Gossip Girl (2021): Review der Pilotepisode

Gossip Girl (2021): Review der Pilotepisode

HBO Max belebt den alten Account wieder. Ab sofort postet Gossip Girl wieder die Geheimnisse der superreichen Kids von Manhattan. Ob die Geschichte mit einem Hauch Dramedy wieder aufgefrischt werden kann?

Szenenfoto aus dem Remake der Serie Gossip Girl (c) The CW
Szenenfoto aus dem Remake der Serie Gossip Girl (c) The CW
© zenenfoto aus dem Remake der Serie Gossip Girl (c) The CW

Der letzte Blogpost ist schon ein paar Jährchen her und an der Constance Billard kennt niemand mehr Blair Waldorf (Leighton Meester) und Chuck Bass (Ed Westwick). Längst ist eine neue Generation reicher, attraktiver und ruchloser Teenager eingezogen, die schon im Kindergarten perfekte Posen für ihre Profilfotos entwickeln mussten. Kann das Reboot der Serie Gossip Girl (2021) den gleichen Sweet Spot der Zuschauerschaft erreichen wie das Original?

Wovon handelt die Serie Gossip Girl (2021)?

Die neue Clique auf den Met-Stufen wird angeführt von Julien (Jordan Alexander), einer Instagram-Berühmtheit, die mit Offenheit und unermesslichem Reichtum begeistert. Sie hat die Aura der Unantastbarkeit, was ihr auch ermöglicht, mit den Haien zu schwimmen, ohne selbst zu beißen. Dafür hat sie ihre beiden Social-Media-Managerinnen Monet (Savannah Lee Smith) und Luna (Zíon Moreno), deren Lebensziel es zu sein scheint, die größte Intrige zu erschaffen. Besonders Monet ist das „Mean Girl“ der Schule, sie verbreitet nicht nur unter der Schülerschaft Angst, auch die Lehrer zittern vor ihr.

Zur Gang gehört außerdem noch Juliens Freund Obie (Eli Brown), ein reicher, attraktiver politischer Aktivist, der als Einziger mit einem intakten moralischen Kompass in die Serie startet.

Der neue Chuck kommt uns in Form von Max Wolfe (Thomas Doherty) entgegen, der sich in der Pilotepisode vor allem dadurch hervortut, dass er in die monogame Beziehung seiner Freunde Aki (Evan Mock) and Audrey (Emily Alyn Lind) einbricht. Auch die beiden sind Teil der Gang, haben jedoch ebenfalls wenig mehr Story als den Hauch einer Dreiecksbeziehung zu bieten.

Denn im Zentrum steht die Ankunft von Zoya (Whitney Peak), Juliens jüngere Halbschwester. Die Mutter der beiden hat Juliens Vater mit Zoyas Vater betrogen. Mittlerweile ist sie verstorben. Nun stehen sich die beiden Halbschwestern gegenüber, nachdem Julien im Hintergrund die Fäden gezogen hat, um ihrer nicht wohlhabenden Schwester ein Stipendium für die elitäre Privatschule zu verschaffen. Das ist dann auch das erste große Geheimnis, das der neue Gossip-Girl-Account enthüllt. Denn auch ihre Freunde und ihren Partner hat Julien darüber im Unklaren gelassen, dass sie es selbst war, die ihrer Schwester Zugang zu ihren Kreisen verschafft hat.

Losgetreten wird das Drama von einer Gruppe Lehrer, denen in der Auftaktepisode vor Augen geführt wird, dass ihre ultrareiche Schülerschaft die Macht hat, sie mit einem Wink zu entlassen. Im Zentrum der Lehrergang steht Kate (Tavi Gevinson), die sich mit ihren Kollegen in den alten Gossip-Girl-Blog vertieft, nachdem sie erfahren hat, dass genau dieser Blog die Überwachung war, die verwöhnte, reiche Kinder brauchen, um Verantwortungsgefühl zu lernen. Die soziale Kontrolle als das einzige Instrument, das zählt, bei Menschen, die materiell gesehen bereits in jungen Jahren alles haben. Das Leben der neuen Gang ist im Kern dasselbe wie das von Serena (Blake Lively) und Co, ein großer Beliebtheitswettbewerb. Doch, während es damals vor allem um die Meinung der Mitschüler ging, hat die Generation Z das gesamte Internet als Publikum zur Verfügung. Der Wendepunkt in der Beziehung der beiden Halbschwestern kommt, als Julien erkennt, dass sie Follower verliert.

Wie kommt es rüber?

Wenn man eine Teenieserie aus einer anderen Ära rebootet, empfiehlt es sich, die Story an die neuen Bedingungen anzupassen. Allen voran gehört dazu ein signifikanter Ausbau der Diversität. In diesem Bereich deckt die neue Serie viele Bereiche ab, sowohl im Hauptcast als auch in der Story. Doch der Einbau des Kampfs um soziale Gerechtigkeit fühlt sich in Gossip Girl (2021) recht hohl an. Plakatives Zurschaustellen der eigenen Progressivität ohne echte Inhalte dürfte an einer Schule wie Constance Billard durchaus passend sein. Doch zumindest in der Pilotepisode sieht es nicht so aus, als wenn das Drehbuch das aus dem Off kommentieren will.

Auch in einem anderen Bereich wollen die Serienmacher ihre Serie vom Original absetzen. Sie testen ihre Hand an einer eindeutigen Comedynote, die gar nicht so einfach in die Hochglanzstory zu integrieren ist.

In Hinsicht der Erneuerungsfähigkeit fällt die HBO Max-Serie deutlich hinter andere Reboots ähnlicher Art zurück. Da hätte man sich eine Seite aus dem Handbuch der neuen Saved by the Bell-Macherin Tracey Wigfield nehmen können. Auch dort gab es eine Schule voller verwöhnter Rich Kids mit Comedy über die Metaebene zu updaten, was brillant gelungen ist. Davon jedoch ist Gossip Girl (2021) weit entfernt, die Comedy beschränkt sich vor allem auf eine übertrieben alberne Lehrerschaft auf einer sozialen Vendetta, die erst mal herausfinden muss, dass auf Twitter niemand mehr über 30 ist. Die Metaebene trauen die Macher ihrer Zuschauerschaft bisher nicht zu.

Was die Serie jedoch gut macht, ist die Darstellung der Beziehung zwischen ihren Protagonisten und der ominösen Gerüchteverteilerin selbst. Während die Frage, wer hinter Gossip Girl steckt, die Originalgang über alle Episoden gequält hat, ist das im Reboot kein Rätsel. Was jedoch ins Zentrum rückt, ist die Frage, wie die Onlinegerüchte Leben zerstören können, auch über die Beliebtheit an der Schule hinaus. Die junge Generation, die in eine Onlinewelt geboren wurde, ist nicht so einfach zu schockieren. Jugendliche wie Julien haben die Macht über die eigene Geschichte längst übernommen, sie kennen die Tricks der PR-Maschine, die sie dank Instagram und tausenden Followern einfach selbst bedienen können. Davon hätten Blair Waldorf und Co nur träumen können.

So lassen die ersten Gerüchte Julien total kalt. Ungerührt baut sie jedes neue Gerücht in ihre eigene Narrative ein und vertröstet ihre Schwester darauf, nicht alles zu ernst zu nehmen. Alles ändert sich jedoch eben erst dann, als sie erfährt, dass sie Follower verliert...

Fazit

Insgesamt ist das jedoch zu wenig, um sich neu anzufühlen. Die Charaktermerkmale der neuen Gang fühlen sich an, als wenn die Autoren sie aus dem Pool der Originalclique lieblos neu verteilt hätten. Schon in der Pilotepisode hat man das Gefühl, viele Dramen der Zukunft voraussehen zu können. Die Idee, die Lehrer in die Story zu holen, kann einen Funken Interesse erwecken. Um großen Gefallen an den Geschichten innerhalb der Clique zu finden, muss man jedoch schon etwas guten Willen mitbringen und hoffen, dass die Charaktere sich noch stark entwickeln und einen in eine teils absurde Story ziehen können, so, wie es die Gang aus dem Original zumindest in den ersten Staffeln konnte.

Gossip Girl (2021): Teaser Trailer

Hier abschließend noch der Trailer zum Reboot der Serie „Gossip Girl“:

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