
© zenenbild aus der Pilotepisode „The Pitch“ aus der US-Serie „Get Shorty“ / (c) Epix
Zuerst einmal vorweg: Ich kenne weder den vorhergehenden Film noch die Buchvorlage. Aus diesem Grund werde ich also den Piloten The Pitch ohne jegliche Vorkenntnis zur Mythologie bewerten, wodurch ich wahrscheinlich auch einen anderen Blick auf diese Episode beziehungsweise Serie werfen werde als Buch- und Filmkenner.
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Für all diejenigen, die genauso wie ich ohne Vorwissen an diesen Piloten herangehen, werde ich diesen kurz zusammenfassen: Miles Daly (Chris O'Dowd) ist ein Kleinkrimineller, der seit etwa 20 Jahren die Drecksarbeit für andere Gauner erledigt. Darunter leidet seit nun einem halben Jahr auch sein Familienleben. Seine Ehefrau (Lucy Walters) wusste von seiner Tätigkeit und war im Stande, diese hinzunehmen. Jedoch ändert sich das, als sie ihn blutend in ihrer Küche entdeckt. Seither lebt er getrennt von seiner Frau und seiner zwölfjährigen Tochter Emma (Carolyn Dodd). Durch die Trennung von seiner Familie fängt er an, an seinem bisherigen Leben zu zweifeln. Er erkennt keinen Sinn mehr in seinem Beruf und hinterfragt, warum er diesen überhaupt ausübt.
Als Miles zusammen mit seinem Partner Louis (Sean Bridgers) nach L.A. geschickt wird, um dort Schulden einzutreiben, bekommt er eine irrwitzige Idee für sein weiteres Leben: Er will in das Filmgeschäft einsteigen. Nun, wie kommt es dazu? Der Mann, den sie aufsuchen sollen, Owen, entpuppt sich als Drehbuchautor. Dieser erklärt den beiden, dass sie doch als Produzenten in die Filmindustrie einsteigen sollen, da man dort schnell profitables Geld machen könne. Dieser Vorschlag wird kurzerhand durch einen Schuss von Louis in den Kopf von Owen unterbunden.

Dieser zuerst lächerlich erscheinende Vorschlag gräbt sich mit der Zeit immer tiefer in den Kopf des Kleinkriminellen, woraufhin dieser den erfolglosen Produzenten Rick Moreweather (Ray Romano) aufsucht und ihm von Owens Filmidee erzählt. Moreweather lehnt diesen Vorschlag vehement ab, jedoch nicht, ohne dabei zu erwähnen, dass man durch einen gut gemachten Film als Produzent bis zu zehn Millionen Dollar Profit machen kann.
An dieser Stelle sieht Daly seine Chance, seine Position sowohl in der Gauner- als auch in der realen Welt zu verbessern: Er unterbreitet seiner „Vorgesetzten“ den Vorschlag, die Produktion von Filmen als Geldwäsche zu nutzen. Diese will sich diesen Gedanken noch mal durch den Kopf gehen lassen, wodurch Miles nur noch entschlossener wird, aus dieser Idee Realität werden zu lassen.
Night, Shorty
Wenn man sich die Beschreibung der Pilotfolge so durchliest, klingt die Serie Get Shorty nach einem eher lächerlichen Versuch zwei Realitäten verzweifelt miteinander zu verbinden. Das war zumindest das, was ich gedacht habe, als ich von dieser Produktion gehört habe. Wenn man sie sich dann zu Gemüte führt, stellt man jedoch schnell fest, dass das ganz und gar nicht der Fall ist.
Stattdessen ergibt sich aus den beiden eher gegensätzlichen Ebenen der Film- und der Gaunerindustrie eine wundervoll ironische Inszenierung. Diese überzeugt insbesondere durch gefühlvolle Situationskomik, die auf die schönste Weise zum Schmunzeln oder sogar zum Lachen veranlasst. Dieses Spiel aus Situationskomik kombiniert mit knallharter Ernsthaftigkeit führt zu einer unterhaltsamen, aber auch unterschwellig spannenden Serie, die auf positive Weise zu fesseln weiß. Zudem ergibt sich diese Komik aus der großen Vielfältigkeit an Charakteren. Diese erachte ich bereits jetzt schon als solide Bausteine für die weitere Serie. Die Figuren kommen auf ihre beste Weise authentisch herüber. Sie übertreiben nicht und wissen zu überzeugen.

Mehrere Erzählstränge werden in dieser Auftaktfolge auf harmonische Weise miteinander verwoben, wodurch wir ein bis dato schön anzusehendes Gesamtpaket präsentiert bekommen. An diesem ist sichtlich der Executive Producer Davey Holmes beteiligt, der auch für die US-Serie Shameless zuständig ist. In dieser konnte er bereits beweisen, dass er ein gutes Gespür für Inszenierungen hat, die ein harmonisches Gleichgewicht aus Humor und Ernsthaftigkeit beinhalten.
Ich bin mir sicher, dass die nächsten Episode amüsieren und fesseln werden. Die Zutaten des Dramas erscheinen bis hierhin passend und agieren ausgewogen miteinander. Der Inhalt der Serie, gefüllt mit der schonungslosen Darstellung der Gauner-Realität und der ironischen Inszenierung der Filmindustrie, die große Vielfalt an authentischen Charakteren sowie die damit einhergehende Situationskomik könnten sich als perfekte Teile für ein wunderschönes Puzzle erweisen.
Trailer zur US-Serie „Get Shorty“: