
Manchmal ist es schwierig, eine Serie anhand der Pilotepisode zu beurteilen. Der erste Blick auf Fresh Off the Boat hinterlässt das Gefühl, dass man mehr rausholen könnte. Besonders da sich hinter dem Projekt interessante Namen verstecken. Serienschöpferin Nahnatchka Khan haben wir immerhin das wunderbare Don't Trust the B---- in Apartment 23 zu verdanken, die Regisseurin der Pilotepisode konnte bereits bei New Girl und Mad Men Erfahrungen sammeln und Produzent Jake Kasdan hat sich gemeinsam mit Judd Apatow durch dem Film „Walk Hard: The Dewey Cox Story“ einen Namen gemacht. Die Story von „Fresh Off the Boat“ basiert auf dem gleichnamigen Buch aus dem Jahr 2013, der Autobiografie von Eddie Huang. Den wiederum muss man nicht kennen, schadet aber auch nicht. Nach einem Jurastudium wagt sich der heute 32-Jährige auf die Standup-Bühne (und nebenbei in den Marihuanahandel). Mittlerweile ist er für seine Kochsendungen bekannt.
Angesichts der Köpfe hinter dem Projekt darf man erwarten, dass die Serie Fresh Off the Boat einen eigenen, scharf geschnittenen und auch mutigen Stil mitbringt. Doch das einzig Scharfe an der Pilotepisode ist die Zunge der Serienmutter. Ein großer Teil der Story scheint eine weichgespülte Familiencomedy zu sein, die das Spiel mit den Stereotypen nicht besonders galant beherrscht. Aber in den Details und manchen kleinen Szenen schwingt die Hoffnung mit, dass das eher eine Pilotkrankheit ist und sich nicht durch die Serie ziehen wird.
Worum geht es eigentlich?
Washington D.C. im Jahr 1995: In Chinatown packen der elfjährige Eddie Huang (Hudson Yang, „The Sisterhood of the Night“) und seine Familie ihre Koffer, um in einen Vorort von Orlando, Florida zu ziehen, wo Vater Louis (Randall Park, Veep) ein Steakhouse betreiben will. Zwischen ausgestopften Bären und Cowboyhemden hofft er auf seine Version vom amerikanischen Traum. Auch wenn er die Kultur seiner Wahlheimat nicht komplett versteht, sind seine Euphorie und sein Glaube an ein besseres Leben doch bestechend.
Am schwierigsten zu überzeugen ist jedoch seine Frau Jessica (Constance Wu, Spooked), die die neue Heimat eher kritisch beäugt. Während Louis mit allen Mitteln versucht, sich anzupassen, findet Jessica die amerikanischen Gepflogenheiten im besten Fall befremdlich. Die Familie, deren drei Söhne in den USA geboren wurden, kämpft gleich mit zwei Umstellungen: sie ziehen von der Großstadt in die Vorstadt und von Chinatown, wo auch die erweiterte Familie lebt, in eine Umgebung, in der fast alle Nachbarn blond sind und in der Freizeit Rollschuh fahren.
Eddies Problem hat jedoch noch eine weitere Ebene, denn er fühlt sich auch innerhalb seiner Familie als Außenseiter und nutzt Rapmusik dazu, diesen Status als Einzelgänger zu kultivieren. Seine jüngeren Brüder Emery (Forrest Wheeler) und Evan (Ian Chen) reagieren auf die neue Umgebung unterschiedlich. Der streberhafte Evan macht sich auf zum Lehrerliebling, der lockere Emery findet überraschenderweise schon am ersten Tag jede Menge Freunde.
Schnell stellt sich heraus, dass das Restaurant noch nicht den erhofften Erfolg einfahren kann und Vater Louis erkennt das Problem: damit die Anwohner sich wohl fühlen können, sollen sie fortan von einem weißen Gesicht begrüßt werden. Neben Kellnerin Nancy (Jillian Armenante, Judging Amy) kommt so in der Pilotepisode auch noch Mitch (Paul Scheer, The League) ins Restaurant.
Eddie hat es unterdessen schwer, sich in seiner neuen Schule zurecht zu finden. In der Cafeteria sucht er die Gesellschaft des einzigen anderen Außenseiters, einem schwarzen Jungen, der jedoch kein Interesse an Verbrüderung hat und in Eddie jemanden sieht, der ihn am Ende der Nahrungskette ablösen kann. Auch sein asiatisches Essen findet am Mittagstisch keine Unterstützer und er muss schließlich hinter der Turnhalle essen.
Wie kommt es rüber?
Das Beste an der Pilotepisode ist Serienmutter Jessica, die mit ihrer scharfen Zunge. Sie ist diejenige, die die interessanten Beobachtungen über die Kultur ihres neuen Heimatlandes liefert und die mit schlagfertigen Sprüchen abliefert. Beim Anblick eines riesigen Supermarktschildes fragt sie kühl, worüber der Laden denn so aufgeregt sei.
Die übertriebene Anpassung von Louis, der einen Werbefilm für sein Steakhouse mit ausschließlich weißen und übertrieben verkleideten Figuren dreht, ist der schwächste Plot. Weder charisma- noch storytechnisch kann Randall Park es mit Constance Wu aufnehmen, doch als Duo sind sie dennoch am amüsantesten, wie das Gespräch im Zimmer des Schuldirektors zeigt.
Zwischen den Elternplots pendelt sich das Pilotabenteuer der eigentlichen Hauptfigur Eddie ein. Dass ein asiatischer Junge sich mit einem weißen Kind über einen schwarzen Rapper verbrüdert, ist schon eher lahm. Dass das Drehbuch dann aber auch noch vorsieht, dass der einzige anwesende schwarze Junge darauf hinweist, wie seltsam das ist, ohne einen Witz hinzuzufügen, macht das nicht besser.
In der Pilotepisode zeigt die Serie Fresh Off the Boat sich ziemlich bieder, eine Familiencomedy, die sich vor allem darauf verlässt, dass die Familie fremd in der Umgebung ist. Doch daraus holen sie nicht besonders viel heraus und wenn, dann ist das Spaßpotential vor allem der Stärke der Schauspieler geschuldet. Doch die kleinen Gags und die Aufmerksamkeit, die die Autoren auch Details widmen, lässt Hoffnung aufkeimen, dass es besser werden könnte. Leider hat die Serie fürs Erste nur sechs Episoden Zeit, die eigene Richtung zu finden.
Fazit
Die Serie Fresh Off the Boat bringt eine asiatisch-stämmige Familie aus dem Chinatown der US-Hauptstadt in einen Vorort in Florida. Diese Veränderungen treffen jedes Familienmitglied anders, einige davon sind amüsant, andere noch stark ausbaufähig. Immerhin der Cast zeigt sich durchgehend bestechend und aufgrund der beteiligten Personen hinter der Kamera sollte man vermutlich nicht zu früh aufgeben.
Promo zur Serie „Fresh off the Boat“: