Generation 56k 1x01

© oster zur Serie Generation 56k (c) Netflix
Generation 56k lautet der Titel der italienischen Netflix-Comedy, die ab sofort mit acht Folgen für alle Globetrotter der Serienwelt zur Verfügung steht. Erzählt wird das dysfunktionale Liebesleben des Protagonisten Daniel (Angelo Spagnoleti) - auf zwei Zeitebenen. Los geht es mit der Episode Das Date.
Worum geht es in Generation 56k?
Dabei geht es um seine Anfänge als Heranwachsender, der am Spiegel das Küssen übt und erste Pornoguckerfahrung mit seinen Kumpeln Luca und Sandro sammelt. Ebenso geht es um seine Erlebnisse als etwa Dreißigjähriger, dem Datingapps jederzeit die nächste flüchtige Bekanntschaft bescheren können, obwohl er wohl lieber etwas Festes hätte. Dabei ist er ziemlich wählerisch.
Die Macher wählen einen etwas merkwürdigen Einstieg, denn das Cold Open der Serie zeigt ein solches modernes Date, das in einem Lokal fortgeführt wird und dann irgendwie im Schlafzimmer endet, obwohl beide Parteien nur so halbwegs aneinander interessiert sind. Ein mir bisher unbekanntes Phänomen für diese Lösung wird vorgestellt: Bekannte rufen auf dem Handy an, um eine Exitstrategie anzubieten, wenn man den Geschlechtsverkehr doch nicht vollziehen möchte, statt die Gefühle des anderen zu verletzen. Dumm nur, dass beide eine solche Versicherung haben... Ich bin mir nicht ganz sicher, wie ich die Szene lesen soll, denn es stellt sich als Pitch-Meeting für eine App heraus. Womöglich wird das im Lauf der Staffel noch geklärt, vielleicht ist das nur ein Einstiegsgag, denn das Personal ist bei Situation und Pitch-Meeting ähnlich.
Daniel treibt es zurück ins Elternhaus, in dem sich die Erzeuger auf einen Umzug einstellen. Dabei kommen nicht nur alte Tagebucheinträge über Schwärme der Vergangenheit zutage, sondern auch sonstige Erinnerungsstücke aus dem Jahr 1998. Seinem Vater erklärt er ein bisschen die Datingapps und seine Schwester zieht ihn auf. Der normale Familienwahnsinn also.
Via Flashback ins Jahr 1998 sehen wir dann, was Daniel, Sandro und Luca so für Unfug auf der Insel Procida getrieben haben. Mädels aus der Distanz mit Ferngläsern beobachten, dem örtlichen Rowdy aus dem Weg gehen, der damit droht, Leute ins Meer zu werfen und einen Pornofilm auf VHS besorgen, mit dem man sich den Traum einer PlayStation finanzieren will. Eigentlich gilt es als verboten, die Kassette zu kopieren, aber die Jungs probieren es trotzdem und denken, ihre Lösung eines harmlosen Cartoons als Tarnung könnte klappen. Tut es aber nicht. Später ist es ausgerechnet Daniels Schwester zusammen mit ihren Freundinnen, die das Werk sieht, was sein Papa direkt bestraft mit Zerstörung des Tapes - und mehr...
In der Gegenwart steht derweil sein nächstes Date an. Sein Match heißt Magda, auch wenn ihr Bild offenbar nicht ganz so viel von ihr zeigt. Schnell macht er ein Treffen um 20 Uhr in einer Karaoke-Bar fix, muss aber dort länger warten als gedacht. Er will schon gehen, als „Magda“ (Cristina Cappelli) ihn anspricht. Anders als zuvor hat er sehr viel Spaß bei Cocktails und Karaoke und findet zudem jemanden, mit dem er seinen Lieblingsfilm „Terminator 2“ diskutieren kann und die Paradoxe, die es darin rund um John Connor gibt. Kleine Anmerkung von mir dazu: Warum wählt man „Terminator 2“? Wahrscheinlich, weil es ein Film aus den 90ern ist, den jeder kennt. Aber so super komplex ist das Besprochene hier sicherlich nicht. Das wirkt wie ein netter Einfall, der eine nerdige Diskussion anzetteln will, die so jedoch irgendwie etwas zu generisch wirkt. Ich kann allerdings die Intention irgendwo nachvollziehen.
Nicht ganz nachvollziehen kann ich hingegen, warum man zum ersten Date in so eine laute Location gehen würde, in der man sich kaum unterhalten kann, aber different strokes und so und für die Storyentwicklung hat man sich dann auch noch etwas dabei gedacht.
Das Date läuft gut, bis sich Daniel nach dem Singen übergibt. Trotzdem hat er Lust auf ein Wiedersehen. Sie bleibt da etwas reserviert, denn schon von Beginn an sieht es danach aus, als wüsste sie mehr über ihn als er über sie. So stellt sich heraus, dass sie eines der Mädchen aus seiner Vergangenheit ist. Und er muss einsehen, dass er die ganze Zeit an Magda dachte, die sich jedoch nach dem Date erst mal für ihr Nichterscheinen entschuldigt...
How I Met My Childhood Crush Again?

Generation 56k hat ein bisschen was von How I Met Your Mother, My Brilliant Friend und sogar etwas von dem aktuellen Pixar-Film „Luca“, gemischt mit einer guten Portion 90er Nostalgie, die rund mehrere Jahrzehnte nach der Dekade wahrscheinlich besonders bei jungen Serienmachern sehr beliebt sein dürfte. Fun Fact: Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind die 90er so weit für uns entfernt, wie es die 1960er in den 1990ern waren. Wir werden alle alt... Die Serie trifft einen sweet spot für mich, denn das Alter der Handelnden deckt sich ungefähr mit meinem eigenen, so dass man viel vom Gezeigten ziemlich gut kennt. Natürlich eher in Deutschland als in Italien, aber ihr wisst sicherlich, was ich meine.
Das Casting gefällt mir, sofern ich das nach den erstem Halbstünder beurteilen kann, bisher sehr gut. Neben dem Daniel-Darsteller ist hier das Highlight Cristina Cappelli also Magda aka die ältere Mathilda, die wie Tracy (Cristin Miloti) in How I Met Your Mother das perfekte Gesicht hat, in das sich Zuschauer und Protagonist auf Anhieb verlieben können. Das Lächeln kann wohl Herzen noch und nöcher stehlen. Ähnlich wie die CBS-Comedy steht zu erwarten, dass es wohl eine kleine Hatz um das Wiedersehen respektive das Zusammenkommen der beiden Schulkameraden geben wird. Eine solche Prämisse geht in einem Comedyformat völlig okay und man kann nur hoffen, dass die Macher beim zuletzt absetzungsfreudigen Netflix eine runde Story erzählen können und nicht anschließend ins Meer geworfen werden vom Streaming-Rowdy...
Gianluca Colucci spielt den erwachsenen Luca und Fabio Balsamo ist Sandro, die beide in ein paar durchaus amüsante Szenen verwickelt sind, wobei die aus der Jugend mich sogar noch etwas besser unterhielten. Das Format bemüht sich um authentisches italienisches Flair, was Location, Figuren und Dialoge angeht. Ich habe mir die Serie im Original mit Untertiteln angeschaut und fand es spritzig, wie man miteinander gesprochen hat. Ich denke es gibt minimale Zugeständnisse, um möglichst viele Zuschauer abzuholen (wie die „Terminator“-Sache und ein paar Klischees), aber insgesamt macht das Gezeigte einen soliden Eindruck. Man muss eben für sich entscheiden, ob das Dargestellte letztlich reicht, um dranzubleiben. Spontan bin ich daran interessiert, wie man das Episodenende fortsetzt. Denn Daniel weiß nicht, wie er seine potentielle Herzdame kontaktieren soll und ahnt nur schwach, dass er sie, wie am Ende des Dates angesprochen, wirklich schon seit Ewigkeiten kennt. Sie sitzt derweil am längeren Hebel und weiht auch eine Freundin über das Spontan-Date ein.
Fazit

Generation 56k ist ein respektabler Versuch einer Rom-Com-Serie aus Italien, der man durchaus eine Chance geben darf, wenn man seinen Serienhorizont erweitern möchte. Besonders Kinder, die in den 90ern groß geworden sind, dürften an so manches erinnert werden. Der Kontrast zwischen ersten Begegnungen mit dem anderen Geschlecht und modernen Datingerfahrungen ist gut gelungen.
Nach Lupin und Sexify hat Netflix für mich eine weitere locker-leichte europäische Produktion im Angebot, die ich mir beizeiten mal komplett anschauen werde. Mit acht unter halbstündigen Episoden kann man das gut zwischendurch unterbringen.
Hier abschließend noch der Trailer zur Serie „Generation 56k“ auf Netflix - im italienischen Original mit englischen Untertiteln:
Du kannst die Serie Generation 56k jetzt sofort bei Netflix streamen.
Verfasser: Adam Arndt am Donnerstag, 1. Juli 2021(Generation 56k 1x01)
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