Hawaii Five-0 3x20

Für Hawaii Five-0 gilt das Gleiche wie für viele andere Network-Serien im Frühling: Am Ende ihrer Staffeln müssen sie mit besonderen Episoden aufwarten und den Zuschauern zeigen, dass es sich lohnt im nächsten Herbst wiederzukommen. In den letzten Jahren ist es ein umso schwereres Unterfangen geworden, als die Konkurrenz aus dem Kabelsektor ihre Serien genau zu derselben Frühlingszeit startet oder aber im Sommer anbietet.
Man kann aber getrost sagen, dass die CBS-Serie mit dieser Episode die Aufgabe etwas Besonderes anzubieten erfüllt. Ob besonders auch gleich gut bedeutet, ist dem Zuschauer zu überlassen. Eins steht aber fest - wenn Procedurals Abwechslung in ihrem dramaturgischen Schema anbieten, ist es immer eine willkommene Überraschung. Umso besser ist es, dass man nicht zum altbackenen (und trotzdem meistens spannenden) Wo-Fat-Plot zurückkehrt oder aber einen Fall der Woche auf der Insel vom Rest des Teams aufklären lässt.
Denn Steve (Alex O'Loughlin) und Catherine (Michelle Borth) sind weit vom Rest des Teams entfernt. Sie befinden sich nämlich in Nordkorea, um den Austausch von politischen Gefangenen für die Überreste eines amerikanischen Marine-Soldaten durchzuführen. Wie es sich erweist, handelt es sich bei dem Toten um Steves besten Freund aus Marine-Trainingszeiten. Man kann darüber streiten, ob von der Realität, in der wir leben, aus betrachtet, der Zeitpunkt eine solche Episode zu liefern wirklich passend ist.
Aber Patriotismus und Kameradschaft werden im Übersee groß geschrieben, so dass die Sender die Möglichkeit nutzen, um auf der Welle der Emotionen im Land mitschwingen zu können. Außerdem ist die Episode nicht wirklich von politischen Botschaften geprägt, sondern bedient das alte Rache-Schema aus den Zeiten der Hollywood-Vietnamerzählungen. Sogar die ausgeblichenen grün-grauen Bilder versetzen uns in den Action-Modus der achtziger Jahre. Action ist hier das richtige Wort, denn die stimmt durch und durch.
Es ist eine gute Entscheidung der Autoren gewesen Steve und Catherine alleine auf sich gestellt zu lassen ohne die Hilfe ihres Teams - sei es technisch oder physisch. Obwohl ganz ohne Hilfe sind die beiden nicht, als Steve entdeckt, dass die Leiche nicht diejenige seines Freundes, Freddie Hart (Alan Ritchson), ist.
Steves Anruf geht an den „Marlboro Man“, an seinen ehemaligen Ausbilder Joe White (Terry O'Quinn). Wir sehen Joe mit Cowboy-Hut reitend irgendwo in den Bergen von Montana. Er kann Steve zu einem alten Freund schicken, dem immer noch Schlangenblut trinkenden Frank Bama (Jimmy Buffett). Er kann Steve und Catherine über die Grenze bringen. Von da aus sind sie auf sich allein gestellt und von da aus fliegen die Kugeln.

Dazwischen geschnitten werden immer wieder Szenen mit Steve und Freddie aus den Zeiten ihrer Ausbildung und während der wichtigen Mission, bei der Freddie sein Leben verlor. Sehr schön schaffen es die Autoren die Handlung aus der Vergangenheit, die wir nicht gesehen haben, mit derjenigen aus dem ersten wichtigen Hawaii Five-0-Plot zu verbinden. Der Auftrag in Nord Korea für Steve und Freddie war Victor Hess' Bruder Anton (Norman Reedus, The Walking Dead) gefangen zu nehmen.
Diese Verbindung erhört die emotionale Wucht, mit der die Episode endet, nachdem Steve und Catherine nicht nur Rache für Freddie nehmen, sondern auch seine Leiche zurück nach Hause bringen, so dass er begraben werden kann. Steve erfüllt auch sein Versprechen an Freddie, seiner damals ungeborenen Tochter, zu sagen, dass Freddie sie lieb hat. Natürlich drückt Hawaii Five-0 am Ende mächtig auf die Tränendrüsen, aber die Balance aus Emotion und Action ist gut getroffen und bietet eine gelungene Abwechslung vom Procedural-Alltag.
Verfasser: Mariano Glas am Mittwoch, 17. April 2013(Hawaii Five-0 3x20)
Schauspieler in der Episode Hawaii Five-0 3x20
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