Frasier (2023) 1x01

© Paramount+
Die NBC-Sitcom Frasier war Mitte der 90er und Anfang der 2000er Jahre in vielerlei Hinsicht bahnbrechend: Der Titelheld, gespielt vom mehrfachen Emmypreisträger Kelsey Grammer, bewies zum Beispiel, dass auch Männer extravertiert oder gar metrosexuell sein können. Als Spin-off der legendären Erfolgsserie Cheers trat man außerdem nicht das leichteste Erbe an. Die verblüffende Verwandlung, die die Figur schon im Originallauf hingelegt hatte - vom Hassobjekt zum Publikumsliebling -, glich ebenfalls einem bis dato unerhörten Zaubertrick.
Faszinierend ist aber auch, wie es dem Multi-Kamera-Format gelang, durch ihre theatralischen Zwischenüberschriften das Tempo rauszunehmen und dabei trotzdem keinen Schwung zu verlieren. Dass „Frasier“ am Ende wie „Cheers“ auf ganze elf Staffeln kam, ist neben den innovativen Serienmachern David Angell, David Lee und Peter Casey vor allem der Chemie des Casts zu verdanken. Der Radiopsychologe Dr. Frasier Crane (Grammer) hatte einzigartige Synergien mit seinem Bruder Niles (David Hyde Pierce), genauso wie mit John Mahoney in der väterlichen Rolle des Martin Crane.
Die Idee eines „Frasier“-Revivals kursiert schon seit vielen Jahren. Offiziell bestellt wurde es im Februar 2021, nämlich bei der Streaming-Plattform Paramount+. Das Drehbuch ließ man Joe Cristalli (Life in Pieces) und Chris Harris schreiben, während man dem erfahrenen Fernsehveteran James Burrows, der damals schon bei „Cheers“ dabei war, die Regie anvertraute.
Grammer, der in der Zwischenzeit mit dem kurzlebigen Politdrama Boss und leider auch mit persönlichen Suchtproblemen für Aufsehen sorgte, war für die Rückkehr natürlich zuerst gesetzt. Als Pierce dann seine Teilnahme im Herbst 2022 absagte, musste man sich etwas überlegen, um Niles' Abwesenheit zu erklären. Und so ließ man Frasier von Seattle einfach wieder zurück nach Boston ziehen. Als Anlass dient traurigerweise der Tod seines Vaters (Mahoney verstarb 2018 tatsächlich).
Worum geht's?
In der halbstündige Pilotepisode von Frasier (2023), die am gestrigen Donnerstag, den 12. Oktober erschien, reist Frasier in Begleitung seines sozial unbeholfenen Neffen David (Newcomer Anders Keith) an die Ostküste, um einen Vortrag in Harvard zu halten. Am Flughafen werden die zwei Cranes von Professor Alan Cornwall (Nicholas Lyndhurst, „Only Fools and Horses“) empfangen, ein alter Studienkollege Frasiers. Zusammen mit der aufgedrehten Fakultätschefin Olivia (Toks Olagundoye, The Neighbors) hat Alan längst einen Plan, um Frasier dauerhaft in Boston zu behalten.
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Frasier ist durch seine Fernsehsendung mittlerweile zum bekanntesten Psychologen Amerikas avanciert. Selbst eine Prestigeuni wie Harvard könnte sich mit ihm noch schmücken. Und tatsächlich stehen die Chancen auf einen Verbleib Frasiers sehr gut, was aber eher persönliche statt berufliche Gründe hat. Die Antwort steckt im Folgentitel The Good Father - und das gleich doppelt, denn zum einen hat Frasier ja seinen eigenen Vater verloren, zum anderen will er in Boston nun ein besserer Vater für Freddy werden, der mit Deception (2017)-Darsteller Jack Cutmore-Scott neu besetzt wurde.

Doch während die Türen von Harvard für Frasier weit offenstehen, bleibt der Weg zurück zu seinem entfremdeten Sohn erstmal versperrt. Zunächst wirkt es so, dass Freddy einfach genervt ist von der besserwisserischen Natur seines Vaters, doch Stück für Stück erkennen wir, dass mehr dahintersteckt. Zumal da noch seine mysteriöse Mitbewohnerin Eve (Jess Salgueiro, Y - The Last Man) ist - von dem Baby ganz zu schweigen. Beim gemeinsamen Abendessen gibt es für Frasier also viel zu verdauen oder überhaupt erstmal zu entdecken.
Das Ganze gipfelt in einem klärenden Gespräch zwischen Vater und Sohn, das Sitcom-typisch ärgerlich lang aufgeschoben wird. Am Ende finden sie über die Brücke von (Groß-)Vater Martin zusammen. Auch der Konflikt zwischen dem Akademiker Frasier und Feuerwehrmann Freddy wird hier elegant gespiegelt, da ja auch der alte Crane als Polizist einen sogenannten Blue-Collar-Job hatte, auf den er stolz war. Dass Frasier am Ende das ganze Haus kauft, um im Leben seines Sohnes zu bleiben, ist dann wieder eine Pointe zu weit. Damit wirkt er fast verstörend übergriffig.
Was bei all dem übrigens am wenigsten funktioniert, sind quasi alle anderen Figuren. Weder kann Niles' Sohn David in irgendeiner Weise eine Lücke füllen noch erscheinen Olivia oder Alan als geeignete intellektuelle Sparringspartner für den blitzgescheiten Protagonisten. Der größte Witz in Episode eins liegt darin, dass sich unnötig viele Menschen beim eigentlich privaten Moment von Frasier und Freddy dazwischendrängen. Dabei fühlt es sich aber wirklich so an, dass die ungeladenen Gäste hauptsächlich stören.
Offensichtlicher hätte man die Unersetzbarkeit von Pierce und Mahoney kaum unterstreichen können, obwohl man ja extra den Handlungsort ans andere Ende des Landes verlegt hat, um dieses Gefühl des Vermissens zu vermeiden. Wenigstens auf die Rückkehrerinnen Bebe Neuwirth als Dr. Lilith Sternin und Peri Gilpin als Roz Doyle können wir uns noch freuen...
Wie ist es?
Alles in allem ein eher ernüchterndes Debüt für Frasier (2023), was nicht am Hauptdarsteller Kelsey Grammer liegt, sondern daran, dass ihm sein altes Ensemble fehlt. Die neuen Leute wurden ohnehin mit einer unmöglichen Herausforderung gestraft, man kann ihnen gar keinen Vorwurf machen. Dass sich die Serienmacher mit dem Revival, das im Prinzip ein paar ganz gute Grundideen hatte - wie etwa den umgekehrten Umzug nach Boston -, mehr oder weniger auf Slapstick-Niveau herablassen, macht einen aber schon ein bisschen traurig.
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Frasier hätte diese Rückkehr nicht gebraucht. Alles, was der Charakter zu sagen hatte, hat er schon gesagt. Er hatte seine Zeit. Also: drei von fünf Punkten für die neue Serie - mit einem halben Extrapunkt für die netten Cheers-Anspielungen in der Bar.
Hierzulande kann man „Frasier (2023)“ schon jetzt parallel zur US-Premiere beim deutschen Paramount+ streamen.
Hier abschließend noch der Trailer zum Revival der Serie „Frasier“, die auch in Deutschland bei Paramount+ zu sehen ist:
Verfasser: Bjarne Bock am Freitag, 13. Oktober 2023Frasier (2023) 1x01 Trailer
(Frasier (2023) 1x01)
Schauspieler in der Episode Frasier (2023) 1x01
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