Deutsch-Les-Landes 1x01

Deutsch-Les-Landes 1x01

Das erste Magenta-TV-Original ist da: Deutsch-Les-Landes handelt von der erzwungenen deutsch-französischen Völkerverständigung, als eine deutsche Firma und deren 200 Mitarbeiter in ein 1800-Seelen-Dorf in Frankreich umsiedeln müssen. Soll das etwa komisch sein?

Postermotiv zu „Deutsch-Les-Landes“ (c) Deutsche Telekom, Bavaria Fiction
Postermotiv zu „Deutsch-Les-Landes“ (c) Deutsche Telekom, Bavaria Fiction
© ostermotiv zu „Deutsch-Les-Landes“ (c) Deutsche Telekom, Bavaria Fiction

Passend zum Rebranding von „EntertainTV Serien“ zu Magenta TV bringt die deutsche Telekom in Zusammenarbeit mit Bavaria Film die deutsch-französische Eigenproduktion Deutsch-Les-Landes an den Start. Durch eine Partnerschaft mit Amazon Prime Video wird die Serie mit Christoph Maria Herbst (Stromberg) auch im Rest der Welt zu sehen sein.

Worum geht es in „Deutsch-Les-Landes"?

Manfred (Christoph Maria Herbst) ist ein alleinerziehender Mittfünfziger, der als Abteilungsleiter beim bayerischen Autozulieferer Jäger Enterprises arbeitet und seine Position dort eigentlich sehr gut findet. Vielleicht schafft er es irgendwann zum Manager, doch dieser Traum platzt zunächst und sein Leben wird von einem Tag auf den anderen weiter auf den Kopf gestellt.

1.200 Kilometer entfernt hat Martine (Marie-Anne Chazel), die Bürgermeisterin des Küstenorts Jiscalosse in Südfrankreich, den 1.800-Seelen-Ort finanziell ruiniert. Alle sind sauer wegen massiver Steuererhöhungen und lassen die Wut durch einen Müllabwurf aus. Sie braucht dringend eine Sanierungslösung und diese fällt wortwörtlich vom Himmel.

Manfreds Chef Gerhard Jäger (Rufus Beck) stürzt mit seinem Paraglider ab und lässt sich vom Charme der französischen Ortschaft bezaubern. Kurzerhand kauft er also dort ein Schloss und verlegt die Designabteilung von München dorthin, was von den Mitarbeitern und den Ortsansässigen kritisch beäugt wird. Die Franzosen wollen keine Deutschen dort haben, brauchen aber das neue Blut und das viele Geld, das der Deal mit sich bringt.

Die Deutschen ziehen nur mit, um ihre Jobs zu behalten und weil den meisten keine Wahl bleibt. Martine überlegt derweil, wie sie die neuen Bürger ordentlich empfängt: Fußballplatz oder das Denkmal der Opfer beider Weltkriege?

Die Beschwerdebeauftragte Chloé (Roxane Duran) kennt den Ort, denn sie ist dort aufgewachsen, will aber nicht wieder in die alte Heimat und testet ein paar Apps, die eine Fernbeziehung mit dem Partner möglich machen. Auch ihre Eltern weiht sie zunächst nicht ein. Ein paar Sprachübungen später packen die Kollegen ihr Hab und Gut ins Auto und siedeln über.

Wenig begeistert ist auch der Controller Karsten (Sebastian Schwarz), ein extrem unsympathischer Zeitgenosse, der im Auftakt heftig mit Chloé aneinandergerät, wobei seine Frau Marion (Jasmin Schwiers) den Neuanfang aufregend findet.

Gefühlt liegt der Fokus in der ersten Episode etwas mehr auf den Deutschen. Das kann auch nur meine Lesart sein, aber die französischen Figuren bleiben in meinen Augen relativ blass.

Die Hauptautoren der Serie sind die Culture-Clash-Experten Alexandre Charlot und Franck Magnier („Willkommen bei den Sch'tis“). Außerdem arbeiten Thomas Rogel („heute show“) und Peter Güde („Stromberg“) am Drehbuch mit.

Die Deutschen kommen! Die Deutschen kommen!

Für eine vermeintliche Comedyserie finde ich Deutsch-Les-Landes ziemlich unwitzig. Während des halbstündigen Auftakts konnte ich kaum über die Klischeeparade, die von beiden Seiten aufgefahren wurde, lachen. Es ist eine merkwürdige Entscheidung, die Serie - zumindest nach den vorliegenden Screenern zu urteilen - komplett auf Deutsch zu synchronisieren. Ich kann nachvollziehen, warum, weil man den 08/15-Zuschauer nicht mit Untertiteln belasten will und die meisten deutschen Zuschauer Synchronisation eben gewohnt und des Französischen nicht mächtig sind. Es geht auch gar nicht darum, dass man unbedingt Französisch sprechen muss. Bei der vorliegenden Fassung entsteht jedoch zumindest bei mir der Eindruck eines Einheitsbreis und der sofortige Verlust eines potentiellen Alleinstellungsmerkmals der Serie. Sämtliche sprachliche Unterschiede werden so glatt gebügelt und alles wirkt wahnsinnig generisch. So sehr sich die Synchronfassung an dieser Stelle auch bemüht, man sieht, dass da etwas nicht ganz stimmt oder komisch wirkt.

Andere Streamingdienste wie Netflix haben es bei Narcos oder weiteren Produktionen vorgemacht - ist zwar vielleicht etwas mühseliger, aber auch authentischer. Natürlich ist das nicht jedermanns Sache, aber dann wäre zumindest eine Option für eine Fassung mit Untertiteln für die eigentlich französischen Parts im Streamingzeitalter zeitgemäß.

Kein Stromberg in Frankreich

Haben die ersten Promomaterialien und die Verpflichtung von Christoph Maria Herbst im Vorfeld vielleicht noch einige Stromberg-Vergleiche auf den Plan gerufen, kann man beruhigt sein: Seine Figur ist an sich ganz anders angelegt, weist aber vielleicht dennoch zumindest ein paar kleine Parallelen auf. Ein großer Unterschied ist die Beziehung zu seinem Sohn Dominik, der mal so gar keinen Bock auf seinen Vater hat, welcher ihm Pausenbrote schmiert und ihn schließlich aus seinem gewohnten Umfeld herausreißt, um in Frankreich neu anzufangen. Die Darstellung des Teenagerverhalten finde ich dabei sogar einigermaßen realistisch, trotzdem weckt das alles keinerlei Sympathien bei mir. Das ist allerdings ein Grundproblem der Serie: Bis auf Französin Chloé mag ich im Piloten niemanden außerordentlich gerne, vor allem Carsten nicht, den man vom ersten Satz an hasst, was natürlich beabsichtigt ist. Aber warum sollte man sich dann eine Serie anschauen, wenn nirgendwo ein Hauch von Sympathie entsteht? Als Normalo kann man Manfred sicherlich etwas abgewinnen, aber die knapp 25 Minuten des Piloten reichen mir nicht aus, um am Ball bleiben zu wollen.

Manche Elemente wirken außerdem erzwungen: um edgy zu sein, probieren die Autoren via Chloé und ihrem Partner eine Fernbeziehung über Sexapps und Spielzeuge einzubauen. Ähnliches gilt für den nackten Manfred, der nach der Ankündigung des Firmenumzugs ohne Kleidung auf dem Sessel sitzt und seinen Sohn überrascht. Das klingt wie Material, das beim Pitch ordentlich für Schenkelklopfer gesorgt hat und zumindest der Teil um das Paar ist im Endeffekt wahrscheinlich sogar eine der besseren Einfälle, die die Pilotfolge zu bieten hat.

Ansonsten wird viel auf Klischees und Stereotypen gebaut: Deutsche lieben Autos und Fußball, Franzosen streiken ständig und never forget Helmut Kohl. Zwar gibt es bislang keine vergleichbare Serie, aber wenn das das Beste ist, was ein Team aus Deutschland und Frankreich auf die Beine stellen kann, dann verzichte ich persönlich wohl lieber darauf. Vielleicht haben andere ihren Spaß daran. Sei es ihnen gegönnt.

Fazit

Zeit ist kostbar. Es gibt mehr Serien als jemals zuvor. Allein über 500 in den USA. Die Konkurrenz schläft also nicht und bietet reichlich sehenswerte Alternativen. Die Telekom ist noch ein kleiner Fisch im großen Streamingteich und muss mit Knallern punkten, um gegen Netflix, Sky (mit HBO- und Showtime-Bonus) oder Amazon bestehen zu können und die Kunden für sich zu gewinnen. Noch klappt das, ein Jahr nach dem Start des Angebots, das jetzt Magenta TV heißt, trotz einiger sehenswerter Einkäufe (wie The Handmaid's Tale oder Better Things) nur bedingt. Immerhin ist das Angebot nun auch ohne teuren und langfristigen Internetvertrag möglich, was ein guter Anfang ist.

Ein Meilenstein ist die erste Eigenproduktion inhaltlich nicht. Die deutsch-französische Comedy Deutsch-Les-Landes unterbreitet für mich in der Auftaktepisode Die Ankündigung keinen überzeugenden Grund weiterzuschauen und meine Freizeit darin zu investieren. Schade eigentlich, denn es gibt inzwischen immer mehr deutsche Serien, die einen Blick wert sind. Somit bleibt es wohl bei einem einmaligen Ausflug nach Jiscalosse für mich.

Verfasser: Adam Arndt am Donnerstag, 1. November 2018
Episode
Staffel 1, Episode 1
(Deutsch-Les-Landes 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Die Ankündigung
Titel der Episode im Original
Pilot
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 1. November 2018 (MagentaTV)

Schauspieler in der Episode Deutsch-Les-Landes 1x01

Darsteller
Rolle
Roxane Duran
Sylvie Testud
Sebastian Schwarz
Sophie Mounicot

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