Grand Hotel: Review der Pilotepisode

© zenenfoto aus dem Auftakt von „Grand Hotel“ (c) ABC
ABC schickt im Sommer 2019 die neue Serie Gran Hotel ins Rennen, bei der es sich um eine US-Adaption der spanischen Serie handelt. Das Original habe ich nicht gesehen, muss ich aber, glaube ich, auch nicht. Denn ich habe erwartet, hier eine Networkdramedy im Stil von Desperate Housewives oder Devious Maids, nur eben im Hotelbusiness angesiedelt, zu finden - und genau das hat der US-Sender geliefert. Brian Tanen (Atypical, Devious Maids) bringt die richtigen Voraussetzungen mit und wird von Eva Longoria und weiteren Produzenten unterstützt. Der Cast der Serie ist zu einem Großteil Teil der Latino-Community, was durchaus erfrischend ist und eine Zielgruppe anspricht, die im amerikanischen Mainstreamfernsehen bisher sträflich vernachlässigt wurde, obwohl sie immer größer wird.
Worum geht es in „Grand Hotel"?

Im Mittelpunkt stehen die Hotelbesitzer des letzten Familienhotels an der Promenade von Miami, die Familie Mendoza: Santiago Mendoza (Demian Bichir) und seine zweite Ehefrau Gigi (Roselyn Sanchez) genießen mit ihren erwachsenen Kindern die Vorzüge des Erfolgs. Nebenbei geht es um die wohlhabenden Hotelgäste, Skandale, Geheimnisse und die fortschreitende Verschuldung der Hoteleigentümer.
Zum Cast gehören Denyse Tontz als Alicia Mendoza, Chris Warren als Jason, Wendy Raquel Robinson als Mrs. P, Shalim Ortiz als Matteo, Bryan Craig als Javi Mendoza, Anne Winters als Ingrid, Lincoln Younes als Danny, Feliz Ramirez als Carolina und Justina Adorno als Yoli.
Zum Beginn der Folge herrscht Hurricane-Zeit und ein Kategorie-4-Sturm zwingt das Personal dazu, die Gäste in einen sicheren Bereich zu evakuieren. Köchin Sky (Arielle Kebbel) scheint dabei ein Geheimnis rund um GiGi zu kennen und droht damit, es zu verraten. Außerdem hat sie irgendetwas entwendet. Kurz danach sieht man Sky im Sturm, wobei sie jemand ausknockt. Ein Monat später hat der Sturm nur oberflächliche Schäden am Hotel angerichtet. Sky gilt seither als verschwunden.

Tochter Alicia kehrt nach erfolgreichem BWL-Studium zur Familie zurück und ist bereit, im Familienbetrieb auszuhelfen und die Geschäfte weiterzuführen. Denn einst haben ihre Mutter und ihr Vater das Hotel aufgebaut. Bruder Javi hat sein Bein unter mysteriösen Umständen verloren. Er liebt es, Hotelgäste und das Personal zu verführen, hasst es aber, wenn er auf sein Bein reduziert wird und kann es nicht ab, wenn ihn jemand dort gegen seinen Willen berühren will.
Drama, Baby!

Danny bewirbt sich auf eine vakante Position im Hotel und lügt dabei in seinem Lebenslauf. Natürlich gerät er schon nach kurzer Zeit in einige Schwierigkeiten und es passieren einige kleine Pannen. In Wirklichkeit will er aber mehr über das Verschwinden von Sky in Erfahrung bringen und Rache am Täter nehmen, schließlich ist er - dramatische Pause - ihr Bruder.
Obendrein heiratet Alicias Stiefschwester Carolina ihren Partner Byron, der das angeschlagene Etablissement mit dem Geld seiner Familie übernehmen und in Luxuswohnungen umgestalten soll, was bisher vor Alicia und Javi verschwiegen wurde. Zudem checkt der Rapper El Rey (Jencarlos Canela) ein und sorgt für weiteren Trubel, aber er gilt auch als Chance, den Ruf des Hotels wieder in aufzupolieren. Obwohl Freundin Yoli bei ihm landet, was offenbar selten passiert, schmeißt sich Carolina dem berühmten Star an den Hals und hat kurz vor der Hochzeit einen Seitensprung mit ihm.
Das ist noch längst nicht alles, denn Dienstmädchen Ingrid hat einen schlimmen Tag, weil sie verheimlicht, dass sie schwanger ist. Matteo scheint der Vater zu sein, doch statt sich um das Baby zu kümmern, wie es zunächst scheint, will er die Abtreibung bezahlen und sie begleiten. Später versucht man es, weil diese Serie einfach tierisch gaga ist, beim rumtreiberischen Xavi, dem sie das Kind unterjubeln will, da der so viel herumzuvögeln scheint, dass er sich nicht mal mehr die Gesichter seiner Eroberungen merkt. Matteo ist nicht nur Pseudochef hinter den Kulissen, sondern auch Treuhänder von den erdrückenden Schulden, die Vater Santiago angehäuft hat.
Alicia findet die Affäre der Stiefschwester heraus und so platzt die Hochzeit öffentlich, wobei herauskommt, dass der Vater das Geschäft abstoßen will, weil er unter einem Schuldenberg regelrecht ertrinkt. Das fasst wahrscheinlich noch nicht mal alles zusammen, was in dieser vollgestopften Auftaktepisode passiert. Man kann sich vorstellen, wie es weitergehen könnte. Ist diese Serie etwa das 9-1-1 der Sommersoaps?
Shit is bananas!
Schnell ist jedenfalls der Punkt erreicht, an dem man sich als Zuschauer/-in denkt: Wie viel Drama wollt ihr denn noch in diese Episode drücken? Der Pilot vermittelt den Eindruck eines proof of concept und man merkt, dass das, was anfangs etabliert wurde, natürlich über den Haufen geworfen werden muss, weil es sonst gar keine Serie gäbe. Nur ist es halt dermaßen viel, dass 08/15-Zuschauer sich wahrscheinlich irgendwann ausklinken, sofern sie den Piloten überhaupt durchhalten. Ich, der damals gerne Serien wie Desperate Housewives oder Devious Maids verfolgt habe, fühle mich abgeholt, aber auch ob der Überfüllung der Pilotfolge etwas überfordert und weiß deswegen nicht, ob ich unbedingt dranbleiben werde. Dafür ist die Watchlist an besseren Serien, die liegenbleiben, einfach zu lang. Als locker-leichte Serienunterhaltung für ein US-Publikum oder eine bisher vernachlässigte Latino-Zielgruppe kann ich mir vorstellen, dass das Format auf Gefallen stößt.
Der Cast ist okay, aber dem Genre entsprechend in zahlreiche Stereotype gegliedert, die ich oben schon ansatzweise zusammengefasst habe: der Frauenaufreißer, der Racheengel, die Macherin, der Pechvogel, die Diva/Stiefmutter, die arme Angestellte. Bis auf das Hotelbesitzerpaar sind die meisten Gesichter immerhin unverbraucht und durchaus sympathisch.
Fazit

Gran Hotel ist alles ein bisschen und nichts richtig gut oder richtig schlecht: Familiendrama, Soap, Murder Mystery, Seitensprungparadies und natürlich Eskapismus ins schöne Miami. Gleichzeitig aber auch sehr durchschnittlich und wenig herausragend. Würde ich wieder einchecken? Weiß ich noch nicht. Würden Alternativen fehlen, vielleicht. Aber auch im Sommer gibt es mittlerweile hunderte von Serien, die mich eher reizen als diese hier. Netter Versuch, schöne Schauwerte und solide Ausstattung fürs Network, aber nichts mit Substanz. Also genau die richtige Sommerware für ABC eigentlich.
Hier zum Abschluss noch der Trailer zu „Grand Hotel":