Grease: Rise of the Pink Ladies 1x01

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Das passiert
Das Leben an der Rydell Highschool ist nicht immer leicht, vor allem nicht für die Kids, die auf der Beliebtheitsscala weit unten rangieren. Zu ihnen gehören auch Jane (Marisa Davila), Olivia (Cheyenne Isabel Wells), Nancy (Tricia Fukuhara) und Cynthia (Ari Notartomaso). Die vier Mädels versuchen, auf ihre Art ihren Weg zu gehen, stoßen dabei aber immer wieder auf unüberwindbar scheinende Schwierigkeiten, bis sie sich zusammenraufen und die Mädchengang The Pink Ladies gründen. Von nun an gerät das gewohnte Leben auf der Schule gründlich aus den Fugen.
Die Rückkehr des Musicals
Die Beliebtheit von Musicals auf der Leinwand ist von jeher starken Schwankungen unterworfen. Das mag zum Teil am Zeitgeist liegen, zum Teil aber auch daran, dass sich die Dynamik eines Liveauftritts nur relativ schwer auf Film bannen lässt. Das prickelnde Gefühl, live dabei zu sein, fehlt einfach, es gibt keinerlei Interaktion des Publikums und mit ihm. Und doch schaffen es immer wieder Musicalfilme, die Massen zu begeistern. Wer erinnert sich nicht gerne an „The Wizard of Oz“ (1939), „Westside Story“ (1961) oder „Hair“ (1979)?
Wer spürte nicht die knisternde Erotik von „Moulin Rouge“ (2001), die Beschwingtheit der „High-School-Musical“-Trilogie (ab 2008) und geriet bei „Mama Mia“ (2008) nicht ins Dauerwippen? Natürlich gehört auch „Grease“ von 1978 für ein breites Publikum mit in die ewige Bestenliste. Unvergesslich sind die dynamischen und mitreißenden Tanz- und Gesangseinlagen von der leider viel zu früh verstorbenen Olivia Newton-John und John Travolta, die sich noch heute ungebrochener Beliebtheit erfreuen.
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Neue Gesichter

Vor allem das Setting der golden 50er Jahre in Kombination mit einem grandiosen Soundtrack, den leichten Comic-Look-Einschüben und einer unbändigen Lebensfreude machte den Reiz der bunten Romance-Story zu einem Hingucker. Heute ist „Grease“ noch zu so viel mehr für die große Fangemeinde geworden, nämlich pure Nostalgie. Ein Relikt aus den 70ern, einer Zeit, in der man jung und frei von Alltagssorgen selbst die Schulbank drückte und sich unveränglich in die Stars des Films verliebte.
Wie, könnte man sich also mit Recht fragen, soll es möglich sein, dieses tief im Herzen verankerte Gefühl wiederzubeleben? Und das noch ohne Olivia Newton-John und John Travolta? Grease: Rise of the Pink Ladies beweist, dass dieses Kunststück sehr wohl gelingen kann. Die Zutaten, die die Paramount+-Serie zu einem wundervoll amüsanten Erlebnis macht, sind dabei so simpel wie logisch: Man ehrt das Setting, schreibt neue, leichtfüßige Songs, lässt sie von einem talentierten Cast vortragen und verpflichtet Tänzerinnen und Tänzer, die ihr Handwerk verstehen. Abschließend stimmt man das Ganze mit einer hübschen Coming-of-Age-Story ab und rührt einmal kräftig durch, bis ein wohlschmeckendes Musicalgericht im Serientopf vor sich hin köchelt.
Simpel, aber unterhaltsam
Das mag plakativ klingen, trifft aber den Kern ziemlich genau. Da sind zunächst einmal die vier weiblichen Hauptfiguren Jane, Olivia, Peg und Cynthia, die jeweils ganz eigene, aber doch unüberwindbar scheinende Probleme plagen. Jane ist in Buddy (Jason Schmidt) verliebt und schläft mit ihm während einer Autokinoveranstaltung. Leider wird das Paar dabei gesehen - ein Skandal in den wilden 50ern, der das Mädchen ins Abseits treibt. Olivia hat ein Jahr zuvor ein ähnliches Schicksal durchlitten und ist obendrein noch eine Latinofrau.
Cynthia möchte so gerne Mitglied der von Richie (Johnathan Nieves) angeführten T-Birds (das T- steht übrigens für Thunder) werden und wird nur ausgenutzt. Peg wiederum ist eine graue Maus. Nach einer schicksalhaften Nacht kommen sich die Mädels näher und beschließen, dass sie zusammen unbesiegbar sind, wenn sie zusammenhalten. Das ist die Geburtsstunde der Pink Ladies, die uns über die restlichen neun einstündigen Episoden begleiten werden.
Spaßfaktor

Genre-typisch ist der Weg bis zur Gründung der Gang mit reichlich Tanz und Gesang gespickt. Die Inszenierungen der Tanzszenen sind dabei durchweg gut gelungen und laden zum mitswingen ein. Die Choreografie mag indes nicht immer den Geist der 50er Jahre treffen und ist stellenweise vielleicht einen Tick zu stark an heutige Sehgewohnheiten angepasst. Dasselbe trifft auf die Songauswahl zu, die stilistisch zwischen Pop-Rock, modernen Balladen und gutem alten Rock and Roll schwankt.
Beides war jedoch auch im Original schon gegeben, das ebenso ein Kind seiner Zeit war, wie es die serielle Vorgeschichte nun ist. Insofern haben sich Serienerfinderin Annabel Oakes und die Komponisten Zachary Dawes, Nick Sena und Justin Tranter lediglich am Vorbild orientiert und ein paar sanfte Modernisierungen, zum Beispiel am aus dem Film entliehenen Titelsong, vorgenommen. Das lässt sich anhand der Tatsache, dass die musikalischen Darbietungen durchweg Spaß machen und gute Laune verbreiten, allerdings leicht verkraften.
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Fazit
Als Kind der 70er, der die Erstveröffentlichung von „Grease“ seinerzeit im Kino miterlebte und unsterblich in Oliva Newton-John verschossen war, versetzte es dem Rezensenten einen Stich mitten ins Herz, als Grease: Rise of the Pink Ladies angekündigt wurde. Erfreulicherweise bestätigte sich der Verdacht, dass hier wieder einmal nur ein beliebtes Franchise auf die denkbar liebloseste Art ausgeschlachtet werden sollte, nicht.
Das Spin-off ist spaßig, locker, peppig und cool. Die 50's machen als Setting immer noch etwas her und die Darstellerinnen und Darsteller sind gut gewählt, weil jung, dynamisch und talentiert in Schauspiel, Tanz und Gesang. Ein wenig Sorge bereitet aber doch die recht ambitionierte Staffellänge von immerhin zehn einstündigen Folgen, in denen sich der Ton der Show kaum ändern dürfte. Die Frage, ob es nach drei, vier Teilen immer noch dieselbe Freude bereitet, eine Aneinanderreihung von Musical-Versatzstücken zu erleben, um die eine seichte Story herumgeschrieben ist, erscheint durchaus berechtigt. Doch wer weiß? Vielleicht haben die Macher plottechnisch auch mehr zu bieten, als man glaubt. Trotz dieser leichten Bedenken verteilen wir viereinhalb von fünf Tanzmoves.
Hier der Trailer zur Serie Grease: Rise of the Pink Ladies:
Verfasser: Reinhard Prahl am Freitag, 7. April 2023Grease: Rise of the Pink Ladies 1x01 Trailer
(Grease: Rise of the Pink Ladies 1x01)
Schauspieler in der Episode Grease: Rise of the Pink Ladies 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?