Girl in My Diary 1x01

© WDR und Maarten De Bouw
Das passiert in der Pilotfolge der Serie „Girl in My Diary“
Der 17-jährige Adam (Jonathan Michiels) erwacht aus einem dreijährigen Koma und wird in nun in einer Klinik streng überwacht. Bald stellt sich heraus, dass die Station, auf der er liegt, ansonsten leer ist. Und auch seine Eltern verhalten sich merkwürdig und scheinen ihm etwas zu verschweigen. Als eines Abends ein Mädchen in seinem Zimmer auftaucht und ihm ein Tagebuch überreicht, geschehen bald darauf mysteriöse Dinge.
Anstatt seiner eigenen Einkaufsliste, findet er im Tagebuch nämlich den Text der 15-jährigen Hawa (Ayana Doucouré), die gerade die Schule gewechselt hat und über ein identisches Heft verfügt. Wer ist das mysteriöse Mädchen aus dem Krankenhaus und was ist geschehen? Hat jemand die Tagebücher der beiden Teenager vertauscht, oder besitzen sie magische Kräfte? Und wenn ja: Warum führt das Schicksal Adam und Hawa auf so unerklärliche Art und Weise zusammen?
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Coming-of-Age
Girl in My Diary beginnt audiovisuell mehr oder weniger als gewöhnliche Coming-of-Age-Produktion, wird allerdings mit der Stimme des oben bereits erwähnten Mädchens eingeleitet, die die Mysteryserie sowohl als allwissende Erzählerin als auch als Impulsgeberin begleitet. Auf diese Weise wird der Mysteryaspekt früh verdeutlicht, wobei zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar ist, worauf das Ganze hinausläuft...
Angemerkt sei an dieser Stelle, dass der hier besprochene Staffel-Auftakt lediglich 25 Minuten lang ist, womit über die Etablierung der Prämisse und der Vorstellung der vier Hauptfiguren (neben Adam und Hawa gesellen sich noch Titus und Bilo, gespielt von Wesley Ngoto und Margaux Cauliez zum Maincast) nicht viel geschieht.
Dennoch wirkt das Erzähltempo keineswegs lahm, zumal die Schicksale der Protagonisten für Spannung sorgen. Adam lag drei Jahre im Koma und versucht sich zurück ins Leben zu kämpfen, während Hawa aus bislang unbekannten Gründen rebellisch und aufmüpfig ist. Das ergibt eine durchaus interessante Konstellation, obwohl die beiden in der Pilotfolge noch nicht aufeinandertreffen. Das Einzige, das sie miteinander zu verbinden scheint, ist die Sichtung des Mädchens und der Besitz des titelgebenden Tagebuchs, mit dem die beiden auf magische Weise kommunizieren können. So altmodisch die Idee auf den ersten Blick klingt, so gut ist sie andererseits in den Plot integriert, denn Adams Eltern verwehren ihm den Besitz eines Smartphones, angeblich, um eine Reizüberflutung zu verhindern.
Rätsel über Rätsel
Aufgrund ihres Verhaltens wird aber schnell deutlich, dass mehr hinter dem Handyverbot steckt. Die Antwort auf die berechtigte Frage, was genau, bleibt verständlicherweise im Verborgenen und bildet eines von vielen Rätseln der 13-teiligen ersten Staffel. Hinzu kommt, dass das nur spärlich informierte Publikum nicht erfährt, was Adam und Hawa miteinander zu tun haben und warum das Mädchen die Schickalse der so grundverschiedenen Teenager zusammenführt. Auch die magischen Hintergründe geben Rätsel auf, wobei schon beinahe zu vermuten ist, dass diese lediglich als Aufhänger dienen, um die Geschichte in Gang zu bringen. Andererseits wäre es schön, mehr über den übernatürlichen Hintergrund von „Girl in My Diary“ zu erfahren. Es bleibt daher abzuwarten, für welchen Weg sich die Serienerfinder letztlich entschieden haben.
Die Jungtalente
Wie es sich für eine Jugendserie gehört, bleibt die Pilotfolge insgesamt sehr gewaltarm und befasst sich in Bezug auf Hawa mit Themen wie Schulmobbing oder den Problemen, die für junge Menschen bei einem Umzug und Schulwechsel anstehen. Das geht in Hinblick auf die Zielgruppe vollkommen in Ordnung, zumal Hawas Weg durchaus kritikwürdig ist und entsprechend nicht als heldenhaft dargestellt wird. Obwohl sie ziemlich rebellisch ist, bietet die Figur indes dank der ansprechenden Schauspielleistung von Ayana Doucouré genug Sympathiepotential. Dasselbe gilt für Jonathan Michiels, der seinem Adam eine gewisse Unsicherheit verleiht.
Das Problem liegt eher in der Tatsache, dass man dem Jungmimen die durch das Koma verlorenen drei Jahre nicht wirklich abnimmt. Michiels spielt wie ein 17-Jähriger, obwohl sein Protagonist mental eigentlich erst 14 Jahre alt ist. Hier gilt es allerdings, die Jugend und Unerfahrenheit der Darstellenden zu bedenken, daher darf man über solche kleinen Inkonsistenzen gerne hinwegsehen. Spannend ist last, but not least die Frage, wie sich Titus und Bilo in die Geschichte einfügen werden und natürlich, welches Abenteuer die Teeniegruppe am Ende erleben wird...
Fazit
Kids ab ungefähr elf Jahren und Teenager könnten mit „Girl in My Diary“ ihren Spaß haben. Die Protagonisten sehen gut aus, sind schauspielerisch ordentlich geschult und versprühen eine hübsch eindimensionale Sympathie. Der Plot weiß mit seiner fantastischen (im Genre-Sinne) Komponente zu gefallen und es gibt genug Rätsel als Motivationsgrundlage. Die Tatsache, dass die Serie aus Belgien kommt, sorgt zudem für eine gewisse Nähe zum Handlungsort.
Die bisherigen Ereignisse sind vielleicht nicht gerade super spannend, wecken bei aller Schlichtheit aber doch Interesse, wobei die Gesamtlänge von 325 Minuten genug Raum für die Entfaltung der Story bietet. Für Eltern, die mit ihren nicht mehr ganz so jungen Kindern in eine nette und relativ harmlose Mysterywelt abtauchen möchten, ist „Girl in My Diary“ also durchaus einen Blick wert.
Dreieinhalb von fünf Tagebüchern.
Verfasser: Reinhard Prahl am Freitag, 5. Juli 2024(Girl in My Diary 1x01)
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