Gyeongseong Creature 1x01

© Netflix
Am Ende des Zweiten Weltkrieges brechen die japanischen Besatzer in Korea in Windeseile eine geheime Forschungseinrichtung ab, in der grauenvolle Menschenversuche stattgefunden haben. Dutzende verstümmelter Leichen werden verbrannt und die überlebenden Gefangenen exekutiert.
In der Stadt Gyeongseong (dem heutigen Seoul) kommen in den unsicheren Nachkriegszeiten der zwielichtige Yoon Joong-won (Jo-Han-chul, „Stealer: The Treasure Keeper“) und seine Tochter Yoon Chae-ok (Han So-hee, „Nevertheless“) an. Die beiden werden Zeugen der anhaltenden Grausamkeit der Besatzer, die brutal wegen verteilter politischer Flugblätter gegen die Bevölkerung vorgehen und Zwangsrekrutierungen für ihre Armee vornehmen.
Derweil befindet sich auch der schwerreiche Geschäftsmann Jang Tae-sang (Park Seo-joon, zuletzt als Prinz Yan im MCU-Film „The Marvels“ zu sehen) in der Bredouille. Der japanische Polizeikommissar Ishikawa (Kim Do-Hyon, „Mom's Song“) beschuldigt ihn, eine Affäre mit seiner Frau zu haben und lässt ihn foltern.
In Wahrheit nutzt Ishikawa die Anschuldigung, um den aalglatten Pfandhausbesitzer, der auch als Beschaffer schwer zugänglicher Informationen bekannt ist, auf den weiteren Fall einer verschwundenen Frau in der Stadt anzusetzen. Und zwar Ishikawas Mätresse Myeong-ja. Ishikawa droht Jang an, ihn zu ruinieren, falls er seine Geliebte nicht findet.
Zwar nimmt Jang den unfreiwilligen Auftrag an, beauftragt jedoch seine enge Mitarbeiterin Nawol-daek (Kim Hae-sook, „My Demon“), wegen des Verkaufes seiner Besitztümer vorzufühlen.
Während seiner Nachforschungen macht Jang die Bekanntschaft von Yoon Chae-ok, die auf der Suche nach dem Kunstmaler Sachimoto (Woo Ji-Hyun, „Swallow“) ist. Von ihm erhofft sie sich Informationen über ihre Mutter, die einst eine Gefangene in dem Forschungslager war. Jang sieht ihr Ansinnen jedoch als nicht rentabel für sich an und lehnt es ab.
Da er jedoch mit seinen Nachforschungen nach dem Verbleib von Myeong-ja nicht weiterkommt, erwartet Nawol-daek ihn nach seiner Heimkehr mit einer Überraschung. Yoon Joong-won und seine Tochter Yoon Chae-ok sind sogenannte Spürhunde, die auf die Suche nach verschwundenen Personen spezialisiert sind.
Da das Verhältnis zwischen Jang und der jungen Frau nach ihrer ersten Begegnung äußerst angespannt ist, kommt es zu einer ungewöhnlichen Einigung. Im Austausch für die Suche nach Ishikawas Mätresse soll Jang nach Sachimoto suchen.
Mehrmals erfahren wir Näheres über die schrecklichen Versuche in dem Lager, in deren Verlauf die Versuchspersonen mit einem geheimnisvollen Wurm infiziert wurden. Dies lässt sie zu Monstern mutieren.
K-Horror, die Neueste
Wo K, sprich Korea, -Drama ist (und große Erfolge im internationalen Streaming feiert), ist mittlerweile auch K-Horror, der längst nicht erst seit All of Us Are Dead zu einer festen Größe in der Fantastik-Sparte des Unheimlichen avancierte.
Einer der neuesten entsprechenden Streiche ist die Serie Gyeongseong Creature, die seit Ende Dezember 2023 in zwei Teilen bestehend aus sieben Folgen (Teil Eins) und drei weiteren (Teil Zwei) bei Netflix veröffentlicht wurde. Produziert für den Streamingdienst vom südkoreanischen Studio Dragon in Zusammenarbeit mit Story & Pictures Media sowie Kakao Entertainment bekommen wir in „Gyeongseong Creature“ gediegene, tiefsinnige und zugleich geschichtskritische Gruselkost mit Starbesetzung des Bereiches geboten.
Von langer Hand

Eigentlich könnte alles ganz flott gehen. Die japanischen Besatzer haben aus bedauernswerten koreanischen Gefangenen im Krieg grauenvolle Monster gemacht und eins oder vielleicht sogar mehrere davon haben überlebt und fallen über die titelgebende Stadt her.
So leicht macht man es sich aber in Asien bekanntlich nicht, und genau deswegen sind entsprechende Filme und TV- beziehungsweise Streaming-Serien bei ihren Fans auch so beliebt. Da werden Geschichten langsam angegangen und Handlungsverläufe minutiös vorbereitet, und trotzdem sind die Anfänge in den meisten Fällen ansprechend geraten. So auch bei „Gyeongseong Creature“.
Charakteraufbau und Spannung
Wie ausgesprochener Horror kommt die Pilotfolge erst einmal nicht daher, wenngleich schon der Vorspann mit seinen düsteren Bleistiftzeichnungen und einem ausgesprochenen Gänsehautsong darauf vorbereitet, dass im weiteren Serienverlauf Unheimliches auf uns zukommt... Es folgen schaurige Bilder von der Unmenschlichkeit in dem Forschungslager und natürlich ein erster Hinweis auf das, worum es später gehen wird.
Danach kommen allerdings erst einmal die Schilderungen der agierenden Charaktere an die Reihe. Park Seo-joon mag optisch natürlich der klassische asiatische Traumtyp sein, sein Verhalten zeigt den von ihm gespielten Jang Tae-sang jedoch als alles andere als einen Helden mit weißer Weste. Vielmehr wird deutlich, dass er die große Not in seinem Heimatland dazu ausnutzt, seinen Reichtum zu mehren. Trotzdem werden er und auch seine Mitarbeiter im Haus des Goldschatzes, wie seine Nobel-Pfandleihe genannt wird, nicht als Unsympathen per se gezeigt. Vielmehr wird deutlich, dass auch sie Opfer der schwierigen politischen Situation sind.
Bei alledem kommt im Zusammenspiel etwa zwischen ihm und anderen Figuren der Humor nicht zu kurz. Bei der Begegnung mit der reizenden und zudem überaus wehrhaften Yoon Chae-ok (Han So-hee) hingegen knistert förmlich die Luft.
Dass im später in Seoul umbenannten Gyeongseong seit geraumer Zeit Frauen spurlos verschwinden, erfahren wir nur eher am Rande, während in Rückblenden die Vorgänge in dem anfangs niedergebrannten Forschungslager erfahren. Und obwohl wir am Ende der Eröffnungsfolge eigentlich kaum etwas über die Dinge erfahren haben, um die es allein schon laut Titel gehen wird, bleiben wir gespannt auf die nächste Folge zurück. So geht Pilotfilm!
Interessanter Asia-Grusel
Natürlich erfindet auch „Gyeongseong Creature“ das Rad nicht neu. Schließlich gibt es dutzendfach Horrorfilme mit ähnlicher Handlung. Doch vermittelt man bereits im Pilotfilm genau die richtige Mischung aus Grusel und Sinn für Dramatik, um den Zuschauer bei der Stange zu halten. Ferner bemerkt man auch den recht hohen Produktionsaufwand, der für die Serie betrieben wurde. Fazit: Eine gelungene Eröffnungsfolge, die voll und ganz ihren Zweck erfüllt, auf die nachfolgende Serie gespannt zu machen.
Dafür gibt es vier von fünf Waltham-Uhren!
Hier abschließend noch der Trailer zur Serie „Gyeongseong Creature“, die Ende 2023 beim Streamingdienst Netflix gestartet ist:
Gyeongseong Creature 1x01 Trailer
(Gyeongseong Creature 1x01)
Schauspieler in der Episode Gyeongseong Creature 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?