GCB 1x01

Amanda (Leslie Bibb) hatte alles: einen reichen Gatten, zwei Kinder, das scheinbar perfekte Leben. Zu dumm nur, dass sich ihr Angetrauter als übler Betrüger und Halodri erweist, der beim Versuch, mit Amandas bester Freundin durchzubrennen, weit über das Ziel hinausschießt. Von Blowjobs am Steuer ist eben dringend abzuraten. Frisch verwitwet und gepfändet bleibt Amanda nichts anderes übrig, als mit ihren Kindern aus Kalifornien zurück ins heimische Texas und zu ihrer Mutter Gigi (Annie Potts) zu ziehen, welche einen Konservatismus ganz eigener Art pflegt: Sonntags geht sie selbstverständlich zur Kirche. Göttliche Inspiration erhält sie jedoch von Christian Dior.
Amandas Rückkehr versetzt vor allem die Frauen der Nachbarschaft in helle Aufregung: Nur all zu gut können sie sich noch daran erinnern, was für eine gemeine Person Amanda während ihrer gemeinsamen Zeit an der High School gewesen ist - und wie sehr sie das Leben aller zur Hölle gemacht hat. Entsprechend herzlich, nämlich voll falscher Freundlichkeit, fällt ihre Begrüßung für Amanda aus. Vor allem Carlene (Kristin Chenoweth) will verhindern, dass sich die Geschichte wiederholt, und Amanda zu ihrer alten Rolle als Queen Bitch zurückfindet. Dieser Part fällt jetzt schließlich Carlene zu. Als Amanda von einem heimlichen Verehrer teure Geschenke erhält, setzen ihre Rivalinnen alles daran, herauszufinden, wer dahintersteckt...
Die Absicht von ABC ist unverkennbar: Das US-Network ist auf der Suche nach Nachfolgerinnen für die Desperate Housewives, die sich zum Ende dieser Season vom Bildschirm verabschieden. Die Pan Am-Stewardessen sind in den Einschaltquoten abgestürtzt; nun sollen also die „Good Christian Bitches“ ihr Glück versuchen. Und machen zumindest in der Pilotfolge ihre Sache gar nicht schlecht.
Erzählerisch ist die Rückkehr in die Heimat sicherlich nicht sonderlich innovativ (wenn man einmal von dem erst nach 15 Minuten! eingeschobenen Vorspann absieht...). Dafür fühlt sich jedoch das Gesellschaftsbild, welches die Serie zeichnet, äußerst aktuell und relevant an: Gezeigt wird nämlich eine Kultur, in der Schein und Sein nicht viel miteinander gemein haben, wenn es um moralische Belange geht. Nach außen hin wird Frömmigkeit zur Schau gestellt, dahinter kommen jedoch weit weniger schöne Charakterzüge wie Misstrauen, Eifersucht und Gehässigkeit zum Vorschein.
In den USA ist die Rede vom Culture War, dem Kulturkrieg zwischen dem Liberalismus der Küstenstaaten und dem Konservatismus von Middle America, in aller Munde. Genau auf dieser Folie spielt sich auch GCB ab: Amanda ist durch das Leben in Kalifornien nicht nur ein netterer Mensch geworden, auch in ihren Haltungen und Einstellungen, beispielsweise was den Umgang mit Alkohol und den Ernst einer Alkoholsucht angeht, unterscheidet sie sich deutlich von denen, die in ihrer früheren Heimat die Norm sind. Sie will ihren Kindern die freie Entscheidung lassen, ob und wie sie zu einer Spiritualität finden. Für ihre Mutter ist der Kirchenbesuch dagegen obligatorisch.
Es sind genau diese kulturellen Verwerfungen innerhalb der amerikanischen Gesellschaft, welche die Konflikte der Serie über das übliche Maß einer Prime-Time-Soap hinaus interessant und die Serie als Dramedy so amüsant machen („How dare you call me a bitch!?“ / „How dare you call yourself a christian!?“).
Die Serie positioniert sich im Culture War schon recht eindeutig (so dass Zuschauer in den Küstenstaaten sie wahrscheinlich unterhaltsamer finden werden als diejenigen in Texas...), gleichzeitig achtet sie jedoch ebenfalls darauf, kein plattes Schwarz-Weiß-Bild zu zeichnen. So wird Amandas Mutter Gigi, bei aller Verschrobenheit, als eine sehr warmherzige Frau gezeigt, die ihre Tochter aufrichtig liebt. Heather (Marisol Nichols) erweist sich derweil aus der Runde der „Good Christian Bitches“ als diejenige, die am ehesten bereit ist, Amandas Veränderung zur Kenntnis zu nehmen und, wie es wahrer christlicher Gesinnung entspricht, Vergebung und Versöhnung zu üben.
So networktypisch abstrus auch der Eiertanz um den Titel geraten ist (welcher erst in „Good Christian Belles“ und dann schließlich in GCB abgewandelt wurde, weil man Good Christian Bitches wohl für eine Networkserie zu gewagt fand), so sehr beweist man bei einigen der Gags (zum Beispiel bei der telefonischen Erörterung, was mit dem besten Stück von Amandas Mann kurz vor dessen Tod passiert ist) durchaus Chuzpe. Allerdings konkurriert man ja auch mit den „Real Housewives“ von überall um die Gunst der Zuschauer. Da darf man nicht all zu zimperlich sein.
Fazit
Der Einstand von GCB ist auf jeden Fall sehr unterhaltsam ausgefallen. Das Potenzial, die Desperate Housewives zu beerben, ist hinsichtlich der Figuren, Konflikte und möglichen komischen Situationen sicherlich vorhanden. Ob die Serie dies auch wird nutzen können, werden die kommenden Folgen zeigen.
Verfasser: Christian Junklewitz am Montag, 5. März 2012(GCB 1x01)
Schauspieler in der Episode GCB 1x01
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