrow!: Your Brighter Tomorrow, Today - Review

© zenenfoto aus der Serie Hello Tomorrow! (c) Apple TV+
Das passiert
Anmerkung: Das folgende Review bezieht sich auf die ersten drei Episoden der Apple+-Serie Hello Tomorrow!.
Irgendwann in einer retrofuturistischen USA: Der findige Vertreter Jack Billings (Billy Crudup) und seine Partner Shirley (Haneefah Wood), Herb (Dewshane Williams) und Eddie (Hank Azaria) verkaufen Timeshares auf dem Mond. Als ein autonom fahrender Transporter seine Ex-Frau überfährt und Jack seinen Sohn Joey (Nicholas Podany) kennenlernt, beschließt er, sich seiner anzunehmen und ihn zum besten Verkäufer in der Geschichte der Firma zu machen.
Gut geklaut
Eine an die frühen 50er Jahre angelehnte Zukunft in Amerika - wer denkt da nicht sofort an die „Fallout“-Gamereihe? Wer ein Fan der Computerspiele ist und die ersten Minuten der neuen Apple+-Show „Hello Tomorrow!“ schaut, wird sich auf jeden Fall in der dargebotenen Welt der Serie sofort zu Hause fühlen.
Tatsächlich könnte man beinahe an ein dreistes Plagiat oder zumindest eine Art „Fallout“-Prequel denken. Swing, schwebende Autos mit Heckflossen so lang wie LKWs, Haushaltsroboter, die die Ähnlichkeit zu ihren Pendants aus den Spielen gar nicht erst verleugnen wollen. All das und mehr hat die satirische Zukunftsvision der Show zu bieten. Toll ist, dass wir diese skurrile Welt in ihrer Blüte erleben und der wilde Mix aus historischen Stilen und futuristischen Technologien stimmig designt daherkommt. Fraglich bleibt, ob sich das worldbuilding am Ende nicht als große Luftnummer herausstellt.
Jacks Masche
Allein für die ausufernde Fantasie der Produktionsdesigner, die Kostüme und das durchweg gelungene Make-up lohnt sich aber das Einschalten schon. Doch es gibt noch mehr zu erleben. Die Stoffentwickler und Showrunner Amit Bhalla und Lucas Jansen, beide bisher eher Nonames in der Branche, gehen die erzählte Geschichte mit einer gesunden Portion Witz und Charme an. In der ersten Szene sitzt ein verzweifelter Mann in einem Diner und lässt sich von einem Schwebe-Robby ein großes Bier servieren.
Der findige Vertreter Jack riecht seine Chance und verkauft dem vom Leben Enttäuschten mit viel Geschick und Talent für die richtigen Worte ein Timeshare-Ferienhaus auf dem Mond, indem er ihm einen angeblichen von unserem Trabanten stammenden Stein schenkt. Dass es sich lediglich um einen Kieselstein aus einem Aquarium handelt - geschenkt. Selbstredend kommt ohnehin keine Sekunde lang Zweifel auf, dass Jack lügt, bis sich die Balken biegen. Dennoch muss man diesen Kerl einfach mögen. Ja, er will Geld verdienen, doch er scheint an sein Produkt aus vollem Herzen zu glauben. Und überhaupt. Wer wollte nicht einen hübschen Bungalow mit Pool für nur 150 Dollar im Monat erwerben?
Eine (fast) perfekte Welt
Die nächste Szene sprüht nur so vor Ideenreichtum und Witz. Durch ein idyllisches Vorörtchen schwebt (was auch sonst?) ein Transporter. Statt eines Fahrers am Steuer sehen wir einen süß gezeichneten Comic-Storch in schwarz-weiß und bester Disney-Manier. Eine ältere Dame überquert die Straße in ihrem voll automatischen, atomgetriebenen Friseurstuhl, ein Junge verschießt von seinem Fahrrad aus Zeitungen aus allen Rohren und die Dame des Hauses wartet brav vor dem Haus auf ihr Paket.
Bis wir miterleben, dass auch die perfekteste Welt nicht ganz perfekt ist und der Automaten-Van vor einem Hund zurückweicht und kurzerhand die Empfängerin an der Garagentür zerquetscht. Das ist ein hübsch-fieser Gag, der aber in den ersten drei Folgen nicht repräsentativ für den Humor ist. Der beruht mehr auf den bisweilen recht extravaganten Dialogen und den toll geschriebenen und noch besser gespielten Protagonisten.
Die Schauspieler
Haneefah Wood (Murderville), Dewshane Walliams (In the Dark) und Hank Azaria (Brockmire) füllen ihre Rollen perfekt aus und sind weit mehr als Stichwortgeber für den unumstrittenen Star Billy Crudup (The Morning Show). Nicholas Podany (Heart of Dixie) spielt Jacks Sohn, den er kurz nach der Geburt verließ und dessen Mutter nach dem oben erwähnten Unfall im Koma liegt. Nachdem sich Billings seiner annimmt und ihn zum Timeshare-Verkäufer ausbildet, fügt er sich nahtlos in das Quartett ein, muss aber mit der untereinander herrschenden Konkurrenz leben.
Als besonderes Schmankerl gesellt sich ab Episode zwei Alison Pill (Star Trek: Picard) in der Rolle der Myrtle zum Cast. Herb verspricht ihr ein besseres Leben auf dem Mond, was die frustrierte Ehefrau nur zu gerne glaubt. Als sie ihren Mann endlich verlässt, indem sie kurzerhand das gemeinsame Haus anzündet, und den Vertrag unterschreibt, erfährt sie geschockt, dass die nächste Rakete zum Mond erst in drei Monaten fliegt. Das führt zu ungeahnten Verwicklungen.
Alison Pill hat sichtliches Vergnügen an ihrem Part und ist zweifellos eine Bereicherung. Ihre Figur durchbricht den Alltag des Vertreter-Teams und sorgt mit ihrer überdrehten Art für manch witzige Situation. Als sie beispielsweise Herb in seinem Hotelzimmer dafür zu Rede stellt, dass er sie mit Halbwahrheiten lockte, ruft genau im falschen Moment seine Frau an und wittert eine Affäre. Derartige Momente ziehen sich durch Pills Auftritte und lockern den Plot enorm auf.
Drama

Dass sich zwischen Jack und seinem Sohn Joey indes ein Beziehungsdrama anbahnt, das möglicherweise kein gutes Ende nimmt, entpuppt sich schnell als eigentliche Triebfeder hinter der Serie. Joey weiß nicht, dass sein Vater zurückgekehrt ist, um einerseits sein schlechtes Gewissen zu entlasten, andererseits aber auch, um seinen Nachwuchs besser kennenzulernen.
Die Frage, was der junge Mann wohl über seinen Mentor denken wird, wenn die Wahrheit über ihn ans Licht kommt, schwebt wie ein Damoklesschwert über der Geschichte. Jacks Mutter warnt ihn der dritten Episode davor, dass sich seine Taten rächen werden. Letztlich entscheidet er sich, zu bleiben, eine warmherzige und spannende Entwicklung der Geschichte, die sicherlich noch ernste und dramatische Konsequenzen nach sich zieht.
Fazit
Es hätte sicherlich keines so detailreichen und kreativ erdachten worldbuilding gebraucht, um Jacks und Joeys Beziehung zu beleuchten. Zumindest auf die ersten drei Episoden bezogen könnte die Serie genauso gut im Jetzt, im Mittelalter oder in einem Fantasy-Setting angesiedelt sein. Allerdings macht es unglaublich viel Spaß, die vielen herrlich verrückten Ideen zu bewundern und in diese Welt einzutauchen, in der Vater und Sohn Timeshare-Bungalows auf dem Mond verscherbeln.
Hinzu kommen sehenswerte schauspielerische Leistungen. Das Storytelling ist hingegen einerseits sympathisch und hat einen Hang zum Drama, wirkt aber andererseits auch sehr bieder. Hübsch erzählt ist das Ganze bislang ja, mehr aber eben auch nicht. Genau das könnte sich am Ende aber als Stolperstein herausstellen, so dass wir vorsichtig optimistisch in die Retro-Zukunft schauen.
Wertung: vier von fünf Haushaltsrobotern.
Hello Tomorrow!: Serientrailer
Hier abschließend noch der Trailer zur Serie Hello Tomorrow!: