Foyle's War 9x03

© ITV
Anthony Horowitz und die Leidenschaft für Verbrechen
Es ist schon beinahe so etwas wie ein „ungeschriebenes Gesetz“: Wer Brit-Crime liebt, kommt an Anthony Horowitz kaum vorbei. Der am 5. April 1955 in London geborene Autor und Produzent hat nicht nur die Jugendbuchreihe um den smarten Teenie-Agenten Alex Rider erdacht, sondern auch zahlreiche Drehbücher für einige der bekanntesten britischen Krimiserien verfasst.
Darunter befinden sich so illustre Titel wie die nach seinem Roman entstandene Magpie Murders, „Agatha Christie's Poirot“, „Midsomer Murders“ aka „Inspector Barnaby“ oder die von ihm entwickelte Foyle's War (in Deutschland: „Inspector Foyle“.
In einem Interview sagte der umtriebige Schreiber, das Besondere an britischen Krimis seien sowohl das Umfeld, in dem sie spielen, als auch die Leidenschaft am Rätseln, die in vielen Cosy-Crime-Werken bis zur Vollendung zelebriert wird. Für den in der fiktiven Grafschaft Midsomer ermittelnden DCI Barnaby gehört es beispielsweise zum Alltagsgeschäft, sich mit den teils recht skurrilen Bewohnern diverser Dörfer herumzuschlagen, die uns allesamt gute Gründe dafür liefern, sie zu verdächtigen.
Als ITV Anfang der 2000er Jahre eine Ausschreibung mit der Suche nach einer Alternative zur erfolgreichen Krimiserie „Inspector Morse“ herausgab, entschied sich Anthony Horowitz daher für einen neuen Weg. Er ersann den sprichwörtlichen Spürhund Chief Superintendent Christopher Foyle, der im Zweiten Weltkrieg nicht nur Morden auf den Grund geht, sondern auch Spionen, Schiebern und anderen zwielichtigen Gestalten das Handwerk legt.
Horowitz war sich bei der Einreichung seines Vorschlages sehr wohl darüber bewusst, dass er es möglicherweise nicht leicht haben würde. Historische Stoffe sind immerhin wesentlich teurer in der Umsetzung als in der heutigen Zeit angesiedelte Konzepte. Die Locations sollten passen, Satellitenschüsseln und anderes modernes Equipment müssen aus den Filmen herausretuschiert werden, die Kostüme und Frisuren zeitgemäß, und die Kulissen mit stimmigen Requisiten versehen sein.
All das kostet Geld, weshalb der Autor zunächst wenig Hoffnung auf eine Umsetzung hatte. Nach einigen Monaten setzte er sich aber wider Erwarten gegen beinahe 300 Mitbewerber durch und erhielt den Zuschlag. Das erste Drehbuch sollte eine Menge Konfliktpotential beinhalten und auch mit einem Schuss Gesellschaftskritik nicht sparen.
Der erste Fall
Deshalb entschied Horowitz sich dafür, die Geschichte um Christopher Foyle in den Monaten während des Dünkirchen-Dramas im Mai 1940 starten zu lassen. Die Briten hatten empfindliche Niederlagen erlitten und miterlebt, wie die deutsche Wehrmacht die Niederlande und Belgien überrannt hatten und kurz davor standen, Frankreich zu schlagen. Die damals vorherrschende Angst vor den stetig zunehmenden Luftangriffen, Spionen und letztlich einer Invasion Großbritanniens, nutzte der Autor, um den Fall „The German Woman“ („Die Deutsche“) zu kreieren.
Im Kern geht es in der Story um den Hass einiger Briten auf die deutsche Ehefrau eines einflussreichen Richters, die nach einem Bombenabwurf auf den Pub eines Dorfes während des Ausreitens durch eine Klaviersaite schließlich enthauptet wird. Die Suche nach dem Täter führt Chief Superintendent Foyle nicht nur in die korrupte Welt der Reichen ein, sondern auch in die der Internierungslager, in die tausende deutsche Flüchtlinge während des Zweiten Weltkrieges gesperrt wurden. Dabei erwies sich Foyle als ein unbestechlicher Ermittler, der sich selbst von seinen Vorgesetzten nicht einschüchtern lässt.
Als Vorteil für die Figurenzeichnung der Hauptfigur erwies sich zweifelsfrei die Tatsache, dass mit dem aus Filmen wie „Out of Africa“, „James Bond: GoldenEye“ oder „The World Is Not Enough“ („James Bond 007 - Die Welt ist nicht genug“) bekannten Michael Kitchen ein ausnehmend guter Schauspieler gewonnen werden konnte. Kitchen verlieh seinem Charakter die Empathie eines Vaters, dessen Sohn als Pilot in den Krieg zieht, der aber anderseits auch über eine gewisse Härte verfügt.
Zu Beginn der Serie hat er die Nase davon voll, als Polizist unwichtige Fälle zu bearbeiten und stellt immer wieder Versetzungsanträge für das Verteidigungsministerium oder andere kriegswichtige Posten. Als sein Vorgesetzter die Versetzung endlich genehmigt, hat jedoch längst sein ausgeprägter Gerechtigkeitssinn nach dem Mord an der von Joanna Kanska gespielten Greta gesiegt. Er will unbedingt herausfinden, wer für die grausame Tat verantwortlich ist und findet am Ende heraus, dass reine Gier und nicht etwa politischer Hass das Motiv war.
Gemeinsam mit der ihm als Fahrerin zugewiesenen, ebenso neugierigen wie klugen Samantha (in der Serie oft nur Sam, gespielt von Honeysuckle Weeks) löst er den Fall und geht fortan in insgesamt acht Staffeln mit 28 Episoden in Filmlänge auf Täterjagd.
Absetzungspoker
Auffällig an der Serie ist, dass sich die 28 Episoden über einen Zeitraum von insgesamt sieben Jahren erstrecken, die über 13 Jahre hinweg ausgestrahlt wurden. Nun ist es im britischen Cosy-Crime-Genre keine Seltenheit, dass eine Staffel nur drei oder vier Filme umfasst. Die lange Sendeperiode erklärt sich dadurch jedoch nicht. Der Grund hierfür liegt in einer recht abrupten Absetzung seitens ITV verborgen.
Nachdem Foyle seine Ermittlungen zwischen Mai 1940 und Mai 1945 erfolgreich durchgeführt hatte, entschied sich das TV-Network 2008, keine Fortsetzung mehr zu finanzieren, was nicht zuletzt Anthony Horowitz überraschte. Von den 19 Geschichten hatte der Autor bis auf zwei alle selbst geschrieben. Umso schwerer muss ihm der Abschied gefallen sein. Vielleicht war dies ein Grund mit dafür, dass er nicht so einfach aufgeben wollte.
Nach Verhandlungen mit ITV entschied man gemeinsam, doch noch drei Seasons hinterherzuschieben. 2010 ging es endlich weiter und mit The Russian House, Killing Time sowie The Hide liefen drei neue, spannende Fälle im Fernsehen. Nach einem Wechsel der Produktions-Firma von Greenlit Productions hin zu Eleventh Hour Films und einer dreijährigen Pause folgten noch einmal drei Krimis und 2015 schließlich die letzten drei Teile, die wiederum von Anthony Horowitz geschrieben wurden.
Ein Wort zum Schluss
Mit Elise, die mit einer satten 9,0 auf ImDB die am besten bewertete Episode der gesamten Serie wurde, bekam Foyle's War schließlich am 18. Januar 2015 den würdigen Abschied, den der sympathische Ermittler verdient hatte. Leider sind von dieser ungewöhnlichen und teilweise grandios geschriebenen Serie bislang lediglich die ersten vier Filme in Deutschland ausgestrahlt worden, und das auch noch in gesplitteter Form. Erfreulicherweise schafft aber Edel Motion nun Abhilfe und hat kürzlich die erste Staffel als DVD-Box herausgebracht.
Die Kompilation enthält die ersten vier Filme „Die Deutsche“, „Die weiße Feder“, „Eine Lektion in Sachen Mord“ und „Adlertag“. On top gibt es noch ein interessantes Interview mit Serienschöpfer Anthony Horowitz, das einige interessante Details über die Entstehungsgeschichte der Serie enthält. Zugreifen lohnt sich also für Fans guter Krimis allemal.
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Verfasser: Reinhard Prahl am Sonntag, 3. Dezember 2023(Foyle's War 9x03)
Schauspieler in der Episode Foyle's War 9x03
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