Girls 3x11

Girls 3x11

Während ihre Beziehung weiterhin auf der Kippe zu stehen scheint, muss Hannah mit dem Erfolg ihrer Freunde klarkommen. Die altbekannte Abwärtsspirale nimmt ihren Lauf in der Episode I Saw You.

Das Paar in der Krise: Hannah (Lena Dunham) und Adam (Adam Driver) in der Serie „Girls“ / (c) HBO
Das Paar in der Krise: Hannah (Lena Dunham) und Adam (Adam Driver) in der Serie „Girls“ / (c) HBO

Das Fremdschämpotential ist hoch in der Episode I Saw You. Und das ist für die Serie Girls ein Qualitätsmerkmal.

Auf dem Weg ins Chaos

Es lief gerade alles so gut für Hannah (Lena Dunham). Zum ersten Mal schien es, als wenn sie ihr Leben zusammenhalten könnte. Im Gegensatz zu ihren Freundinnen hatte Hannah Fortschritte gemacht: eine feste Beziehung, die mit jeder Episode gesünder schien, ein fester Job, in dem Hannah gut war - zeitweise war sie die stabilste Figur der Serie.

Doch in der letzten Episode hat der Abstieg seinen Anfang genommen. In I Saw You geht es nun weiter steil bergab. Es sind Neid und Unsicherheit, die Hannah den Boden unter den Füßen wegziehen und in den Selbstzerstörungsmodus treiben. Naja, und wieder einmal Patti LuPone. Ihre Interviewpartnerin hat für Hannah keine Antworten, dafür genau die Geschichten, die sie gerade nicht braucht. Mit Adams Engagement und Marnies Erfolg bei der Open-Mic-Nacht haben sich die Konstellationen wieder einmal grundlegend geändert, und es ist Shoshanna (Zosia Mamet), die den Finger in die Wunde legt. Aus der vielversprechenden Nachwuchsautorin mit e-Book-Vertrag und hoffnungslosem Freundeskreis ist eine Arbeitslose geworden, deren Freunde künstlerisch kurz vor dem Durchbruch stehen.

Statt sich zusammezunehmen und ihre Entscheidungen einmal zu überdenken, folgt Hannah offenbar jedem selbstzerstörerischen Impuls, der sie überkommt. Selbst die kleinen Entscheidungen, die sie in der Episode I Saw You trifft, sind schlecht. Sie hätte Elijah (Andrew Rannells) nicht mit zum Interview nehmen sollen, sie hätte Bananen mit zu Ray (Alex Karpovsky) bringen sollen, sie hätte einen Weg finden sollen, gekündigt zu werden, ohne ausgerechnet Joe zu beleidigen.

Weitaus gravierendere Konsequenzen könnten die großen Entscheidungen haben. Hannah kann Adam (Adam Driver) nicht vertrauen, das wird zum Problem, doch ist es auch ein Stück weit verständlich. Der Umzug zu Ray ist ganz sicher dazu angetan, Hannah die Beziehung hinterfragen zu lassen. Doch das eigentliche Problem liegt wieder einmal in Hannahs Unfähigkeit, ihr eigenes Verhalten zu erkennen. Sie ist so sehr auf sich bezogen, dass man durchaus nachvollziehen kann, wenn Adam sich davon abgelenkt fühlt.

Ihre zweite Entscheidung, die Kündigung, zeigt, dass sie auch immer wieder eine Tendenz zur Drama-Queen hat. Statt die Sache langsam anzugehen und erst einmal zu überlegen, stürzt sie sich ins nächste Chaos. Sie nimmt diese Momentaufnahme, auf der ihr künstlerischer Erfolg hinter Adam und Marnie (Allison Williams) zurückbleibt und lässt ihr Leben explodieren, weil es ja sowieso keinen Sinn mehr mache.

Mit dem Ende der Episode I Saw You wird es noch einmal richtig grausam. Was ist schlimmer? Hannahs egoistischer und passiv-aggressiver Ausruf, dass Marnie durch ihre Nacht mit Ray das Recht verloren habe, über sie zu urteilen, oder Marnies Versuch, die Verantwortung und irgendwie sogar Schuld auf Ray zu schieben? Beide Momente sind nicht gerade charakterliche Sternstunden der beiden Figuren. Die Szene ist so furchtbar genial, dass man schon fast wieder vergisst, wie übertrieben unhöflich es von Hannah ist, eine geschlossene Tür zu öffnen, obwohl sie weiß, dass dahinter ein Freund Sex hat.

Endlich auf der Bühne

Girls ist keine Wohlfühlserie, und genau darum hat Marnie auch keine Selbsterkenntnis, keinen Durchbruch, der alles plötzlich besser macht. Sie hat den Job in der Galerie angenommen, sie kämpft tapfer weiter, doch der Lohn dafür ist lediglich, dass sie zusehen muss, wie eine entzugsverwirrte Jessa (Jemima Kirke) den Job hinterhergeschmissen bekommt, der für Marnie perfekt gewesen wäre. Doch trotz dieses Rückschlages bleibt sie auf Kurs und tritt mit Desi (Ebon Moss-Bachrach) auf. Aber warum hört sie nicht einfach auf, sich an ihn heranzumachen? Marnie ist wohl Körbe nicht gewöhnt. Erst als sie seine Freundin Clementine (Natalie Morales, Trophy Wife, White Collar) vor sich stehen sieht, dämmert es ihr. Doch die Ablehnung durch den einen treibt sie direkt in die Arme des anderen, der sie abgelehnt hat, von dem sie sich jedoch sicher ist, dass sie ihn immerhin rumkriegen kann. Ray liefert ihr dieses Erfolgserlebnis, doch Hannah zerstört die Illusion. Am Ende hat Marnie zwar einen beeindruckend entspannten Auftritt abgeliefert, aber viel mehr hat sie noch nicht, woran sie sich festhalten kann.

Fazit

Die Episode I Saw You bringt Hannah am Vorabend des Staffelfinales in eine schlechte Position. Sie hat ihren Job gekündigt, hat im Moment keine Aussicht auf einen Buchvertrag und ihre Freunde scheinen alle besser voranzukommen als sie. Ganz nebenbei setzt sie mit ihrem unberechenbaren Verhalten die Beziehung zu Adam aufs Spiel.

Diese Girls-Episode hat besonders viele erinnerungswürdige Sprüche zu bieten. Kurze Einwürfe, die doch so viel über die Figur verraten, wie die Szene, in der Hannah und Elijah Marnies Auftritt im Vorfeld gleichzeitig zerreißen und die ganze Sache komplett auf sich beziehen, ob sie unterstützende Freunde seien. Oder der peinliche Moment, in dem Marnie auf Desis Freundin trifft und sich herausstellt, dass Marnie immer nur eine Antwort auf vieles parat hat - „That's sweet“ - und es kompliziert wird, wenn jemand anders ihr das vorwegnimmt.

Verfasser: Serienjunkies.de am Dienstag, 18. März 2014
Episode
Staffel 3, Episode 11
(Girls 3x11)
Deutscher Titel der Episode
Durchbruch
Titel der Episode im Original
I Saw You
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 16. März 2014 (HBO)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 25. Juni 2014
Autoren
Lena Dunham, Paul Simms
Regisseur
Jesse Peretz

Schauspieler in der Episode Girls 3x11

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