Glamorous: Kritik der Pilotepisode der Netflix-Serie mit Kim Cattrall

Glamorous: Kritik der Pilotepisode der Netflix-Serie mit Kim Cattrall

Im Windschatten von Hits wie „Der Teufel trägt Prada“ und „Glee“, versucht die neue Netflix-Serie mit Kim Cattrall fliegen zu lernen. Gelingt den „Glamorous“-Machern das Kunststück, in dieselbe Kerbe zu schlagen? Die Voraussetzungen scheinen gut zu sein.

„Glamorous“
„Glamorous“
© Netflix

Statt beim „Sex and the City“-Revival And Just Like That... einzusteigen, hat Samantha-Darstellerin Kim Cattral sich für diese neue Netflix-Dramedy entschieden. Zur Freude der Gossip-Crew, die eine Fehde zwischen ihr und den anderen SatC-Darstellerinnen befeuert, schickt der Streamingdienst Glamorous auch noch am selben Tag auf Sendung wie die zweite Staffel der Konkurrenzserie startet. Doch reichen die Vorschusslorbeeren um auch nach Sichtung der Pilotepisode zu begeistern?

Wovon handelt die Serie „Glamorous“?

Marco Mejia (Miss Benny, Fuller House, Love, Victor) ist ein junger Make-Up-Fan, der neben seinen Influencer-Versuchen Teilkeit in einem Einkaufzentrum Schminke verkauft. Davon ist besonders seine alleinerziehende Mutter nicht begeistert und besorgt ihm einen Job in der Anwaltskanzlei, in der sie arbeitet. Doch mit der Pistole auf der Brust sieht Marco ein, dass er sich mit seinen 22 Jahren also anders umsehen muss. Der große Ruhm auf TikTok lässt auf sich warten, also muss ein echter Job her.

Da kommt es ihm gerade gelegen als die Chefin eines internationalen Make-Up-Konglomerats, Madolyn Addison (Cattrall), sich von ihm beraten lässt und sich sofort begeistert von dem jungen Fan zeigt. Sie stellt ihn als ihren zweiten Assistenten an. Marco hat also das große Los gezogen. Doch der Job fällt ihm alles andere als einfach, keine Erfahrungen im Büro-Leben, keine Fähigkeiten eines Assistenten, aber seine überbordende Liebe zu Make-Up und sein Alter sagen Madolyn, dass nur er weiß, was die jungen Kunden mögen. Also hält sie an ihm fest.

Wenig begeistert davon ist ihr Sohn und Verkaufsleiter, Chad, (Zane Phillips, Legacies), der zwar selbst homosexuell ist, aber auf die Stilettos von Marco unverhohlen verächtlich hinabblickt. Die erste Assistentin, Venetia (Jade Payton, Dynasty) hat ein überaus gutes Herz und nimmt Marco unter ihre Fittiche. Aber sie wird auch von der Angst getrieben, dass die Chefin sich mit ihr mittlerweile langweilen könnte und Marco so ihren Job übernimmt.

Innerhalb des Unternehmens findet Marco sofort einen ersten love interest namens Ben (Michael Hsu Rosen, Tiny Pretty Things), ein schüchterner Mitarbeiter, der kaum zwei gerade Sätze mit Marco austauschen kann. Er wird jedoch stets unterstützt von seiner Kollegin, der Graphikdesignerin Britt (Ayesha Harris, Daisy Jones & The Six). So richtig interessant wird es auch dann nicht als Marco einen weiteren love interest in einem Taxi kennenlernt. Der ist zwar weit weniger schüchtern, aber so richtig unterhaltsam ist Fitness-Fan Parker (Graham Parkhurst (Star Trek: Strange New Worlds) auch nicht.

In der Pilotepisode wird Marco gefeuert weil er die Produktprototypen verliert. Er findet sie aber dank Parker schnell wieder und kehrt zurück in den Schoss des Unternehmens, das ihn offenbar mehr braucht als er es.

Wie kommt es rüber?

Wie so oft ist die Grundvoraussetzung der Serie gut, das Resultat tut sich jedoch schwer, die Versprechen auch einzulösen. Marco steht unangefochten im Mittelpunkt und wir folgen seiner Geschichte in jede Falte. Miss Benny kann das Gewicht tragen und so gehört der Auftakt der Episode, die Zeit als Marco uns in sein Leben als Möchtegern-Influencer einführt, zu den stärksten. Auch im Verlauf der Geschichte gehören seine Szenen zu den Stärkeren in einem Meer aus Klischees und Enttäuschungen.

Die größte von denen ist die Tatsache, dass jede Figur eine von vorne festgeschriebene Rolle bekommt, aber ausgerechnet Urgestein Kim Cattrall dabei etwas unter die Räder kommt. Ihr Dasein als über allem schwebende Chefin manifestiert sich in der Pilotepisode vor allem darin, dass sie oft gar nicht am Geschehen teilzunehmen scheint, selbst wenn sie Teil der Szene ist. Das fühlt sich an wie eine große Verschwendung.

Der Rest des Casts, wenn auch nicht so stark, wie die beiden Zugpferde, lässt sich nichts zu Schulden kommen und liefert selbst die fragwürdigste Drehbuchzeile mit Stil und Überzeugung. Doch ob das für einen Überspringenden Funken reicht, mit dessen Hilfe man die zweite Episoden weiterlaufen lassen will, ist ungewiss.

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