Gotham 1x02

Gotham 1x02

In der zweiten Episode der US-Serie Gotham stehen Straßenkinder, die entführt werden, im Mittelpunkt. Selina Kyle und ihre Mitstreuner werden Opfer eines fiesen Schurken. James Gordon strauchelt mit seiner neuen Marschrichtung und Oswald Cobblepot bahnt sich seinen Weg zurück.

Szenenfoto aus der Episode „Selina Kyle“ der US-Serie „Gotham“ / (c) FOX
Szenenfoto aus der Episode „Selina Kyle“ der US-Serie „Gotham“ / (c) FOX

Die zweite Episode der FOX-Serie Gotham trägt im US-Original den Titel Selina Kyle und obwohl die junge Obdachlose im Mittelpunkt steht, ist ihre Screentime doch begrenzt, weil einfach zu viele Geschichtsstränge gewoben und zu viele Figuren jongliert werden. Was sich für manche Zuschauer im Serienpiloten schon angedeutet hat, wird hier unterstrichen: Bruno Heller und sein Autorenteam müssen ein besseres Gefühl dafür entwickelt, wie sie mit ihren zahlreichen Figuren haushalten. Denn die Struktur dieser zweiten Episode wirkt sprunghaft und überladen.

Weniger wäre mehr

Fast alle Figuren aus dem Piloten tauchen wieder auf und es kommen noch einige neue (wenn auch wahrscheinlich temporäre) hinzu. Von den späteren Schurken fehlt nur Ivy, die hier fern bleibt.

Edward Nigma (Cory Michael Smith) darf wieder einmal dafür sorgen, dass die Polizei und der Zuschauer versteht, mit welchem Mittel die Obdachlosen betäubt und gefügig gemacht werden, was gleich für eine Arkham-Asylum-Referenz genutzt wird. Fish Mooney (Jada Pinkett Smith) kriegt von Don Falcone (John Doman) den Kopf gewaschen, nur um später im Privaten Drohgebärden gegen den gegenwärtigen Boss aufzustoßen und anzudrohen, dass sie ihn eigenhändig beseitigen wird und Oswald Copplepot (Robin Taylor) macht sich nach der eindeutigen Warnung durch James Gordon (Ben McKenzie) daran etwas Distanz zwischen sich und Gotham City zu schaffen. Er wird von zwei Anhaltern mitgenommen, die ihn zunächst necken und die er später zu seinen Opfern werden lässt. Den einen hält er als Geisel und will von dessen Mutter Lösegeld erpressen, doch diese scheint daran wenig Interesse zu haben.

Der Fall um die entführten Kinder

Selina Kyle (Camren Bicondova) und ihre Gang von Straßenkindern und Obdachlosen wird von den Handlangern des Dollmakers heimgesucht, verschleppt und teilweise sogar umgebracht. Erst durch den Tod eines Gruppenmitglieds, der einst zum Militär gehört hat, werden Bullock (Donal Logue) und vor allem Gordon überhaupt erst auf den Fall aufmerksam. Während Bullock am liebsten abwarten würde, bis Gras über die Sache gewachsen ist und dem Straßenjungen vorwirft zu lügen, der ihm konkrete Hinweise zum Vorfall gibt, nimmt sich Gordon des Falls an und stößt auf Widerstand von oben. Captain Essen (Zabryna Guevara) würde am liebsten auch keinen Finger krumm machen und hinterfragt Gordons Verständnis der vom Mob diktierten Regeln. Essen ist also auch geschmiert, wie so gut wie jeder in Gordons neuer Wirkungsstätte. Beim späteren Gespräch mit seiner Freundin Barbara (Erin Richards), der Gordon vom Fall erzählt und die ihm sein merkwürdiges Verhalten in letzter Zeit anmerkt, kommt dann Bewegung ins Spiel. Der Gotham Gazette, die am Telefon mit dem Polizisten sprechen will, verrät sie, dass die Polizei den Fall aussitzen möchte, was am folgenden Tag sofort in der Zeitung erscheint und das GCPD zum Handeln zwingt.

Man kommt den Entführern recht schnell auf die Spur und der Bürgermeister Aubrey James (Richard Kind) kann öffentlichkeitswirksam verkünden, welch gute Arbeit die Polizei gemacht hat. Gleichzeitig stellt er den Kindern Hilfe in Aussicht und möchte sie zu Pflegeeltern vermitteln. Hinter verschlossenen Türen jedoch heißt es, dass nur jene, die sich benehmen können und nach außen einen guten Eindruck machen, zu Pflegeeltern kommen, während die Delinquenten heimlich still und leise in den Jugendknast wandern sollen.

Die Rechnung hat der Bürgermeister ohne das Entführer-Duo gemacht, das gleich eine Busladung von Kindern erneut entführt. Dabei kann immerhin Selina Kyle, die lieber Cat genannt werden möchte, entkommen und zumindest so lange Zeit schinden, bis Gordon den Tätern auf die Spur kommt. Bullock nimmt den Partner fest und der Fall ist abgeschlossen.

Selina weiß mehr zum Fall Wayne

Über die schauspielerische Leistung der Camren Bicondova bin ich mir unschlüssig. Als Jungschauspielerin verdient sie womöglich Welpen- oder in ihrem Fall Katzenschutz. Doch so ganz überzeugt sie nicht, nun da sie auch Sprechparts hat. Sie soll frech, eigenständig und bauernschlau sein, aber kommt eher arrogant und nervig rüber. Allerdings muss man in dem Gotham, wie es hier dargestellt wird auch vorsichtig sein, denn schließlich ist sie kurz zuvor erst aus einer Entführungssituation befreit worden. Wenn sie vielleicht schon vorher Erfahrungen mit der korrupten Polizei gemacht hat, dann ist es verständlich, dass sie nicht jedem - auch nicht Gordon - auf Anhieb ihren Namen verrät. Das ist purer Selbstschutz, zumal sie als wohnungslose sonst vielleicht eingesperrt wird und so ihrer momentanen Freiheit beraubt wird. Zu hart werde ich mit der der Leistung der Jungschauspielerin deswegen nicht ins Gericht gehen.

Recht schnell wird außerdem der Bogen gespannt zu ihrem angeblichen Wissen, wer der Mörder im Fall Martha und Thomas Wayne ist. Sie besteht darauf, diese Information nur Gordon zu verraten. Was ebenfalls für ihre Schläue spricht. Großspurig meint sie jedenfalls, dass sie einen glasklaren Blick auf den Täter hatte. Wir werden in der folgenden Episode sehen, wie sich das entwickelt.

Dollmakers Gefolge

Die beiden Lakaien des Dollmakers sind ein weiteres Kuriosum in dieser Episode. Hatte man im Piloten noch den Eindruck, dass Heller daran interessiert ist, eine realistische und düstere Variante Gothams abzubilden, dann kommen diese beiden Schurken mit den Namen Patti und Macky (Kyle Massey) sehr campy und comichaft herüber. Man muss sich das Lachen schon verkneifen, wenn die weibliche Figur Patti (Lili Taylor ihren Mund öffnet. Ein wenig erinnert die Dame in ihrer Aufmachung außerdem an Frau Farbissina aus der Austin-Powers-Reihe. Dazu kommt, dass die Art und Weise, wie sie die Obdachlosen betäuben, lächerlich wirkt - aber da schiebe ich erneut in Richtung Comicanleihe. Im Endeffekt ist die Auflösung des Falls dann allerdings auch recht plötzlich und dient nur als Brücke dafür, dass Cat mit Gordon spricht und den Fall Wayne potentiell neu eröffnet.

Bruce, Gordon und Alfred

Szenenfoto aus der Episode %26bdquo;Selina Kyle%26ldquo; der US-Serie %26bdquo;Gotham%26ldquo; © FOX
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Bruce Wayne (David Mazouz) erhält wieder einige kurze Szenen. Er übt schmerzunempfindlicher zu werden, indem er seine Hand lange Zeit in eine Kerze hält, ehe Alfred (Sean Pertwee) ihn dabei erwischt und nicht so recht weiß, ob er sauer sein oder Verständnis aufbringen soll. Darum lädt er Gordon zur Tea Time ein, von dem er glaubt, dass Wayne ihn respektiert und ihm gut zureden kann. Später sieht man Bruce dann beim Kritzeln und Heavy Metal hören, was wohl seinen Hang zum Düsteren verdeutlichen soll.

Im Tea-Time-Gespräch mit Gordon wird dann herausgearbeitet, dass Bruce eben doch noch ein Kind ist, auch wenn ihm nun große finanzielle Mittel zur Verfügung stehen, lässt sich mit Geld eben auch nicht alles lösen, wie ihm Gordon zu vermitteln versucht. Master Bruce bietet den Straßenkindern nämlich eine Finanzspritze an. Doch Geld ist eben nicht alles und so wirkt es, als würde eine Kleiderspende vielleicht besser ankommen.

Schön ist im übrigen, wie Butler Alfred Bruce zurechtweist, sich nicht an andere Leute heranzuschleichen. Etwas, was die Comicfigur gegenüber dem späteren James Gordon gerne macht - genauso wie das lautlose Verschwinden, während sein Gegenüber noch mitten im Satz ist. Auch die Thematik „Arkham Asylum“ könnte noch einiges Interessantes zur Folge haben.

Machtgefüge

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In der Unterwelt Gothams ist ebenfalls einiges am Brodeln. Fish Mooney etwa wartet den Tag ab, an dem sie mehr Männer, Geld und ein größeres Gebiet erlangt hat, um sich gegen Falcone auflehnen zu können. Gleichzeitig wünscht sie sich, dass sie Copplepot nicht so voreilig erledigt hätte, denn ihre sadistische Ader war noch nicht befriedigt und das wäre ein gutes Ersatzventil für sie gewesen, um etwas Druck abzulassen, wenn sie schon dem Don nicht zeigen kann, wo der Hammer hängt. Falcone jedenfalls scheint zu wittern, dass ihm Gefahr droht, wie auch schon der „Pinguin“ im Piloten gegenüber James Gordon angedeutet hatte und schiebt im Gespräch mit Mooney die Nummer 2 Maroni vor. Obwohl das eindeutig eine Warnung Richtung Mooney war. Copplebot macht derweil relativ schnell seine Wandlung zum Psychopathen durch und übt an den Jungs, die bereit waren ihn mitzunehmen und den Fehler begangen haben ihn „Pinguin“ zu nennen. Im Prinzip hat er nichts zu verlieren und kann einiges gewinnen, seine Unberechenbarkeit könnte das Machtgefüge in Gotham sicherlich zumindest ins Wanken bringen, wenn er denn sein Comeback dahin startet.

Fazit

Mit der zweiten Episode ist Gotham wohl in der Realität angekommen. Die Folge wirkt generischer, überladener und unbefriedigender. Der Fall der Woche ist weniger rund und die schauspielerischen Leistung teilweise noch gewöhnungsbedürftig. Comic Relief ist an sich nichts Schlechtes, nur hätte man vorher vielleicht einen Ton etablieren müssen, bevor man gleich einige Stufen ins Lächerliche abdriftet. Damit sind nicht nur die Schurken der Woche gemeint, sondern auch die Mutter des Oswalt Copplepot, die in einer Szenen vorkommt. Mehr als Durchschnitt ist diese Folge darum nur selten.

Vorschau auf die Episode The Balloonman der US-Serie Gotham: .

Verfasser: Adam Arndt am Dienstag, 30. September 2014

Gotham 1x02 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 2
(Gotham 1x02)
Titel der Episode im Original
Selina Kyle
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 29. September 2014 (FOX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 29. Januar 2015
Autor
Bruno Heller
Regisseur
Danny Cannon

Schauspieler in der Episode Gotham 1x02

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