Generation 1x01

Generation 1x01

Das Vater-Tochter-Autorengespann Daniel und Zelda Barnz wirft in der Dramedy Generation einen Blick auf die Jugend. Euphoria lässt grüßen! Bestechen kann besonders der Filmstar Justice Smith mit seinem Charisma...

Generation (c) HBO Max
Generation (c) HBO Max
© eneration (c) HBO Max

Eltern und Kinder tun sich oft schwer, über Sex zu sprechen. Nicht so der „Cake“-Regisseur Daniel Barnz, der zusammen mit seiner Teenagertochter Zelda sogar eine ganze Serie zum Thema geschrieben hat. Die Dramedy Generation ging nun bei HBO Max an den Start. Auf den ersten Blick erinnert die Coming-of-Age-Geschichte sehr an Euphoria, wenngleich die generelle Grundstimmung deutlich lockerer ist. Vieles wirkt anfangs noch recht oberflächlich, aber vor allem die tolle Darbietung von Justice Smith (The Get Down, „Pokemon: Meisterdetektiv Pikachu“) macht sofort Lust auf mehr.

Worum geht's?

Als zentraler Handlungsort dient natürlich eine ganz normale Highschool, deren einzige Besonderheit im auffallend lässigen Vertrauenslehrer liegt. Gespielt wird der Traumpädagoge vom britischen Serienstar Nathan Stewart-Jarrett (Utopia, Misfits). Sam ist so ziemlich der einzige Erwachsene weit und breit, der nicht als konservativer Heuchler auftritt. Chester (Smith), einer unserer jungen Protagonisten, findet in ihm bald einen Freund. Besonders charmant erscheint ihr kleines Spiel, in dem sie absurde Todesursachen aufzählen. Trotzdem merkt man der Beziehung der beiden eine Anspannung an, weil Sam befürchtet, dass Chester sich etwas antun könnte. Und Chester, süchtig nach Aufmerksamkeit, kokettiert damit sogar.

Sams Gegenpol in Sachen Erwachsenenfiguren stellt derweil die verkrampfte Familienmutter Megan dar, besetzt mit Martha Plimpton (Raising Hope). Sie schreibt sogar einen Wochenplan, wann ihr Mann und sie den Beischlaf ausüben. Ihre Kinder Naomi (Chloe East) und Nathan (Uly Schlesinger) befürchten, dass sie mal auch so werden könnten und schwören sich, einander umzubringen, falls es so weit kommen sollte. Ihre Geschwisterbeziehung wirkt verdächtig hervorragend, doch das ändert sich bald, als der Bruder ein Auge auf Jack (Connor Chavez) wirft, der Freund seiner Schwester. Und „Auge“ ist an dieser Stelle sowieso ein schönes Stichwort, aber darauf müssen wir jetzt nicht weiter eingehen...

Ebenfalls im Ensemble: Haley Sanchez als schüchterne Greta, die auf die Hobbyfotografin Riley (Chase Sui Wonders) steht; Lukita Maxwell als Delilah, die ihren Mathelehrer dafür ankreidet, dass in seinen Textaufgaben nicht-binäre Geschlechter nicht berücksichtigt werden; und Nathanya Alexander als Arianna, die ständig homophobe Sprüche klopft, obwohl oder weil ihre zwei Väter selbst homosexuell sind. Nava Mau ist außerdem als Gretas Tante Ana zu sehen, und Sam Trammell als Megans Gatte Mark. So viel also zum Inhalt und zur Besetzung der Serie. Lohnt sie sich zu schauen?

Generation
Generation - © HBO Max

Wie ist es?

Kurz gesagt: Generation wirkt so, als würde man das eingangs erwähnte HBO-Drama Euphoria durch die rosarote Brille betrachten (die Chester tatsächlich trägt). Soll heißen: Beide Serien haben eine ähnliche Ästhetik und Weltanschauung, nämlich dass die dargestellte Generation Z die existenzbedrohlichen Zukunftsprobleme, die ihre Baby-Boomer-Eltern versursacht haben, einerseits defätistisch hinnehmen und gleichzeitig Kritik üben an der heuchlerischen Haltung ihrer Erziehungsberechtigten, wenn sie ihnen vorwerfen ein ungezügeltes Leben zu führen. Sie genießen es, aus der sicheren Position der moralischen Überlegenheit die Erwachsenen auf Eis laufen zu lassen.

Nur, dass Euphoria zusätzliches Gewicht durch den schweren Stoff Drogensucht dazugewinnt, während Generation etwas leichter daherkommt. Immerhin haben wir es hier mit einer Dramedy zu tun, deren Episoden jeweils 30 Minuten lang sind. Neben Sexualität und Queerness geht es ansonsten um die typischen Themen junger Menschen: die Suche nach Identität und Wertschätzung, Neid und Unsicherheit, äußere Wut, die eigentlich nach innen zielt et cetera. Erfrischend, dass auch hier wieder queere Figuren nicht mit vorhersehbaren Mobbing-Storys aufgehalten werden, sie geben eher sogar den Ton an.

Dass übrigens auch die Girls-Schöpferin Lena Dunham hinter den Kulissen von Generation ihre Finger mit im Spiel hat, merkt man auf Anhieb. Ähnlich wie bei ihrer eigenen HBO-Dramedy, die 2017 zu Ende ging, dürfte auch hier der Vorwurf aufkommen, dass die Figuren allesamt unsympathisch sind. Wer damit ein Problem hat, fair - mir ist jedoch wichtiger, dass die Figuren interessant sind, was zumindest nach der Pilotepisode zutrifft. Wie gesagt glänzt vor allem Justice Smith als Chester, der auf fabulöseste Art und Weise mit einem Todrick-Hall-Song eingeführt wird. Schön für den Schauspieler, dass er endlich mal eine Rolle spielen darf, die wirklich das Gegenteil von matt ist. Allein seine Mode rechtfertigt das Schauen der Serie...

Alles in allem hat Generation also ein paar sehr gute Argumente zu bieten. Abzüge gibt es lediglich für Oberflächlichkeit, so schön die Oberfläche auch sein mag. Trotzdem werde ich die Serie auf jeden Fall weiterverfolgen, denn auch bei Euphoria war ich anfangs noch nicht euphorisch. Ein bisschen Zeit braucht es vielleicht, bis man voll versteht, was Daniel Barnz, der übrigens auch für die schicke Inszenierung verantwortlich zeichnet, und seine Tochter Zelda ganz Spezielles sagen wollen.

Sehr gern würde ich auch ein Making-of sehen, wie die Arbeit bei einem Vater-Tochter-Autorenteam abläuft - vor allem bei einer solchen Serie. Schlägt Zelda beim Dialog ein böses Schimpfwort vor, kann Daniel ihr ja kaum Stubenarrest erteilen.

Abschließend noch ein kleines Hurra für den Charakter Nathan (Schlesinger), der als bisexueller Mann zu den im amerikanischen Fernsehen am wenigsten repräsentierten Mitgliedern der LGBTQ-Community gehört, wie man dem vergangenen GLAAD-Report entnehmen kann. Seine Anwesenheit ist daher an sich ein großes Plus.

Hier abschließend noch der Trailer zur neuen DramedyGenerationauf HBO Max:

Verfasser: Bjarne Bock am Freitag, 12. März 2021

Generation 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Generation 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Folge 1
Titel der Episode im Original
Pilot
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 11. März 2021 (HBO Max)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 12. April 2022
Autoren
Zelda Barnz, Daniel Barnz, Christina Nieves
Regisseur
Daniel Barnz

Schauspieler in der Episode Generation 1x01

Darsteller
Rolle
Nathanya Alexander
Chloe East
Lukita Maxwell
Uly Schlesinger
Sydney Mae Diaz
J

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?