
Nach dem Tod seiner Frau wird dem Sportmoderator Ryan King (Matthew Perry, Friends) von seinen Kollegen beim Radiosender eine Therapie aufgezwungen. King muss zehn Sitzungen in der Trauerselbsthilfegruppe absolvieren - erst dann darf er zur Arbeit zurückkehren.
Das Rad ist nicht neu erfunden, aber es rollt
Um in der limitierten Zeit einer 23-minütigen Pilotepisode eine möglichst deutliche Charakterisierung des Protagonisten zu erreichen, müssen auch plattere Anekdoten herhalten:
Ryan wirft so den Geburtstagskuchen einer sechzigjährigen Mitarbeiterin in den Müll, weil er ihn für einen an sich selbst adressierten Trauerkuchen hält. Auch anhand Ryans schlagfertigem, wenn auch etwas rüdem Umgang mit seiner Assistentin kristallisiert sich unmissverständlich heraus, dass es sich bei dem Moderator um einen sehr witzigen, cleveren Mann mit einem Hang zum böseren Humor handelt. Seine Witzeleien bleiben dabei jedoch stets auf dem sicheren Terrain der political correctness. Ebenso offensichtlich wie dieser clownhaftig distanzierte Charakterzug ist jedoch auch, dass da noch etwas anderes verborgen ist.
Seit dem Tod von Ryans Frau ist erst ein Monat vergangen. Der Witwer klammert sich zwar vehement an seine gut gelaunte Fassade, hat aber dennoch sehr an dem Verlust zu knabbern - was ihn ja auch wieder menschlich, und somit sympathisch, macht.
Wer leidet, gewinnt!
Nachdem Ryan sich zunächst ausgerechnet in den Raum begeben hat, in dem eine obligatorische Rollenspiel-Mittelaltergruppe ihr Unwesen treibt, stößt er endlich auf die echte Selbsthilfegruppe. So weit, so unspektakulär. Doch Go On kann durchaus auch mit innovativeren Elementen aufwarten, die dann auch wirklich witzig sind. Dazu zählt auch das originelle Highlight der Episode: Der Moderator leitet kurzerhand eine unkonventionelle Übung zur Aufarbeitung der individuellen Sorgen an.
Aus seinem „Wen hat es am schlimmsten erwischt“-Wettkampf resultieren so eine Reihe von unterhaltsamen Gags: Der alte George (Bill Cobbs), der seine Erblindung nun als Bonus zelebriert, oder die spanischsprachige Frau, aus deren pathetischen Wortergüssen man vor allem das Wort „muerto“, also „tot“ entnehmen kann. Die Übermacht der Todesfälle in ihren Geschichten bringt der Migrantin dann auch den Sieg des morbiden Wettbewerbs ein, der von ihr auf entzückende Weise gefeiert wird.
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Charakterisierung im Schnelldurchlauf
Platt ist dann wiederum die Tatsache, dass der junge Owen (Tyler James Williams) im Kreise der Gruppe noch nie etwas gesagt hat - bis Ryan auftaucht! Der muss dann nur ein paar quirlige Worte äußern, um dem Jungen das konsequente Schweigen auszutreiben. Auf diese wenig subtile Weise wird Ryans Charakterisierung als frecher Menschenfreund abgerundet. Mithilfe seines sanft-rebellischen Auftretens kann der Gruppenneuzugang die Sympathien des Publikums gewinnen und gleichzeitig die anderen Teilnehmer zum Auftauen bringen.
Mit dieser aufgelockerten Runde sieht sich dann Lauren (Laura Benanti), die Leiterin der Gruppe „Live Change“, konfrontiert, als sie den Raum betritt.
Um - erneut - die spritzige Herangehensweise Ryans zu loben, bedient sich Lauren für ihre Arbeit einer möglichst lächerlichen Methodik, die einen Gong und Selbstumarmungen beinhaltet.
Zwischen Klischee und echtem Gefühl
Nach dem ungefährlichen Klamauk liefert die Serie dann aber plötzlich auch überraschend sensible Eindrücke. Das funktioniert besonders gut, als verschiedene Teilnehmer der Selbsthilfegruppe unkommentiert bei der Bewältigung ihrer Trauer im Alltag gezeigt werden.
Doch in den Reihen der Therapiebedürftigen kommen bedauerlicherweise auch gänzlich abgegriffene Stereotypen zum Einsatz. So ist es mehr als unnötig, dass es sich bei Yolanda (Suzy Nakamura), der Streberin der Gruppe, ausgerechnet um eine Frau asiatischer Abstammung handeln muss.
Gerade als der uneinsichtige Ryan sich erfolgreich aus der Gruppe herausgemogelt hat, realisiert er, dass er doch nicht ohne Hilfe über den Tod seiner Frau hinwegkommen kann. Eine rührende Endsequenz rundet die erste Episode ab.

Fazit
Das Konzept von Go On ist schnell erklärt: Menschen, die jemanden verloren haben, sollen lernen, weiterzuleben. Dabei stehen ihnen zwei durch Ryan und Lauren personifizierte Problemlösungsstrategien zur Verfügung. Doch letztendlich kann wohl nur eine Verbindung aus dem albernen, humoristischen Ansatz von Ryan und Laurens ehrlicher Selbstanalyse zum Ziel führen.
Scott Silveri, der Schöpfer der Serie, kannte Matthew Perry bereits aus ihrer gemeinsamen Zeit bei Friends. Wohl auch deswegen scheint die Rolle des Ryan gut auf die schauspielerischen Qualitäten von Perry abgestimmt zu sein. Neben dem charismatischen Hauptdarsteller kann die Pilotepisode vor allem durch die vielen verschiedenen Typen erfreuen, die sich in der Selbsthilfegruppe ihren Problemen stellen. Die Mexikanerin ist dabei ebenso liebenswert wie der verrückte Bärtige (unorthodox verkörpert durch Brett Gelman) oder die dicke Frau, die um ihre Katze trauert. Auch die Therapeutin selbst, die ihre Qualifikationen bei der Arbeit für Weight Watchers erworben hat, könnte sich zu einer liebenswerten Figur mausern.
Falls es den Verantwortlichen gelingt, sich in den zukünftigen Episoden weiter von Klischees zu entfernen und näher an echte Gefühlswelten heranzukommen, hat Go On das Potential, langfristig für abwechslungsreiche Unterhaltung zu sorgen - sowohl in den witzigen als auch in den ruhigeren, emotionalen Sequenzen.