Franklin: Sauce for Prayers - Review der Pilotfolge der Historienserie mit Michael Douglas bei Apple TV+

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Das passiert in der Pilotfolge der Historienserie „Franklin“
Herbst 1776: In Amerika tobt der Unabhängigkeitskrieg zwischen Großbritannien und Freischärlern. Gerade erst haben die Kolonialtruppen New York eingenommen und einige weitere Siege errungen, so dass der Freiheitskampf droht, im Keim erstickt zu werden. In dieser schwierigen Lage reist der in Europa als Erfinder der Elektrizität gefeierte Benjamin Franklin (Michael Douglas) nach Frankreich, um das mit England verfeindete Land als Waffenlieferant zu gewinnen. Seine Mission ist schwierig, zumal der König sich aus dem Krieg heraushalten möchte. Doch dank seiner Intelligenz, Integrität und seinem Verständnis für die Menschen gelingt es ihm schnell, wertvolle Verbündete für die Sache zu gewinnen.
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Große Kunst
Welch ein Schauspieler! Das war mein erster Gedanke, als ich im neuen Apple TV+-Highlight Franklin den ersten Auftritt der unbestrittenen Schauspiellegende Michael Douglas miterleben durfte. Gestik und Mimik sind so feinsinnig aufeinander abgestimmt, dass jede einzelne Szene mit dem Altmeister geradezu atemberaubend ist. Schon allein deshalb wäre die historische Miniserie sehenswert, doch da es gibt noch wesentlich mehr Komponenten, die schon die Debüt-Episode zu einem fantastischen TV-Erlebnis machen.
Abgesehen von Noah Jupe als Benjamin Franklins Enkelsohn glänzen vor allem auch die zahlreichen französischen Schauspielenden und sorgen in Sauce for Prayers für einen realistischen Touch. Doch auch die in allen Belangen hochwertige Ausstattung, die das Paris des späten 18. Jahrhunderts so lebendig vor den Augen des Publikums auferstehen lässt, ist überwältigend gut gelungen.
Das Kernstück, um die Immersion perfekt zu machen, bildet aber die detailreiche historische Recherche, die der Produktion offensichtlich vorausgegangen ist. Da erwähnt die Comtesse, der Benjamin während eines Empfangs begegnet, beiläufig, von Lugi Boccherini am Cembalo unterrichtet worden zu sein, der tatsächlich als Komponist und Cellist ein Jahr in Paris verbrachte. Überhaupt ist die zu hörende Tafel- und Kammermusik zeitgerecht und passt daher in den geschichtlichen Kontext.
Dasselbe trifft auf Verhaltensweisen sowie den Kleidungsstil der Protagonisten zu. Die Gesichter der französischen Figuren sind teils bis zur Groteske gepudert, die Kleidung ist opulent und Franklin lässt es sich nicht nehmen, nach einem ausgiebigen Mahl am Tisch kräftig einen fahren zu lassen. All diese Komponenten treffen den gewählten Zeitrahmen punktgenau, so dass man sich beinahe ins Jahr 1776 hineinversetzt fühlen könnte.
Last, but not least lässt sich die Dialogführung als großes Plus von „Franklin“ identifizieren. In der ersten Folge der insgesamt rund acht Stunden langen Geschichte macht die Produktion nur relativ wenige Zugeständnisse an heutige Sprechgewohnheiten. Franklin mag in seiner Ausdrucksweise etwas plakativer daherkommen, als der französische Adel, den er für die Sache zu gewinnen versucht, doch insgesamt fügen sich Wortwahl und Ausdrucksart perfekt ins Setting ein.
Die Geschichte

Kommen wir damit zu den narrativen Inhalten, die sich ebenfalls rundweg sehen lassen können und sich recht dicht an den historischen Ereignissen orientieren. Der amerikanische Unabhängigkeitskrieg ist seit einem Jahr im Gange und die Freiheitskämpfer mussten seitdem herbe Verluste hinnehmen. Gelingt es nicht, die Franzosen als Verbündete zu gewinnen, die mit Großbritannien noch mehr als eine Rechnung offen haben, ist die junge Nation der Vereinigten Staaten von Amerika am Ende, bevor sie überhaupt gegründet wurde.
In dieser Zeit begibt sich der einstige Königsloyalist Benjamin Franklin direkt in die Höhle des Löwen nach Paris, um dort politische Bande zu knüpfen. Dabei gerät er in ein Netz aus Seilschaften und Intrigen, wobei er auch reiche Sympathisanten kennenlernt. Diese davon zu überzeugen, viel Geld sowie viele Waffen und Schiffe zu investieren, ist das erklärte Ziel, wobei sich schon die erste Stunde äußerst unterhaltsam ausnimmt.
Wenn man der Serie an dieser frühen Stelle etwas vorwerfen möchte, dann, dass sie über ein relativ langsames, dialoggetriebenes Erzähltempo verfügt. Die Herangehensweise ergibt aber Sinn, weil das Publikum zunächst einmal in die Zeit, Situation und Motivation der Hauptfigur eingeführt werden muss. Wenn man allerdings einen Hochkaräter wie Michael Douglas als Zugpferd hat, gerät jedes Gespräch zu einem kleinen Highlight, vor allem wenn diese so stimmig geschrieben sind, wie hier. Wie wenig und doch wie viel Worte ausdrücken können, zeigt vielleicht am besten der letzte Dialog der Folge zwischen ihm und dem Compte de Vergennes (Thibault de Montalembert).
Der ist grundsätzlich ein Befürworter des Unabhängigkeitskrieges, muss aber aufgrund der Ablehnung des Königs vorsichtig an die Sache herangehen. Deshalb lädt er Franklin zu einem konspirativen, inoffiziellen Treffen ein, das natürlich niemals stattgefunden hat und in dem der amerikanische Diplomat zunächst einmal wenig schmeichelhaft behandelt wird. Vergennes fühlt dem Bittsteller mächtig auf den Zahn und entlässt ihn ergebnislos aus der Konversation.
Auch wenn Historienkenner natürlich wissen, wie die Geschichte ausgeht (Frankreich wird die Vereinigten Staaten gemeinsam mit Spanien und den Niederlanden mit Waffen und Soldaten unterstützen), fragt man sich unwillkürlich, wie der Held die Klippen der Diplomatie zu umschiffen gedenkt, um ans Ziel zu gelangen. Damit ist polit-dramatische Spannung für Folge zwei vorprogrammiert, zumal man sich im Verlauf der Miniserie sicherlich noch auf die ein oder andere Schlacht zu Land und hoffentlich auch zur See einstellen kann.
Fazit
Nachdem die Pilotfolge von Manhunt (2023) ein Fehlschlag war, zeigt das Autoren-Team Stacy Schiff, Kirk Ellis und Howard Korder in Zusammenarbeit mit Regisseur Timothy Van Patten, wie man es richtig macht. Historische Akkuratesse, ein grandioser Hauptdarsteller, stark geschriebene Dialoge, eine hochwertige Ausstattung und eine sehenswerte Detailverliebtheit zeichnen das Historienepos „Franklin“ schon in der ersten Folge aus.
Wer solche Stoffe liebt, wird schlicht begeistert sein, denn schon mit der Debütepisode macht das Produktionsteam deutlich, dass wir hier nur den Beginn einer unvergesslichen Streaming-Reise sehen.
Ein klein wenig Luft nach oben lassen wir uns, doch für diesen gelungenen Start vergeben wir viereinhalb von fünf Sternen.
Hier abschließend noch der Originaltrailer zur Serie „Franklin“, die nun bei Apple TV+ gestartet ist: