
Geschichten über merkwürdige Typen, deren Herz zwar eigentlich am rechten Fleck ist und die es trotzdem schwer bei den Frauen haben, gibt es zur Genüge. In Hello Ladies werden die Zuschauer hingegen vor der schillernden Kulisse Hollywoods mit einem „Helden“ konfrontiert, der zwar beim schönen Geschlecht gleichermaßen leer ausgeht, dabei aber in keiner Weise sympathisch ist. In diese undankbare Rolle schlüpft der begnadete Komiker Stephen Merchant, seines Zeichens Miterfinder des britischen „The Office“ und nun die Kraft hinter „Hello Ladies“. Anstatt Mitleid für den Protagonisten zu säen, präsentiert seine neue Comedy daher Peinlichkeiten, die sich der britische Webdesigner Stuart (Merchant) komplett selbst zuzuschreiben hat.
Ein unsympathischer Versager
Jede Kontaktaufnahme zum weiblichen Geschlecht, die Stuart oft mit den Worten „Hello Ladies“ einleitet, wird aufgrund seiner zwischenmenschlichen Defizite umgehend zum Scheitern verurteilt. Dies liegt jedoch nicht darin begründet, dass er missverstanden werden würde. So geht es dem hochgewachsenen Engländer vom Typ „Heuschrecke“ anscheinend tatsächlich einzig darum, Frauen ins Bett zu bekommen. Und zwar Frauen, die eindeutig in einer anderen Liga spielen als Stuart selbst. Während er sich bei seinen amourösen Bemühungen ausgesprochen großzügig gibt - was allen Beteiligten außer ihm selbst eher als großkotzig erscheinen dürfte - legt er bei seinen Freunden dafür einen geradezu lächerlichen Geiz an den Tag.
Als Stuart die attraktive Schauspielerin Courtney (Sarah Wright) in einem angesagten Club durch Freigetränke für sich erwärmen möchte, muss er am Ende eine halbe Lokalrunde ausgeben und dafür über 800 Dollar bezahlen. Trotz dieser erheblichen Investition landet er jedoch nicht in Courtneys Unterwäsche, sondern in den Scherben der Freigetränke, in die er von seinem riesigen Barhocker hineinfällt. Doch Mitleid kann man für Stuart auch in diesem Moment der absoluten Blamage nicht empfinden - er hat es sich nicht verdient.
Stuarts „Freunde“
Statt seinem dicklichen Freund Wade (Nate Torrence), der gerade nach elf Ehejahren von seiner Frau verlassen wurde, bei seinen Seelenqualen beizustehen, fordert Stuart von ihm erbarmungslos die paar Dollar ein, die er für dessen Mineralwasser bezahlt hatte. Wade kommt bei Frauen zwar ebenso wenig an wie Stuart, doch handelt es sich bei ihm zumindest um einen netten Kerl, der sich zudem rührend um seine kleine Tochter kümmert. Es gibt jedoch auch gleich zwei Kritikpunkte, die Wade betreffen: Zum einen kann im Rahmen der Auftaktepisode von Hello Ladies nicht einmal ansatzweise vermittelt werden, warum sich die beiden Männer überhaupt miteinander abgeben sollten. Zum anderen hat man schon in allzu vielen anderen Formaten Szenen wie die gesehen, in der Wade seine weiblichen Gesprächspartnerinnen dadurch verschreckt, dass er ihnen Fotos von seiner Verflossenen präsentiert.

Ein durchtrieberner Lichtblick
Ein weiterer „Bekannter“ von Stuart - denn auch zu ihm verbindet ihn im Grunde genommen nichts - ist Kives (Kevin Weisman). Sobald seine Figur in die Handlung eingeführt wird, verbreitet der Rollstuhlfahrer mit dem schmutzigen Mundwerk ein großes Maß an Heiterkeit. Indem er Stuart für seinen unangenehmen Geiz und die anderen Marotten abstraft und dabei gleichzeitig sexuelle Erfolge verbuchen kann, mausert er sich schnell zum geheimen Sympathieträger der Serie.
Ein Hauch von Menschlichkeit
Stuarts dritte regelmäßige Kontaktperson ist seine Untermieterin Jessica (Christine Woods), die gerade an einer Webserie über die Globalisierung arbeitet. Sie hat zwar immerhin Sex, doch sie kann dabei kein langfristiges Glück an Land ziehen und wird ganz offensichtlich ausgenutzt.
Dass auch ein Hauch von menschlicher Wärme in Stuart steckt, zeigt sich erst ganz am Ende des Serienpiloten. Und diese Einsicht haben wir einem Gespräch mit Jessica zu verdanken. Hier legt Stuart so etwas wie Selbstreflexion an den Tag - und kann sich sogar wegen seines Sturzes vom Barhocker ein kleines Lächeln abgewinnen. Doch der Anflug von Sympathie wird gerade von keiner Frau bemerkt, weswegen die Auftaktepisode so deprimierend endet, wie sie einst begann: Wir sehen einen schlacksigen Single, der einsam seine - in der Mikrowelle erwärmten - Hähnchenflügel verspeist. Einzig der Teleshoppingkanal hat noch nicht Reißaus genommen.
Fazit
Das Kriterium, das den Protagonisten von Hello Ladies besonders macht, verhindert gleichzeitig, dass man sich für ihn - und somit auch für seine Serie - erwärmen kann: Stuart ist kein netter Mensch. Statt mit ihm mitzufiebern, fiebert man schnell „gegen“ ihn. Zwar kann man dementsprechend zeitweise darüber schmunzeln, wie er für seine kompromisslose Hartnäckigkeit beim Aufreißen büßen muss. Doch während die neue Comedy definitiv Bestnoten in der Rubrik „Fremdschämen“ verbuchen kann, fühlt sich das Format in Ermangelung eines Sympathieträgers dabei allzu trostlos an.
Stuarts menschliches Umfeld legt zwar in gewisser Weise liebenswerte Eigenschaften an den Tag. Doch die Wärme von Wade und die sich in Flirtstrategien manifestierende Menschenkenntnis von Kives zeigen so umso stärker die Defizite von Stuart auf.
Hello Ladies kann außer eines routinierten Casts auch mit hübschen Aufnahmen der fröhlich grellbunt erleuchteten Straßen von L.A. aufwarten. Doch wenn es Stuart in den folgenden sieben Episoden nicht bald gelingt, den Zuschauern ein wenig liebenswerter zu erscheinen, ist Merchants neue Serie wohl nur etwas für die Masochisten unter den Comedyfreunden.