For the People: Review der Pilotepisode

For the People: Review der Pilotepisode

Drei Pflichtverteidiger, drei Staatsanwälte und einer der wichtigsten Gerichtssäle der Vereinigten Staaten sind die Zutaten der neuen Shondaland-Gerichtsserie For the People. Wie lautet unser Urteil nach der Pilotepisode?

Szene aus der Pilotfolge von „For the People“ (c) ABC
Szene aus der Pilotfolge von „For the People“ (c) ABC
© zene aus der Pilotfolge von „For the People“ (c) ABC

Via ABC erreicht uns diese Woche eine neue Shondaland-Anwaltsserie von Paul William Davies (Scandal), die sich im amerikanischen Bundesbezirksgericht United States District Court of the Southern District of New York (auch SDNY genannt) abspielt, wo einige der bedeutendsten Fälle der US-Geschichte verhandelt wurden und nur die absolut besten Anwälte eine Karrierechance erhalten. In der Pilotepisode von For the People werden sechs vielversprechende Nachwuchsadvokaten eingeschworen - drei Strafverteidiger und drei Staatsanwälte. Round One, FIGHT!

Welcome to the Mother Court

Das benötigte Drama ergibt sich bereits in der ersten Folge durch den eingebauten Konflikt zwischen idealistischen Junganwälten, die hinter ihren angeklagten Mandanten stehen und ihren überkorrekten Gegenstücken auf der Seite des Staates, die am liebsten alles und jeden wegsperren, so lange es als Gewinn für sie verbucht wird. Die Verteidiger sind sich dieser Diskrepanz bewusst und zielen deshalb auf kleine Zugeständnisse und Mini-Erfolge ab, wie ihnen die in Baseball-Metaphern sprechende Kanzleichefin Jill Marcus (Hope Davis) einbläut.

Zu ihrem jungen Team zählen der gutmütige, aber leicht überforderte Jay Simmons (Wesam Keesh), die beherzte Allison Adams (Jasmin Savoy Brown) und deren beste Freundin, die streitlustige und ambitionierte Sandra Bell (Britt Robertson). Als Protagonistin, die sich beweisen will, beißt sie vor lauter Eifer gleich an ihrem ersten Tag mehr ab, als sie juristisch kauen kann und sorgt schließlich dafür, dass sie einen unmöglich zu gewinnenden Terrorismus-Fall verhandeln muss, der sich um einen jungen Mann dreht, der die Freiheitsstatue in die Luft jagen wollte. Offenbar steckt aber mehr dahinter.

ABC
ABC - © ABC

Die Seite der Staatsanwälte wird vom rigorosen Deputy US Attorney Roger Gunn (Ben Shenkman) angeführt, dem Ergebnisse wichtiger sind als persönliche Gefühle oder Ambitionen. Er nimmt den von sich überzeugten Leonard Knox (Rege-Jean Page), die steif wirkende aber talentierte Katie Littlejohn (Susannah Flood) und den verunsicherten Seth Oliver (Ben Rappaport) unter seine Fittiche. Letzterer ist köstlicherweise für zusätzliches Drama jenseits des Gerichtsaals mit Pflichtverteidigerin Allison liiert und muss natürlich sofort gegen seine Freundin antreten, nachdem Leonard ihm mit nicht ganz sauberen Mitteln den prestigeträchtigeren Terror-Fall abgeluchst hat.

Als Breakout-Stars stechen nach der ersten Episode die von Flood gespielte Katie als unterkühlte Vulkanierin der Gruppe heraus, die sich bei einem Nudel-Date ausgerechnet mit dem rücksichtslosen Leonard anfreundet. Viel Spaß miteinander haben offenbar auch Hope und Shenkman in den Rollen der entgegengesetzten aber befreundeten Chefs der befeindeten Teams. Wer Britt Robertson, die ihrer Kollegin Britne Oldford nach dem ursprünglichen Serienpiloten die Hauptrolle abnahm, nur als Mode-Ikone aus Girlboss kennt, wird womöglich überrascht sein, was für eine gute Figur sie als junge Serienanwältin im berufsüblichen Hosenanzug macht.

Der Showdown im Fall des Jungen mit der Freiheitsstatuen-Bombe wird nach einigem Hin und Her, bei dem überraschende Entdeckungen gemacht und Deals angeboten und ausgeschlagen werden, wie man es aus Anwaltsserien kennt, vor einer zwölfköpfigen Jury ausgetragen, die zwei emotional aufgeladene Ansprachen von Verteidigerin Sandra und dem selbstbewussten Staatsanwalt zu hören bekommt. Eine Formel, die das TV-Justizdrama nicht neu erfindet, sich aber offenbar nach wie vor bewährt.

Fazit

Im Namen der Serienjunkies ergeht folgendes Urteil: For the People kann als kompetente Mischung aus How to Get Away with Murder und David E. Kellys Anwaltsserienkosmos à la Ally McBeal beschrieben werden. Unwahrscheinlich attraktive Junganwälte hauten sich hier innerhalb und außerhalb des Gerichtssaals in die Pfanne und wenn am Ende begleitet von schwülstiger Musik inspirierende Plädoyers gehalten werden, geht es nicht nur um das Schicksal des Angeklagten - nein, die gottverdammte Seele der Vereinigten Staaten Staaten von Amerika steht auf dem Spiel! Wirkt das Ganze dadurch etwas altbacken und stellen die überlebensgroßen, selbstgerechten Charaktere dabei sehr schwarz-weiß-wirkende Argumente auf? Steht Ben Matlock auf Hot Dogs?

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