
Die Politcomedy Graves ist von dem Kaliber, in dem ein Expräsident plötzlich auf die Bühne einer mexikanischen Feier springt und an der Gitarre rockt. An anderen Tagen entwischt er seinem kindlichen Bewacher um mit seiner Kellnerin in der Wüste kiffen zu gehen. Leider steckt hinter der oberflächlichen Coolness nicht viel mehr als ein grummelnder Nick Nolte (Luck).
Worum geht es und wie kommt es rüber?
Es ist als Comedy angekündigt, das ist hilfreich zu wissen, wenn man die Serie „Graves“ anfängt. Denn das erklärt Einiges, wenn man Filme wie „Hangover“, „American Pie“ und „Wedding Crashers“ zugrunde legt. Es geht um einen alternden Ex-Präsidenten, dessen Kalender von einer ihm freundlich zugeneigten Ehefrau mit eigenem Machtanspruch geplant wird. In den ersten Episoden tritt er mit gewohnter Routine an, um alle halbe Stunde eine offene Rede zu geben. Einer, der endlich mal die Wahrheit sagt, so soll es wirken. Doch die Serienmacher kommen zu spät. Wir haben House of Cards, The Good Wife und Show Me a Hero, die die ernste Seite des Geschäfts um Meilen besser verstehen und wir haben Alpha House, Veep und Parks and Recreation, die aus der Politszene wunderbaren Humor ziehen. Die Macher der neuen Epix-Serie behandeln ihre eigentliche Geschichte über einen Präsidenten wie eine reine recht flache Grundlage für die Story eines Mannes, der sich im Alter nicht mehr an die Vorschriften der Gesellschaft und der Diplomatie halten will. Und selbst das ist eine sehr wohlwollende Sicht, denn am Ende bleiben im Grunde nur einzelne Episoden über verschiedene Karikaturen, von denen einer halt immer der Coole ist, auch wenn er dabei natürlich ein Widerling sein muss, den man trotzdem lieben soll.
Damit der Präsident sich derart ausleben kann braucht er natürlich einen biederen Aufpasser, der sich in die Hosen macht, wenn der Ex-POTUS wieder mal die Wahrheit ausspricht oder einfach auf sein Herz hört. Der junge Isaiah (Skylar Astin, Ground Floor) ist seinerseits vielleicht sogar die größere Karikatur, schließlich liebt er die Familie Graves aus dem politischen Adel schon seit seiner Kindheit, was erklärt, wieso er sich wie ein Fanboy um den grummeligen Mann bemüht, den er gerade erst kennengelernt hat und der seinen neuen Assistenten auf nur wenig originelle Weise wie Dreck behandelt.
Wenn wir nicht gerade diesem Duo folgen, sind wir oft bei der First Lady Margaret (Sela Ward, CSI: New York), die neben ihrem Mann auch noch die frisch getrennte Tochter Olivia (Helene Yorke, Masters of Sex) babysitten muss und ganz offensichtlich Hoffnungen auf ein eigenes Amt hegt. Auch anderswo gibt es keine Originalität zu entdecken. Als der alternde Politiker mal locker lassen will, wen trifft er da passenderweise? Eine junge, lässige Kellnerin, die einen malerischen Wohnwagen mit Lichterkette und Lagerfeuer in der Wüste bewohnt. Zwischendurch lernen wir dann noch den Soldatensohn und den stillen, aber offensichtlich sehr kompetenten Problemlöser der Familie kennen.
Was jedoch für die Pilotepisode ärgerlicher ist als die Klischee-Figuren, ist die Unfähigkeit der Drehbuchautoren sich zwischen Drama und Comedy entscheiden zu können. Immer wieder raffen sie sich zu Kommentaren des politischen Tagesgeschäfts auf, dann wieder versuchen sie mit jeder Lächerlichkeit durchzukommen indem sie sich weigern, ihre Serie ernst zu nehmen. Was bleibt sind Ideen, die man aus Filmen wie „Hangover“ kennt, wenn Figuren ihren eher langweiligen Alltagsweg verlassen, um Neues zu entdecken, meistens mithilfe einer Flasche Alkohol, eines Joints, einem Ehrlichkeitsausbruch und einem Golf Cart. Nicht einmal der Eddingschriftzug im Gesicht des letzten vernünftigen Mitglieds des Kamikazekommandos fehlt. Nur der Funke der politischen Inspiration ist leider völlig auf der Strecke geblieben. Am Ende nimmt der Ex-Präsident dann doch ein kleines, krankes Mädchen in den Arm und sagt ihr, dass sie tapfer sei und Gott sie schützen möge.
Fazit
Der Bereich der Politserien ist nicht gerade unterbesetzt, zwischen Drama und Comedy sind dabei im Serienbereich einige eindrucksvolle Figuren entstanden. Leider trägt die Serie Graves keine neue dazu bei. Denn alles, was die Serienmacher versuchen, ist schon da, besser, lustiger, treffender, schonungsloser und rührender. Das scheint man bei der Epix-Serie selbst auch zu wissen und versucht den Spagat zwischen Albernheit, Schadenfreude und Politik als Alleinstellungsmerkmal auszugeben.
Trailer zur Serie 'Graves':