Für Umme: Review der Pilotepisode der Amazon-Serie

Für Umme: Review der Pilotepisode der Amazon-Serie

Mit Für Umme gelingt drei jungen, deutschen Filmemachern ein großer Wurf. Dass sie ihre elfteilige Comedyserie bei Amazon unterbringen konnten, ist verdient. Warum Ihr der Serie eine Chance geben solltet, lest Ihr hier.

Fuer Umme (c) Kater Film/ Amazon
Fuer Umme (c) Kater Film/ Amazon
© uer Umme (c) Kater Film/ Amazon

Manchmal treffen die großen Streamingdienste fragwürdige Entscheidungen, hin und wieder bringen sie uns aber auch kleine Perlen auf die Mattscheibe, die andernfalls wohl im Nirgendwo versackt wären. Ein schönes Beispiel für letztere Variante ist die deutsche Serie Für Umme, in der wir den 33-jährigen Schauspieler Mo Mikkelsen (Michael Fritz Schumacher) durch einen meist chaotischen Alltag mit erniedrigenden Castings, cholerischen Regisseuren und scharfzüngigen Kolleginnen begleiten. Der erhoffte Durchbruch ist nicht in Sicht, dafür könnte er nun die Herzen der Serienjunkies im Sturm erobern.

Wovon handelt es?

Mo hat einen Traum: von seiner Leidenschaft der Schauspielerei zu leben. Wie er uns selbst erzählt, schaffen das nur zwei Prozent der hoffnungsvollen Anwärter und Mo selbst gehört da leider noch lange nicht dazu. Stattdessen lebt er mit seinen 33 Jahren von der Kohle seiner Eltern und hangelt sich von Casting zu Casting, meistens jedoch ohne Erfolg. Ansonsten bemüht er sich vor allem im Netzwerken in der Branche. Das sieht meistens jedoch anders aus, als die meisten Außenseiter es sich träumen lassen würden. In der Pilotepisode wacht er in einer schmutzigen Badewanne in einem zugemüllten Badezimmer auf, während ein Mann mit Wrestlingmaske auf die Toilette trottet. Doch, wie er verkündet, war es ein erfolgreicher Abend, denn er hat auf der Feier einen Produzenten von sich überzeugen können und bekommt prompt den Anruf, auf den er so lange gewartet hat: Die Rolle gehört ihm!

Das Glück dauert jedoch nur kurz an, denn wir müssen erfahren, dass das Schauspielerdasein ein ständiges Auf und Ab ist. Schon der nächste Anruf offenbart, dass die Rolle dann doch auf höhere Anweisung hin an Oliver Pocher gegangen ist.

Mo steht statt der großen Karriere ein unangenehmes Treffen mit seinen Eltern bevor, auf dem sie ihm eröffnen, dass der Geldhahn nun versiegt.

In den darauffolgenden Episoden begleiten wir ihn zu erniedrigenden Castings, bei denen er manchmal seine Nemesis aus der Schauspielschule trifft, manchmal eine scharfzüngige Kollegin, mit der ihn eine unterhaltsame Hassliebe verbindet, manchmal aber auch einen cholerischen Regisseur. Er nimmt uns mit, wenn er einen Job als Medikamententester annimmt oder sich als Schnitzel verkleidet auf eine Messe begibt. Die Bandbreite des Lebens als erfolgloser Schauspieler ist nicht langweilig, aber auch nur sehr selten von dem Glamour und dem Ruhm gekrönt, von dem Mo träumt.

Wie kommt es rüber?

Frische Darstellergesichter neben bekannten Namen (darunter Martin Semmelrogge und Oliver Korittke, eine Portion Berlin-Flair, eine eigene Art von herbem Humor und jede Menge Fremdschämmomente, die sich mit überraschend rührenden Szenen abwechseln. Das ist die Essenz der Comedy Für Umme, deren elf Episoden man durch Amazon-Prime-Abo über Amazon Prime Video genießen kann. Dass die Serienmacher Michael Fritz Schumacher, Vlady Valentin Oszkiel und Richard Thomas Beetz es bis dahin geschafft haben, haben sie zwischendurch vermutlich selbst nicht geglaubt, denn von der Idee bis zur Ausstrahlung dauerte es mehrere Jahre voller Ungewissheit. Mehr Interessantes dazu kann man in diesem DWDL-Artikel erfahren.

Nun ist es also so weit und Amazon tut sich einen Gefallen damit, eine frische deutsche Serie ins Programm zu holen. Der einzige Fehler, den sie Serienproduzenten machen, ist, mit einer der schwächsten Episoden zu starten. Wir lernen einen übernächtigten Mo kennen, der in der gut zehnminütigen Pilotepisode in erster Linie Interaktionen mit seinen Eltern hat. Das ist ein eher langsamer Einstand, denn wer noch zehn weitere Minuten investiert, der erlebt die weitaus stärkere Seite der Geschichte. Das liegt ein bisschen an Martin Semmelrogge als cholerischer Regisseur, aber auch vor allem daran, dass Mo in Gegenwart seiner Kollegen besonders glänzen darf. Die bezaubernde Hassliebe zwischen ihm und der wunderbaren Kathi (Gisa Flake) könnte durchaus noch etwas länger gehen. Auch mit seinem Mitbewohner und seinem Erzrivalen läuft Mo zu komödiantischen Hochtouren auf. Man merkt, dass die Serienschaffenden wissen, wovon sie erzählen, wenn sie Mo von seiner Liebe zur Schauspielerei philosophieren lassen, wenn sie uns in hochnotpeinliche Castings schicken und vor allem, wenn sie uns zeigen, was in Mo steckt. Denn, wie sein Mitbewohner ihm selbst sagt: Auch wenn Mo selten eine echte Rolle landet, so bezaubert er mit seinem Schauspieltalent im wahren Leben immer wieder seine Mitmenschen. So rettet er unter anderem einen Patienten aus den Fängen einer Ärztin (Eva Habermann) mit düsteren Absichten und hilft einem jungen Schüler dabei, nicht von der Schule zu fliegen. Mo zeigt uns, dass Schauspielerei mehr ist, als nur Zeilen aufzusagen. Improvisationstalent und jede Menge Selbstvertrauen gehören auch vorne mit dazu in die Stellenbeschreibung. Von beidem hat Mo mehr als manchmal gut für ihn ist.

Fazit

Die deutsche Comedyserie Für Umme schenkt uns urkomische Momente, die sich vor allem aus den starken Darstellern und dem Umstand speisen, dass die Serienmacher im Drehbuch gekonnt ihren eigenen Alltag fiktionalisieren. Zwischen urkomischen Momenten scheint manchmal lustig verpackte Kritik an der Welt der Fernsehproduktion durch. Als junger Filmschaffender mit großen Plänen, aber wenigen Erfolgen baut Protagonist Mo eine ganz eigene Welt um sich herum auf, die charmant, herzlich und peinlich sein kann, aber immer ein bisschen größer als der Alltag ist. Um die volle Wucht zu entfalten, sollte man der Serie ungefähr drei Episoden von jeweils zehn Minuten Zeit geben. Nach der ersten stellt man dann erleichtert fest, dass es nicht zum Fremdschämen ist, nach der zweiten freut man sich auf mehr und nach der dritten hat man die Serie bereits ins Herz geschlossen.

Hier noch der Trailer:

Bir Baskadir Acht Menschen in Istanbul

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