In einer kleinen Stadt geht Unerklärliches vor sich. Es wird Zeit, dass das FBI sich der Sache annimmt. Die Reise kann beginnen. Nur, wohin soll sie denn führen? Serienjunkies.de-Redakteur Vladislav Tinchev nimmt heute vorsichtshalber Regenschirm und Mantel mit.

Ein ungleiches Paar? / (c) SyFy
Ein ungleiches Paar? / (c) SyFy

Wenn man den Piloten von Haven mit Stephen King (der Schriftsteller selbst hat sich nicht dazu geäußert) beschreiben soll, dann würde es ungefähr so lauten: Carr(y)ie this Misery in to The Shining! Dabei kann Shining in jeder Bedeutung des Wortes benutzt werden. Spaß beiseite, aber mag sich Havens Geschichte irgendwann später auch als interessant erweisen, ist die Ausführung, vor allem seitens der Darsteller, auf solchem Niveau, dass die Bezeichnung "durchschnittlich" einem Lob gleichzusetzen wäre. Andererseits: Schauspieler, wenn sie unter die Kategorie "Durchschnitt" fallen - was Havens ja auch tun - können nur damit arbeiten, was ihnen vorgegeben wird. Und in Haven ist das nicht viel.

Es ist schon klar, dass eine Stephen King-Verfilmung nie genug Zeit hat, das umzusetzen, was der Autor in seinen Romanen entfacht. Aber hier hat man es besonders eilig und dadurch wirkt Vieles sehr gekünstelt und überhastet. In Haven überschlagen sich die Ereignisse, als ob man den Zuschauer mit aller Macht hineinreißen wollen würde. Alles geschieht zu schnell, zu plump und die Beteiligten reagieren auf die Ereignisse genauso schnell und plump. Wenn man ein Beispiel dafür sucht, inwiefern zwischen Darstellern keine Chemie existieren kann, dann wird man in Haven fündig.

Emily Rose spielt Audrey Parker: eine tapfere, aber genau so sensible FBI-Agentin, die ein Waisenkind ist, und die Welt zu retten versucht. Single ist sie natürlich auch und liest Bücher für Jugendliche, in welchen es um Vampire geht. Also damit ist nicht nur eine plumpe King-Referenz geschaffen, es wird dem Zuschauer somit sofort klargemacht, dass sie für alles offen ist. Und es vergehen nicht viele Minuten, bis sie auf dem Weg nach Maine, nach einem Mörder suchend, einen Unfall hat. Aber keinen gewöhnlichen - denn ohne Grund entstehen plötzlich Risse in der Straße. Sie weicht aus und stürzt mit ihrem Auto fast von den Klippen. Wenn nicht Det. Nathan Wournos (Lucas Bryant) wäre... Der taucht aus dem Nichts auf und rettet Audrey, welche ihm dann als Dank plump die Autotür auf die Finger knallt. Aber das macht nichts, denn er besitzt eine ungewöhnliche Eigenschaft. Er spürt keinen Schmerz. Der ganze Vorfall (mit den Rissen in der Straße) wird nicht mehr thematisiert, denn es geht weiter.

Der Mörder, nach dem Audrey sucht, wurde tot aufgefunden - im Vorspann sehen wir, wie jemand ihn verfolgt - anscheinend von den Klippen gefallen. Job done? Nein, Audrey vermutet Mord an dem Mörder. So entscheidet sie zu bleiben und alles kennen zu lernen. Im Grunde ist aber die Stadt eine perfekte Kopie der Serie selbst: sie ist leblos. Audrey und Nathan (in Mulder/Scully-Style) finden heraus, dass manche Anwohner Superkräfte haben und mit Leichtigkeit an einem sonnigen Tag Tornados und Schneefälle verursachen können. Prämisse klar: Kleine Stadt mit ungewöhnlichen Bewohnern, die übernatürliche Kräfte besitzen. Dazu kommt noch ein sehr alter Fall (30 Jahre alt) - The Colorado Murder - bei dem auf Zeitungsausschnitten ein Foto... von Audrey zu sehen ist. Also ist sie nicht zufällig dort: der Name, den die Idianer der Stadt gegeben haben, lautet „Haven for God's orphans.

Übrigens: Audrey sorgt dafür, dass die Superkräfte-Menchen am Ende zusammenkommen. Die Frage ist, mit wem sie zusammenkommen wird, denn neben Nathan taucht ein weiterer "Love Interest" auf - der böse Junge der Stadt, Duke Crocker (fast wie immer grauenvolle Performance von Eric Balfour). Haven basiert auf Stephen Kings Buch The Colorado Kid. In Kings Geschichte, die die Leserschaft spaltete, geht es darum, zu zeigen, wie sich das echte Leben oft weigert, uns Antworten zu geben. Also besser nicht danach fragen, wie es in Haven weiter geht, denn, auch wenn die Serie eine Antwort hat, ich will sie nicht hören.

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