Gotham 1x08

Gotham 1x08

Die Episode The Mask schafft es zum ersten Mal, einen Fall der Woche zu erzĂ€hlen, der ĂŒber diese eine Folge hinausgehen wird. Nebenbei mĂŒssen sich sowohl Bruce als auch Jim mit ihren inneren DĂ€monen auseinandersetzen.

Todd Stashwicks Darstellung des Richard Sionis in der Episode „The Mask“ ist ein klarer Verweis auf einen Batman-Bösewicht. / (c) FOX
Todd Stashwicks Darstellung des Richard Sionis in der Episode „The Mask“ ist ein klarer Verweis auf einen Batman-Bösewicht. / (c) FOX

Die letzte Episode, Penguin's Umbrella, war fĂŒr viele der SERIENJUNKIES.DE®-Leser und Zuschauer von Gotham der ganz große Wurf, da Oswald Cobblepot (Robin Lord Taylor) seinen Plot zum Teil aufdecken konnte und somit auch der Pilotepisode nachtrĂ€glich noch mehr Schliff verlieh. Die andere Seite der Fans sah die Episode jedoch etwas skeptischer, vor allem, was die anscheinende Unverwundbarkeit Jim Gordons (Ben McKenzie) angeht.

Anhand dieser beiden Betrachtungsweisen lĂ€sst sich derzeit genau das Kernproblem Gothams aufzeigen: Auf der einen Seite will die Serie zwar wesentlich stĂ€rkere ComicbezĂŒge zu Batman annehmen, als es zum Beispiel die Adaptionen von Christopher Nolan taten. Auf der anderen Seite will sie aber auch ernst zu nehmendes Drama erzĂ€hlen und das funktioniert leider am besten, wenn man AuthentizitĂ€t schafft, welche wiederum zum Teil unter den comichaften Elementen leidet.

A mask speaks the truth

Die aktuelle Episode The Mask schafft es, die Waage wesentlich besser als die letzte Episode zu halten. Ebenso setzt sie dabei die Etablierung zukĂŒnftiger Batman-Bösewichte fort und prĂ€sentiert gleich zwei Verweise auf potentielle „Bad Men“. Der erste von beiden stellt dabei gleichzeitig den Fall der Woche dar - und somit auch den ersten, der sich augenscheinlich ĂŒber mehr als eine Folge strecken wird. So wird zu Beginn der Episode die Leiche des jungen Coleman Lawson (Bryce Biederman) gefunden, der in einem Anzug und mit einer Daumenkuppe im Mund gefunden wird.

Wie sich beim Fall der Woche dabei herausstellt, steckt dahinter kein einfacher Mörder, sondern ein machtbesessener Strippenzieher. Dieser trĂ€gt den Namen Richard Sionis (Todd Stashwick). Nicht nur der Nachname mag so manches Glöckchen bei Kennern des DC-Comics lĂ€uten lassen, auch sein titelgebendes Identifikationsmerkmal setzt dies fort. In den Batman-Comics trĂ€gt der Bösewicht „Black Mask“ zwar keine asiatische Maske, dennoch trĂ€gt sein Alter Ego ebenfalls den Namen Sionis. Allerdings heißt dieser Roman und nicht Richard. Ob Richard somit eventuell der Vater des zukĂŒnftigen „Black Mask“ oder sogar doch noch zu diesem selbst wird, bleibt ungewiss. Dass hier jedoch die Grundbausteine eines weiteren Batman-Bösewichts dargestellt werden, wird mehr als deutlich.

Todd Stashwick trĂ€gt als Richard Sionis eine schwarze Maske. Zufall? © FOX
Todd Stashwick trĂ€gt als Richard Sionis eine schwarze Maske. Zufall? © FOX

Neben diesen Verweisen auf den schwarz maskierten Batman-Bösewicht greift Sionis noch ein weiteres Thema auf, das auf den spĂ€teren dunklen Ritter hindeutet: sein Monolog bezĂŒglich seiner Maske. So betont Sionis, dass eine Maske zwar einerseits das Gesicht einer Person verdeckt, jedoch zugleich dessen Seele zum Vorschein bringt und somit die Wahrheit erzĂ€hlt. Dieses Element finden wir ebenfalls in Bruce Waynes (David Mazouz) Alter Ego wieder, welches zum Symbol seiner eigenen Angst wird. Doch nicht nur die Bedeutung der Maskierung nimmt wie in der Episode Spirit of the Goat Bezug auf die Entstehungsgeschichte Batmans. Auch das GesprĂ€ch zwischen Gordon und Sarah Essen (Zabryna Guevara) greift ein wichtiges Element dieser auf.

So unterhalten sich die beiden darĂŒber, wie es sein kann, dass die MordfĂ€lle der Stadt immer obskurer und abgedrehter werden, woraufhin Jim andeutet, dass die Ursache dessen eventuell in den Morden an den Waynes liegen könnte. Die Stadt verlor diese nĂ€mlich als Symbol fĂŒr das, was die beiden reprĂ€sentierten, weshalb nun das Übel ans Tageslicht gerĂ€t, das zuvor im Untergrund schlummerte. Somit wird diesen Morden nicht nur der Ursprung Batmans, sondern auch der seiner Widersacher in den Schoß gelegt. Das wird zu einem wichtigen Faktor der Serie, da sich somit die Helden und die Bösewichte der Stadt gegenseitig bedingen.

Define normal and make a good case for it

Dies wird auch in der Geschichte um Bruce selbst fortgesetzt, der eine Lektion in Sachen Selbstjustiz lernt und dabei auf den zweiten zukĂŒnftigen Widersacher trifft. So schickt ihn sein Butler Alfred (Sean Pertwee) zurĂŒck auf die Privatschule, um ihn zu resozialisieren. Bruce scheut sich jedoch davor und trifft dabei auf einen MitschĂŒler, der es nicht sehr gut mit ihm meint. Tommy Elliot (Cole Vallis) scheint sehr an dem Tod von Bruce' Eltern interessiert zu sein und durchlöchert ihn mit Fragen, provoziert ihn, und schlĂ€gt sich schließlich mit ihm.

Kennern der Comicvorlage sollte der Name Thomas Elliot natĂŒrlich auch etwas sagen, schließlich ist dieser besser unter seinem Namen „Hush“ bekannt. In der Comicvorlage fĂŒhrt er eine Fehde mit den Waynes, da seine Mutter nach einem Umfall von Thomas Wayne zwar gerettet, dabei jedoch zum Pflegefall wurde. Wie sich die Geschichte des MitschĂŒlers von Bruce in der Serie noch entwickeln wird, bleibt dagegen abzuwarten. Es ist jedoch bis jetzt sehr deutlich, dass Gotham keine Zeit verschwendet, neue Bösewichte in der Serie zu etablieren.

Der kleine Tommy Elliot (Cole Vallis) ist Comickennern vor allem als bandagierter %26bdquo;Hush%26ldquo; bekannt. © FOX
Der kleine Tommy Elliot (Cole Vallis) ist Comickennern vor allem als bandagierter %26bdquo;Hush%26ldquo; bekannt. © FOX

Passend zur Comicgeschichte des Charakters wird auch Tommy mit Thomas Wayne konfrontiert, jedoch nur auf indirekte Weise. So ĂŒberreicht Alfred dem jungen Bruce die Uhr seines verstorbenen Vaters nicht, um die Zeit immer im Blick zu haben, sondern um diese als Schlagring zu benutzen und Tommy einen Besuch abzustatten. Nachdem er sich den herben SchlĂ€gen des jungen Wayne stellen musste, behauptet er, dass Bruce ihn hĂ€tte umbringen wollen, woraufhin Alfred dies deutlich bejaht, um Tommy Angst einzujagen. Hier wird der Aspekt des Heldentums angesprochen, da Batman es als unabdingbar ansieht, seine Feinde eben nicht zu töten.

Auch Jim setzt sich mit diesem moralischen Thema auseinander, als er es im letzten Augenblick schafft, das Samuraischwert nicht auf Richard Sionis senken zu lassen, sondern seine eigenen DĂ€monen zu kontrollieren. Er macht deutlich, dass er es zwar nicht liebt, zu kĂ€mpfen, jedoch den Kampf als Weg zur Gerechtigkeit nicht scheut. Nachdem er derweil in den letzten Episoden das gesamte GCPD bis auf Bullock (Donal Logue) gegen sich brachte, schafft es letzterer, die Kollegen mithilfe einer kleinen Rede zumindest etwas zur Vernunft zu bringen. Die Entwicklung Bullocks, der in dieser Episode mehr „good cop“ als Jim zu sein scheint, macht dabei charakterlich immer grĂ¶ĂŸere SprĂŒnge und gehört ebenfalls zu einer der besten Entwicklungen der Serie.

He's not a monster. He's just a man.

Derweil scheint sich auch die Beziehung zwischen Oswald und Fish Mooney (Jada Pinkett Smith) anzunĂ€hern, zumindest was das OberflĂ€chliche angeht. Hinter der Fassade schlummert nĂ€mlich natĂŒrlich immer noch die Fehde zwischen den beiden. So versucht Oswald, Fish mit einer von ihm gestohlenen Brosche zu beschenken und wird mit ebendieser in die Hand gestochen, woraufhin er sie seiner Mutter (Carol Kane) weiterschenkt. DarĂŒber hinaus dreht sich das Spiel der beiden immer weiter um Liza (Makenzie Leigh), die von Fish als Spitzel bei Falcone (John Doman) untergebracht wurde.

So wird Liza von Fish eine kleine Flasche verabreicht, deren Inhalt Falcone zwar nicht umbringen, jedoch fĂŒr kurze Zeit außer Gefecht setzen soll, damit Liza Fish wichtige Unterlagen beschaffen kann. Allerdings scheinen bei ihr so langsam moralische Zweifel zu kommen, da sie vor allem Falcone mit der Zeit besser kennenlernt. Jedoch tischt ihr Fish eine kleine eigene Herkunftsgeschichte auf, in der sie ihr ihre BeweggrĂŒnde offenbart. So wurde sie als Kind Zeugin davon, wie ihre eigene Mutter von einem der MĂ€nner Falcones umgebracht wurde. Wie sich jedoch in einem spĂ€teren GesprĂ€ch Fishs mit der etwas Ă€lteren SĂ€ngerin, die zuvor im Hintergrund zu sehen war, herausstellt, ist diese Geschichte falsch. Ob es sich bei der Dame um Fishs echte Mutter handelt, bleibt leider unausgesprochen, die Andeutung durch die BerĂŒhrung der Ă€lteren Frau deutet dies zumindest an.

Fish Mooney (Jada Pinkett Smith) und Oswald (Robin Lord Taylor) misstrauen sich. © FOX
Fish Mooney (Jada Pinkett Smith) und Oswald (Robin Lord Taylor) misstrauen sich. © FOX

Was Fish dabei entgeht, ist, dass Oswald mittlerweile selbst alles daran setzt, um hinter ihr Geheimnis zu kommen. So foltert er seinen Nachfolger aus dem Hause Mooney, Timothy (Robbie Tann), bis er erfÀhrt, dass Fish einen Spitzel in Falcones Reihen untergebracht hat. WÀhrend der derzeitige Lieblingsbösewicht der Gotham-Zuschauer somit diese Episode nur langsam voranzuschreiten scheint, schafft es ein anderer, immer mehr Screentime und somit auch Charakterentwicklung zu erhalten.

Die Rede ist natĂŒrlich von dem spĂ€ter als „Riddler“ bekannten Edward Nygma (Cory Michael Smith), der in dieser Episode nicht nur aufzeigen kann, dass er von der menschlichen Anatomie so manches versteht, sondern anscheinend im GCPD unterhalb seiner Möglichkeiten beschĂ€ftigt ist. Nachdem bereits seine Probleme beim sozialen Interagieren aufgezeigt wurden, wird er nun auch noch karrieretechnisch in die Enge getrieben. Im Moment schafft es die Darstellung von Michael Smith dabei, mich persönlich wesentlich mehr zu unterhalten als der Pinguin. Ich kann es kaum erwarten, bis dessen Fass zum Überlaufen gebracht wird und er endlich zum Fragezeichenzepter greift.

The Fazit

Die heutige Episode The Mask greift wieder auf den Fall der Woche zurĂŒck, stellt diesen jedoch mit der Anspielung eines potentiellen „Black Mask“ in einen grĂ¶ĂŸeren Kontext und schneidet dabei wieder einmal Themen an, die elementar fĂŒr das Batman-Universum sind. Auch der Fall eines „Battle Royals“, welches die Opfer von Richard Sionis austragen, wirkt Ă€ußerst authentisch.

Hier wird nicht nur die unterwĂŒrfige Rolle von Jobeinsteigern kritisiert. Wir sehen hier nach dem Auftragsmörder Victor Zsasz (Anthony Carrigan) einen Bösewichten, der wesentlich manipulativer vorgeht und dabei eine weitere Facette zeigt: die Rolle eines Mannes, der sich in der Oberschicht Gotham Citys befindet und sich maskiert, um sein wahres Ich zum Vorschein zu bringen. Die Verweise auf die Entwicklung des jungen Bruce sind somit sehr deutlich und gehören meiner Meinung nach zu den StĂ€rken von Gotham.

Cory Michael Smith ĂŒberzeugt in seiner Rolle des Edward Nygma. © FOX
Cory Michael Smith ĂŒberzeugt in seiner Rolle des Edward Nygma. © FOX

Auch die Etablierung des jungen Tommy Elliots schafft es, dem Bruce-Wayne-Plot etwas mehr Form zu geben, die sich auch fernab von dessen Ermittlungen in dem Mordfall seiner Eltern abspielt. Das moralische Thema des Tötens wird hier in zwei FĂ€llen angedeutet - bei Jim und bei Bruce, wobei sich letzterer zunĂ€chst noch fernab seiner spĂ€teren Vorstellung dessen befindet. Die finale Andeutung, dass Alfred dem jungen Wayne das KĂ€mpfen beibringt, deutet nicht nur an, dass die Selbstjustiz nun im Vordergrund steht, es bleibt auch die Frage offen, woher Alfred dieses Wissen hat. So gibt es verschiedene ComicansĂ€tze, in denen Alfred eigene Kampferfahrung besitzt. Ein Beispiel wĂ€re der Comic Earth One, in dem er als Exmitglied der „Royal Marines“ dargestellt wird.

Zusammen mit dem in der letzten Episode eingefĂŒhrten Victor Zsasz und den in der kommenden Folge auftauchenden Harvey Dent (Nicholas D'Agosto) scheint sich Gotham derzeit weg von den EintagsfliegenfĂ€llen hin zu grĂ¶ĂŸeren Bösewichten zu entwickeln. Das tut der Serie sehr gut. Auch der Cliffhanger mit der im GCPD auftauchenden Selina Kyle (Camren Bicondova) setzt diese Reihe der potentiellen Bösewichte fort. Eine Frage, die sich dabei jedoch noch stellt, ist die um die Geschichte der jungen Ivy Pepper (Clare Foley), die bisher nur in der Pilotepisode aufgegriffen wurde.

Verfasser: Henning Harder am Dienstag, 11. November 2014

Gotham 1x08 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 8
(Gotham 1x08)
Deutscher Titel der Episode
Die Maske
Titel der Episode im Original
The Mask
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 10. November 2014 (FOX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 12. MĂ€rz 2015
Autor
John Stephens
Regisseur
Paul A. Edwards

Schauspieler in der Episode Gotham 1x08

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