Fosse/Verdon 1x01

© zenenbild aus „Fosse/Verdon“ (c) FX
Es hätte der Anfang einer der mitreißendsten Liebesgeschichten der Serienwelt werden können. Allein der Trailer der von FX veröffentlichten Serie Fosse/Verdon verspricht ein Funkensprühen der Gefühle, angereichert mit viel Drama und Herzschmerz in der glamourösen, wenn auch kräftezehrenden Welt des Showbusiness. Damit soll nicht gesagt sein, dass die Serie nach der ersten Folge bereits abgeschrieben werden kann, doch ohne den vielversprechenden Trailer würde ich der Miniserie, bestehend aus acht Episoden, zu diesem Zeitpunkt keine weitere Beachtung mehr schenken.
Big Spender
Gleich zu Beginn der Story werden wir in die schwer überschaubare Produktion eines Filmes geworfen. Knapp bekleidete Tänzerinnen werden in Position gebracht, das finale Make-up wird aufgetragen und dann laufen auch schon die Kameras. Im Hintergrund agieren Bob Fosse (Sam Rockwell), der Regisseur des Projektes, und Gwen Verdon (Michelle Williams), die sich als ehemalige Tänzerin mit den Ansprüchen des Jobs auskennt und hinter der Kamera die Fäden zieht.
Die beiden scheinen eine glückliche Ehe zu führen, haben eine gemeinsame Tochter und arbeiten regelmäßig zusammen. Dem typischen Klischee eines Künstlerlebens entsprechend veranstalten sie Partys, auf denen viel geraucht und getrunken wird, besitzen eine extrovertierte Einrichtung und ihr Glück hängt einzig und allein von dem Erfolg ihres derzeitigen Projektes ab. Als dieses jedoch Verluste in Millionenhöhe einspielt, zeigen sich die ersten depressiven Züge von Bob, Selbstmordgedanken inklusive. Und auch bei Gwen scheint es unter der Oberfläche zu brodeln - uns stellt sich kurz darauf die Frage, warum sie selbst nicht mehr im Rampenlicht der Musicalproduktionen steht.

Ein neues Projekt bringt Bob zwei Jahre später nach München, wo er sich regelmäßig mit dem Produzenten des Broadway-Musicals anlegt. Während Gwen und ihre Tochter in New York bleiben, denkt Bob an die Zeit zurück, als er selbst noch ein junger Tänzer war und von seinem Stepptanzlehrer erbarmungslos gedrillt wurde. Die wirklich oberflächlich angerissene, harte Jugend des Charakters trägt jedoch nicht gerade zu dessen Sympathie bei und als er sich dann auch noch eine Geliebte in München anlacht, sinkt mein Verständnis für sein Leid ins Bodenlose.
Die bessere Hälfte
Während die Nebencharaktere im Treibsand der Unwichtigkeit versickern, erfahren wir auch über die Persönlichkeiten der Protagonisten recht wenig. Bob kommt weiter seinem Job in München nach, sucht nach echten Prostituierten für seinen Film und Gwen bekommt einen Anruf, in dem ihr mitgeteilt wird, dass ihre Tochter mit den Schlaftabletten von Bob in der Schule aufgetaucht ist. Doch dieser Umstand rückt schnell in den Hintergrund, als Bob kurz davorsteht, gefeuert zu werden, woraufhin er Gwen bittet, nach Deutschland zu kommen und ihm zu helfen.
Die Dynamik, die infolge dessen bei ihrer Zusammenarbeit zum Tragen kommt, weckt zum ersten Mal mein Interesse an ihrer Beziehung. Bob mag zwar ein Genie auf seinem Gebiet sein, doch ohne die einfühlsame und ruhige Kraft seiner Frau Gwen kann er sein Talent nicht entfalten. Sie ergänzt ihn, versteht seine Bedürfnisse und kommt durch ihre charismatische Art besser mit den Menschen in ihrem Umfeld zurecht. Es benötigt hoffentlich keiner weiteren Erläuterung, warum das Interesse am tragenden Pärchen der Geschichte nicht erst nach 45 Minuten eintreten sollte.

Als Rahmen der Handlung dienen gelegentliche Zeitangaben, die auf den späteren Zeitpunkt eines Ereignisses Bezug nehmen. Wir befinden uns daher am Anfang der Episode 18 Jahre in der Vergangenheit und am Ende acht Minuten vor diesem mysteriösen Ereignis. Der Gedanke war hier sicher, eine gewisse Neugier aufkommen zu lassen, stattdessen sorgt es eher für Verwirrung.
Fazit
Lediglich der ansprechende Trailer hindert mich daran, die Tanzserie Fosse/Verdon nach der ersten Episode bereits abzuschreiben. Die Geschichte einer jungen Liebe, die sich irgendwann jedoch der harten Realität stellen muss und unter den erbarmungslosen Bedingungen des Showbiz leidet, bietet viel Potential, wurde jedoch meiner Meinung nach aus einer falschen Perspektive heraus aufgerollt. Statt mit merkwürdigen Zeitsprüngen die bereits fortgeschrittene Beziehung der Protagonisten darzustellen, wäre es vermutlich von Vorteil gewesen, ihr Schicksal von Anfang an zu erzählen.
Der Serientrailer zur Episode Life Is a Cabaret (1x01) der US-Serie Fosse/Verdon:
Verfasser: Greta Kaiser am Freitag, 12. April 2019Fosse/Verdon 1x01 Trailer
(Fosse/Verdon 1x01)
Schauspieler in der Episode Fosse/Verdon 1x01
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