Hanna 1x01

© zenenfoto aus „Hanna“ (c) Amazon Prime Video
Die neue von Amazon Prime Video produzierte Serie Hanna basiert auf dem gleichnamigen Film von Joe Wright. Das Serienformat gibt der Story eines Mädchen, dem das Töten in die Wiege gelegt wurde, die Chance, ihre Geschichte näher zu beleuchten und den Konflikt zwischen Auftragsmörderin und Teenagerin besser darzustellen.
Nicht ganz klar ist dabei die Absicht der Produzenten. Soll die Serie nur eine verlängerte Form des Filmes sein? Als eine Art Ergänzung? Oder soll die Geschichte komplett neu geschrieben werden und den Erfolg des 2011 erschienenen Films in den Schatten stellen? „Hanna“ weckt nach der ersten Episode das Interesse aller Actionfans und Naturliebhaber, schwächelt teilweise jedoch, was die Interaktionen der Charaktere und die Geschwindigkeit der Handlung angeht.
Wer ist Hanna?
Wir schreiben das Jahr 2003. Erik Heller (Joel Kinnaman) bricht in eine hoch gesicherte Einrichtung ein, gibt sich als Angestellter aus und entführt ein Baby. Zum Hintergrund seiner Tat ist uns zu dem Zeitpunkt noch nichts bekannt. Mit dem Sicherheitspersonal an den Fersen flieht er samt Baby und seiner Frau. Die beiden werden jedoch später aufgespürt und leisten sich eine von vornherein aussichtslos erscheinende Verfolgungsjagd, bei der die Frau und Mutter der kleinen Hanna (Esme Creed-Miles) ums Leben kommt. Erik kann mit dem Baby in den tiefen Wald fliehen und entkommt somit der CIA.
Nach einem Zeitsprung von 15 Jahren lernen wir Hanna als heranwachsende Teenagerin kennen. Von ihrem Vater aufs Härteste gedrillt, beherrscht sie nicht nur das Jagen und Töten, sondern weiß auch, wie man in der Wildnis auf sich alleine gestellt überleben kann. Ihr Vater ist die einzige und wichtigste Person in ihrem Leben und stellt den Mittelpunkt ihres sozialen Lebens dar. Dass das für ein junges Mädchen in der Pubertät absolut nicht ausreicht und für Konfliktpotential sorgt, können wir uns schon denken.
So übertritt Hanna die Grenze des Waldes, die ihr Vater aufgestellt hat, und begegnet dabei einem Jungen, der im Wald arbeitet. Schon beginnt das Horrorszenario jedes Vaters: Hanna bricht nicht nur seine Regeln, raucht und spricht mit dem Unbekannten, sondern macht mit ihm auch noch einen Ausflug, bei dem sie von der Polizei erwischt werden. Sie kann entkommen, doch hat mit ihrer Aktion die Aufmerksamkeit der CIA-Agentin Marissa Wiegler (Mireille Enos) auf sich gezogen, die sie seit der Entführung im Kindesalter sucht. Hanna und ihr Vater müssen daraufhin von ihrem Zuhause fliehen, wobei Hanna von der CIA aufgegriffen wird.

Das Leben im Wald
Die Macher der Serie bauen von Anfang an eine düstere und spannende Stimmung auf und reißen den Zuschauer schnell mit, obwohl dieser recht wenige Informationen an die Hand bekommt. Doch wer würde zu Beginn nicht mit dem jungen Elternpaar mitfiebern, das alles tut, um sein Baby in Sicherheit zu bringen? Die Actionszenen sind gut gemacht, von Kampfszenen und einer Helikopterverfolgungsjagd bis hin zur Explosion eines Autos ist alles mit dabei, um das Bedürfnis nach Gewalt und Zerstörung zu befriedigen und auf den Hintergrund des Ganzen neugierig zu machen. Nach dem Zeitsprung überzeugt die Episode Wald vor allem durch atemberaubende Landschaftsaufnahmen des verschneiten und verlassenen Waldes.

Auch die Art, wie Vater und Tochter ihr Leben führen, ist erst mal eine nette Abwechslung für die technikverwöhnte und immer vernetzte Generation, zu der ich selbst auch zähle. Sie leben von dem, was sie jagen, sind vollkommen auf ihre eigenen Fähigkeiten angewiesen und kommunizieren mit niemandem außerhalb ihrer körperlichen Reichweite. Doch komplett von der Außenwelt abgeschieden zu sein, ist auch ein großer Nachteil für die junge Hanna. Nicht nur die Abschottung von jeglichen Informationskanälen, die ihr Aufschluss über das merkwürdige Phänomen Periode geben könnten, sondern auch das Fehlen von sozialen Kontakten außerhalb dem ihres Vaters lassen die Pubertierende mit einer eingeschränkten und stark manipulierten Weltansicht zurück.
Stille
Nach einem starken Einstieg und der interessanten Fortführung von Hannas Leben nimmt die Spannung der Episode jedoch radikal ab. Der Inhalt, der im Film wahrscheinlich nur wenige Minuten einnimmt, wird hier auf ganze 50 Minuten ausgebreitet und lässt dabei viel Raum für Langeweile und Stille. Hannas erste Begegnung mit der Zivilisation verläuft unglaublich schleppend und wenn dann doch mal eine Konversation zustande kommt, äußern sich die Charaktere sehr kurz angebunden. Die Absicht dahinter könnte natürlich auch eine reale Darstellung des einsamen Lebens in der Wildnis sein und vielleicht vermisst mein Millennial-Gehirn auch einfach die modernen Technologien. Doch ein bisschen mehr Inhalt wäre hier durchaus wünschenswert. So erfahren wir nichts über Hannas Persönlichkeit abseits der Umstände, in denen sie lebt und wissen nicht mal ansatzweise, warum sie sich überhaupt darin befindet. Gegen Ende der Episode wird wieder der Actionteil der Serie verfolgt und die Story kann so wieder an Geschwindigkeit zunehmen.
Fazit
Das Potential des Serienformates, das gut hätte genutzt werden können, um die Charaktere näher zu beleuchten, bevor es zur actionreicheren Handlung kommt, wurde leider verspielt, um das eintönige und harte Leben im Wald auszuschlachten. Dennoch überzeugt die Pilotepisode der US-Serie Hanna durch spannende Actionszenen, Landschaftsaufnahmen vom Feinsten und eine Story, die neugierig auf mehr macht.
Der offizielle Trailer zur ersten Staffel der neuen US-Serie Hanna mit Esme Creed-Miles, Mireille Enos und Joel Kinnaman:
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Verfasser: Greta Kaiser am Montag, 4. Februar 2019Hanna 1x01 Trailer
(Hanna 1x01)
Schauspieler in der Episode Hanna 1x01
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