Ginny & Georgia 1x10

© zenenfoto aus der Netflix-Serie Ginny & Georgia (c) Netflix
Darum geht's in Ginny & Georgia
Ginny zieht in der zehnteiligen Netflix-Serie Ginny & Georgia zusammen mit ihrer Mutter Georgia, nach dem Tod ihres Stiefvaters, von Texas in eine beschauliche Kleinstadt in Massachusetts. Dort versucht die extrovertierte, selbstbewusste, junge Mutter und ihre bisher eher unbeliebte und unverstandene Tochter ihren Platz in der Welt zu finden.
Das passiert in der 1. Staffel von Ginny & Georgia
Nach ihrer Ankunft in Wellsbury findet Georgia eine Anstellung als Mitarbeiterin im Büro des Bürgermeisters, nachdem sie diesen von ihren Fähigkeiten überzeugen kann. Dort stellt sie ihre Überzeugungskunst unter Beweis, zeigt große Eigeninitiative und Geschick. Nicht nur auf der Arbeit, sondern auch abseits davon lernen sich Georgia und ihr Chef, der Bürgermeister Paul (Scott Porter, Hart of Dixie), näher kennen. Die beiden daten einander und schnell erfährt auch die Bevölkerung davon und ist alles andere als begeistert: Eine Beziehung mit einer Mitarbeiterin wirkt sehr unmoralisch und nicht vertretbar auf sie. Unter anderem aus diesem Grund beschließen die Beiden einander zu heiraten.
Nachdem Ginny ihre Jungfräulichkeit an Marcus verloren hat, meidet dieser jeden Kontakt mit ihr. Aus diesem Grund datet sie (weiterhin) Hunter, auch wenn sie an ihm eigentlich kein wirkliches Interesse hat. Aufgrund Hunters großem Interesse entwickelt sich das zwischen ihnen immer weiter bis sie schließlich zu einem Paar werden. Dabei ist jedoch deutlich anzumerken, dass Ginny nur einwilligt, da sie den „Druck“ verspürt einen Freund zu haben, der durch MANG (ihre Clique) ausgelöst wird. Außerdem weiß sie darum, dass eine Zukunft mit dem Typen, an dem sie eigentlich interessiert ist, eher unwahrscheinlich ist. Trotz seines unangebrachten und unsensiblen Verhaltens fühlt sich Ginny immer noch zu Marcus hingezogen und sucht auch immer wieder das Gespräch mit ihm.

Hunter macht zwar immer wieder große Gesten, doch so richtige Funken springen bei den Beiden nicht über. Nachdem Hunter einen wichtigen Preis gewinnt, den Ginny unbedingt wollte und auch eigentlich hätte haben sollen, entsteht zwischen dem Paar ein Streit, der eskaliert und schließlich zum Beenden der Beziehung führt. Danach ist Ginny aufgrund einer Anhäufung an Vorfällen, die sich negativ auf ihr (Gefühls-)Leben auswirken, sehr aufgewühlt. Von daher sucht sie Zuflucht in einer Art der Selbstverletzung, die sie schon so oft angewendet hat, wenn der seelische Schmerz zu groß wurde - das Verbrennen ihrer eigenen Haut. Die Situation schaukelt sich hoch, als Marcus in dem Moment, wie so oft, in ihr Zimmer hineinklettert, sie mit ihrem selbstzerstörerischen Verhalten konfrontiert und ihr ihre Liebe gesteht. All das ist zu viel für Ginny und sie explodiert: Sie wirft Marcus schlimme Dinge an den Kopf, woraufhin dieser auf sein Motorrad steigt und einen Unfall baut, bei dem er eine Gehirnerschütterung erleidet.
Ginny hat nur wenige Augenblicke zuvor erfahren, dass ihr Vater nicht, wie versprochen, bei ihnen bleiben wird. Stattdessen haut er, wie immer, einfach ab und verlässt sie. Dabei schiebt sie alle Schuld auf ihre Mutter Georgia, die für sie eine Egoistin darstellt, die ihr eigenes Leben - das von Ginny - immer wieder aufwühlt und zerstört. Ginny weiß jedoch nicht, dass Zion (Nathan Mitchell) aus freien Stücken geht, um Georgia ein besseres Leben, an der Seite von Paul, zu ermöglichen.
Insgesamt erscheint Georgia ziemlich mysteriös und voller Geheimnisse. Dabei spielt ihre Vergangenheit, über die wir, ihre Kinder und auch sonst jeder so wenig weiß, eine fundamentale Rolle bei dieser Erscheinung zu spielen. So fußen die Dramen in Ginnys und Georgias Leben auf Georgias gefährlicher und krimineller Vergangenheit, die sie versucht zu verbergen. Dieses Aufdecken ihrer Vergangenheit wird nun zu einem Problem persönlicher und juristischer Hinsicht. Dabei hätte Ersteres gar nicht sein müssen: Georgia hätte ihrer Familie auch versuchen können schonend ihr vergangenes Handeln beizubringen und ihre Beweggründe dafür zu erklären. Doch so ist das Enthüllen ihres vorherigen Lebens zum Eskalieren verurteilt. So verliert Ginny vollkommen das Vertrauen in ihre Mutter, als sie von all ihren Lügen und Geheimnissen und schließlich auch ihren Verbrechen, wie dem Töten ihres Stiefvaters, erfährt.
Das ist letzten Endes auch das Tüpfelchen auf dem i für Ginny und der Auslöser für ihre Flucht aus Wellsbury. Denn Ginny erfährt nicht nur von all den Lügen ihrer Mutter, deren gefährlicher Seite und dem erneuten Weggang ihres Vaters, sondern sie gerät auch in einen riesigen Streit, der schließlich ihr letztes Standbein wegbrechen lässt: Nach Marcus' Unfall hat sie sich mit ihm vertragen, erneut mit ihm geschlafen und einer Beziehung zwischen den beiden hätte nichts im Weg gestanden - außer, dass Ginnys beste Freundin und Marcus' Schwester momentan den Herzschmerz ihres Lebens erleidet und sie deshalb ihre „Beziehung“ verheimlichen. Als das dann trotzdem ans Licht kommt, kann Maxine den Beiden nicht verzeihen und MANG bricht auseinander. Zudem steht Marcus im entscheidenden Moment nicht zu ihr und Ginny verlässt daraufhin mit ihrem Bruder Austin die Stadt.
So kommt die 1. Staffel von Ginny & Georgia herüber
Ich weiß nicht, ob sich Teenager wirklich so neurotisch, melodramatisch, unsicher, selbstzerstörerisch, penetrant und unlogisch verhalten wie sie in dieser Netflix-Serie dargestellt werden. Wenn ja, könnte das bei Ginny & Georgia als positiv konnotiert werden. Wenn man den Realitäts-Check jedoch außen vorlässt, so ist das Verhalten der Jugendlichen doch sehr frustrierend. Dadurch entsteht viel Drama - peinliches und überflüssiges Drama, das es an sich nicht geben müsste. Zu diesem merkwürdigen Verhalten gehören auch die Beziehungskonstellationen der Dramedy. Doch dazu später mehr.
Zuerst möchte ich darauf eingehen, dass nicht nur das Verhalten der Jugendlichen frustrierend ist, sondern auch der Umgang der Serie mit Ebendiesem. So zeigt Ginny & Georgia zwar die Selbstverletzung zweier Teenagerinnen, thematisiert diese jedoch (nicht ausreichend). So entwickelt Abby aufgrund ihrer Unsicherheiten einen Selbsthass, den sie auf ihre für sie zu dicken Beine projiziert und diese deshalb mit Klebeband wegdrückt. Dabei scheint niemand ihren Schmerz zu bemerken und die Serie lässt dieses Phänomen einfach so, bis auf einen Kommentar am Ende der Episode, unkommentiert stehen. Sie thematisiert diesen Vorfall nicht weiter. Genauso wenig wie Ginnys Selbstverletzungen durch selbst zugefügte Verbrennungen. Lediglich ein zwei Mal versucht Marcus darüber mit ihr in Kontakt zu treten, doch die psychischen Beweggründe und mögliche Lösungsansätze werden kaum bis gar nicht behandelt. Dass an dieser Stelle nicht in die Tiefe gegangen wird, halte ich für äußerst bedenklich. Denn durch die Nicht-Behandlung dieser Themen werden diese unter den Teppich gekehrt und verharmlost, was äußerst gefährlich sein kann.

Doch nun zurück zu den Beziehungskonstellationen: Zum Beispiel kann sich für mich das Liebesdreieck rund um Ginny, Hunter und Marcus nie wirklich aufbauen und entfalten, da die Verbindungen nicht sehr real und authentisch wirken. Außerdem haben die Darsteller kaum Chemie zueinander und es kann nicht glaubwürdig vermittelt werden, warum sich nun Marcus und Ginny zueinander hingezogen fühlen und warum Hunter und Ginny nun in einer Beziehung sind. So fehlt in ersterem Fall die Anziehungskraft und in zweiterem Fall die Intimität, die in einer Beziehung vorhanden sein sollte. In letzterem Fall würde ich auch bemängeln, dass Hunter und Ginny kaum Zeit miteinander verbringen und es kaum so wirkt, als ob sie eine Beziehung wollen würden und doch kommen sie miteinander zusammen. Das hat mich doch sehr überrascht. So unglaubwürdig habe ich selten das Entstehen einer Beziehung gestaltet gesehen. Aber auch das toxische und mir unverständliche Hin und Her zwischen Ginny und Marcus ist zu bemängeln. Dieses besteht aus Sicherheit und Instabilität, Offenheit und Abweisung. Dabei verhalten sich beide immer wieder schlecht füreinander und können sich nicht aufeinander verlassen. Auch so sollte keine Beziehung aussehen.
Abgesehen davon wirkt die Clique MANG mit ihrem individuellen Verhalten zueinander doch auch sehr oft missverständlich. So hat MANG zwar komische Rituale, die aber als Insider abzustempeln sind. Doch immer wieder fallen die Mädels einander in den Rücken, sind nicht füreinander oder sorgen und interessieren sich nicht füreinander. Auch hier fehlt mir ein besserer Umgang miteinander. Die einzige Freundschaft, die annähernd authentisch wirkt, ist die zwischen Maxine und Ginny. Diese wird jedoch durch Ginnys „Betrug“ zerstört und findet damit ein plötzliches Ende. Eine Versöhnung kann es hier nicht geben, da Ginny vorher das Handtuch wirft und abhaut. Die anderen beiden Mitglieder von MANG, Abby und Nora, finden in der Netflix-Serie kaum Beachtung und wirken deshalb blass, unwichtig und uninteressant.
Auch die Männer-Beziehungen von Georgia werden nicht weitergehend vertieft. Dementsprechend wirkt ihre Beziehung zu Zion, ihre Beziehung zu Paul und auch die zu Joe uninteressant, da man weiß, dass sie weder von Dauer noch von Bedeutung sein werden.
Es scheint so, als wäre der Serie erst am Ende der Staffel bewusst geworden, was sie noch alles zu bewältigen habe: hat dann Konflikt kreiert (die „Affäre“ zwischen Marcus und Ginny kommt ans Licht); Ginny findet gefährliche Dinge über Georgia heraus; Detective kommt Georgia immer näher und sie wird als Bedrohung etabliert und die Verbindung zwischen Georgia und Joe wird nach Ewigkeiten endlich angegangen. Das wird alles auf nächste Staffel verlegt. Es muss also auch eine weitere Season geben. Dabei versucht Ginny & Georgia am Ende der Staffel Vollgas zu geben, Dramen zu inszenieren und Spannung aufzubauen, um mit einem Knall die Season zu beenden. Das gelingt ihr jedoch eher weniger. Denn die Dramen wirken auf mich dann doch zu plötzlich, zu gehäuft und unnatürlich. Und die Spannung seitens der geheimen und gefährlichen Vergangenheit Georgias kann sich für mich nicht wirklich entfalten, da sie zum einen schlichtweg zu spät kommt und es zum anderen keinen ernstzunehmenden Gegenspieler zu Georgia gibt, die ihr gefährlich werden könnten. Auch die Verbindung zwischen Joe und Georgia - Sie ist seinetwegen nach Wellsbury gezogen, weil sie sich mal vor 15 Jahren zufällig miteinander unterhalten haben - wird viel zu spät und viel zu wenig thematisiert und verschwindet damit in der Welt des Desinteresses.
Fazit
Trotz der Kritik ist Ginny & Georgia eine unterhaltsame und lustige Serie. Spannung und Drama kann die Netflix-Serie jedoch nicht genügend aufbauen, als dass man dafür Interesse aufbringen könnte. Im Grunde ist sie absoluter Durchschnitt: ganz nette Unterhaltung, aber mit eindeutigen Schwächen. Dabei betrachte ich vor allem die Beziehungskonstellationen, der Umgang mit dem toxischen Verhalten und den gescheiterten Spannungsaufbau als kritisch.
Sie kommt nicht an die Vergleiche heran, die ich im Pilotreview gezogen habe - Gilmore Girls und Hart of Dixie; dafür entwickeln die Charaktere einfach zu wenig Charme; es wird zu sehr versucht Drama und Spannung aufzubauen; und die Beziehungen der Figuren werden auch kaum ergründet.
Verfasser: Maike Karr am Sonntag, 28. Februar 2021(Ginny & Georgia 1x10)
Schauspieler in der Episode Ginny & Georgia 1x10
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