Forever (2018) 1x01

Forever (2018) 1x01

Statt um einen unsterblichen Gerichtsmediziner in New York dreht sich das neue Forever bei Amazon um die lebensnahen Probleme einer Ehe. Absolut sehenswert ist die Serie vom Master-of-None-Mann Alan Yang dank Maya Rudolph.

Szenenbild aus „Forever“: Oscar (Fred Armisen) und June (Maya Rudolph) könnten etwas Abwechslung vertragen. (c) Amazon Prime Video
Szenenbild aus „Forever“: Oscar (Fred Armisen) und June (Maya Rudolph) könnten etwas Abwechslung vertragen. (c) Amazon Prime Video
© zenenbild aus „Forever“: Oscar (Fred Armisen) und June (Maya Rudolph) könnten etwas Abwechslung vertragen. (c) Amazon Prime Video

Ja, es gab schon einmal eine Serie mit dem Titel Forever. Allerdings haben die und Forever (2018), das nun bei Amazon Prime Video an den Start ging, nur wenig miteinander gemeinsam. Der ABC-Krimi handelte von einem 200 Jahre alten Gerichtsmediziner in New York, gespielt von Ioan Gruffudd („Fantastic Four“), während die neue Ehekomödie von Alan Yang, dem Koschöpfer von Netflix' Master of None, deutlich bodenständigere und somit berührendere Themen angeht. Echtes Herzblut fließt besonders durch die Darbietung von Maya Rudolph in die Serie, die zusammen mit ihrem „SNL"-Kollegen Fred Armisen das zentrale Liebespaar der Geschichte bildet.

Aber man muss nicht unbedingt verheiratet sein - ich selbst bin es nicht -, um mit Rudolphs June und Armisens Oscar mitzufühlen. Yang und Matt Hubbard (30 Rock), die in Partnerschaft das Drehbuch schrieben, zeigen bereits in der Pilotepisode mit dem Namen Together Forever aka Für immer vereint, dass ihre emotionalen Anknüpfpunkte universell sein sollen. Am Ende geht es um das Dilemma, dass wir alle nur circa 30.000 Tage auf diesem Planeten haben und nicht wirklich jeden einzelnen voll auskosten. Diese erschreckende Erkenntnis sollte dennoch niemanden davon abhalten, sich die achtteilige Auftaktstaffel von Forever (2018) anzusehen, denn eine Zeitverschwendung ist die keinesfalls...

Tradierte Langeweile

Forever (2018) gibt sich von der ersten Sekunde an extrem stilsicher: Mit einer fast fünfminütigen Montagesequenz - fast ein Fünftel der Episodenlänge - macht man uns mit den beiden Hauptfiguren bekannt. Wir sehen, wie Oscar ein einsames Leben führte, bis er June begegnete und ihr Herz stahl. Und dann sehen wir, wie die beiden sich entwickeln, wie sie zusammenziehen, Hobbys nachgehen und in den Urlaub fahren. Für einen kurzen Moment lässt uns der Regisseur Yang sogar glauben, sie wären irgendwann auch Eltern geworden, doch dann wird klar, dass June nur das Baby eines anderen Paares hält. So kurz dieser Augenblick auch ist, er deutet auf den zentralen Konflikt des Paares: Statt den nächsten großen Schritt zu gehen, also eine Familie zu gründen, blieben die beiden einfach stehen.

Jedes Jahr fahren sie zum selben Haus am See und erleben da die immergleichen Angelabenteuer. Oscar scheint mit dieser Monotonie besser klarzukommen als June, die, wie wir als Zuschauer mitverfolgen können, zusehends angeödet ist von diesem Leben. Eines Tages kommt ihr die Idee: Was, wenn sie statt zum Haus am See dieses Jahr in die Berge fahren, um einen Skiurlaub zu machen? Oscar lässt sich nach kurzem Zögern überzeugen, immerhin steht seine Lieblingsschauspielerin Edie Falco (The Sopranos) ja auch aufs Skifahren. Diese Art von seltsamen Gesprächen, die June und Oscar immer wieder führen, machen rasch den Charme der Serie aus. Streiten tun die beiden scheinbar nie, was den eklatanten Mangel an Leidenschaft in ihrer Beziehung erklärt.

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Szenenbild aus „Forever%26quot,: Oscar (Fred Armisen) und June (Maya Rudolph) versuchen etwas Neues.
Szenenbild aus „Forever%26quot,: Oscar (Fred Armisen) und June (Maya Rudolph) versuchen etwas Neues. - © Amazon Prime Video

Anstatt Sex zu haben, wollen June und Oscar nach ihrer Ankunft im Skiresort lieber als Erstes Pommes von McDonald's essen und anschließend für exakt 25 Minuten im Fresskoma versinken - wenigstens ist ihr Phlegmatismus also organisiert und strukturiert. Aus Pflichtbewusstsein zieht es die beiden dann aber doch noch auf die Piste, wo sie sich allerdings die nächste Blöße geben müssen: Da alle Plätze ausgebucht sind, müssen sie beim Training der Kinder mitmachen. Ungefähr alles, was die beiden tun, ist irgendwie enttäuschend, und wahrscheinlich fühlen sich beide schlecht, so zu versagen und den jeweils anderen mit nach unten zu ziehen. Auch buchstäblich zieht sich das Paar gegenseitig runter, als sie auf den Brettern stehen.

All das klingt wahrscheinlich etwas deprimierend und kaum einladend für einen unterhaltsamen Serienabend. Auf die Spitze getrieben wird das Ganze, als Oscar seine Kontaktlinse verliert. Es scheint, als würden die Autoren fast absichtlich versuchen, die Zuschauer zu langweilen. Aber wie gesagt: Forever (2018) hat einen ganz besonderen Charme. Rudolph und Armisen tänzeln beide meisterhaft zwischen Humor und Tragik und bringen so eines der authentischsten und doch übertriebensten Pärchen auf den Bildschirm, das man in Serienform zurzeit zu Gesicht bekommt. Im Laufe der Staffel soll die Serie ihre Absurdität beziehungsweise weirdness übrigens noch deutlich mehr umarmen, was in Verbindung mit der fantastischen Inszenierung und besonders der wunderbaren Musikauswahl zumindest für mich sehr vielversprechend klingt.

Fazit

Fans von Forever werden an Forever (2018) wohl keinen großen Gefallen finden, schließlich haben die beiden Serien außer ihrem Titel nichts gemeinsam. Wer hingegen Comedys der Sorte Transparent, Atlanta oder Master of None, das erste große Werk des Serienschöpfers Alan Yang, zu schätzen weiß, der sollte der achtteiligen Auftaktstaffel bei Amazon Prime Video unbedingt eine Chance geben. Yang und sein Partner Matt Hubbard beweisen, dass eine Komödie nicht immer laut und schrill sein muss, um ihre Zuschauer zum Lachen oder in diesem Fall vielleicht eher zum Schmunzeln zu bringen.

Wichtig ist vor allem, dass die beiden Hauptfiguren June und Oscar, gespielt von den „SNL"-Alumni Maya Rudolph und Fred Armisen, einfach sympathisch sind. Und zumindest das kann nach der Auftaktepisode Together Forever aka Für immer vereint ohne Zweifel festgehalten werden. Einer Amazon-Serie angemessen, macht Forever (2018) natürlich auch optisch einen kinowürdigen Eindruck. Und dass Yang nicht nur als Autor, sondern auch als Regisseur genau weiß, was er tut, zeigt er gleich in der fantastischen Eröffnungssequenz. Ein perfekter Start für eine hoffentlich genauso gute Serie!

Der Trailer zur Amazon-Serie „Forever":

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Verfasser: Bjarne Bock am Freitag, 14. September 2018
Episode
Staffel 1, Episode 1
(Forever (2018) 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Für immer vereint
Titel der Episode im Original
Together Forever
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 13. September 2018 (Amazon Prime Video)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 14. September 2018
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Freitag, 14. September 2018
Autoren
Matt Hubbard, Alan Yang
Regisseur
Alan Yang

Schauspieler in der Episode Forever (2018) 1x01

Darsteller
Rolle
Fred Armisen
Kym Whitley

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