For All Mankind 2x10

© zenenfoto aus dem Trailer zur zweiten Staffel der Serie For All Mankind (c) Apple TV+
Die zweite Staffel der Serie For All Mankind setzt im Jahre 1983 ein. Die US-Mondbasis wurde ausgebaut, Ressourcen werden mit den riesigen sea dragons in den Weltraum geschickt und unsere Hauptcharaktere aus der ersten Staffel haben sich ebenfalls weiterentwickelt. Ed (Joel Kinnaman) hat die Karriereleiter der NASA erklommen und sehnt sich nach einem erneuten Einsatz im neuen Pathfinder-Projekt. Seine Frau Karen (Shantel VanSanten) führt die Astronautenkneipe und ringt - genau wie Ed - weiterhin mit dem Tod ihres Sohnes Shane (Tait Blum). Vor einigen Jahren haben sie eine Tochter aus Vietnam adoptiert, Kelly (Cynthy Wu), die in die Fußstapfen des Adoptivvaters treten möchte, sich bei der Navy bewirbt und sich auf die Suche nach ihrer eigenen Identität macht.
Ellen (Jodi Balfour) hat ebenfalls Karriere bei der NASA gemacht und hadert mit ihrer Homosexualität, die sie weiterhin geheim halten muss, da die technologischen Entwicklungen der alternativen Zeitlinie vorangeschritten sind, die gesellschaftlichen Entwicklungen aber mehr Zeit benötigen. Sie und ihr homosexueller Ehemann Larry (Nate Corddry) befürchten weiterhin negative Folgen, wenn sie sich outen.
Molly Cobb (Sonya Walger) und Danielle Poole (Krys Marshall) sind ebenfalls erfolgreiche Astronautinnen, wobei Molly mit den Folgen des Solarsturms aus dem Staffel-Auftakt und Poole mit dem Tod ihres Ehemannes zu kämpfen hat sowie weiterhin mit rassistischen Vorurteilen aufgrund ihrer Hautfarbe umgehen muss.
Margo (Wrenn Schmidt) holt Ziehtochter Aleida (Coral Pena zur NASA. Aleida hat zwar einen Abschluss als Ingenieurin, ihr fällt es aber außerordentlich schwer, sich den hierarchischen Strukturen der Weltraumbehörde unterzuordnen.
Während Gordo (Michael Dorman) mit den psychologischen Folgen seines Weltraumaufenthaltes zu kämpfen hat und auch physisch kaum für den Beruf als Astronaut geeignet ist, tingelt seine Exfrau Tracy (Sarah Jones) als neue Heldin der Nation durch die Talkshows.
Doch der Ausbau der Mondbasis fördert auch den Konflikt mit den Russen - und zwar nicht nur im Weltraum, sondern auch auf der Erde. Die US-Regierung beschließt, bewaffnete Soldaten auf den Mond zu schicken, was weitreichende Folgen hat.
Sinnvolle Nutzung von Originalmaterial
Wie schon in der ersten Staffel ist die alternative Zeitlinie mit sehr viel Liebe zum Detail erstellt worden. Im Auftakt kann die Zuschauerschaft multiple Veränderungen im Vergleich zum realen Geschichtsverlauf wahrnehmen. Kleine humoristische Nuancen, wie zum Beispiel die Heirat zwischen Prince Charles und Camilla Parker Bowles sind ebenfalls dabei. Das world building ist hierbei oftmals mit originalem Videomaterial untermauert. Es werden teils also echte Aufnahmen genutzt und in einem anderen Kontext verwendet oder reale Aufnahmen kommen mithilfe technischer Möglichkeiten wie deep fakes zum Einsatz. Bei historischen Videos werden somit Auftritte mit anderen Mundbewegungen und Audiodateien angepasst und bearbeitet. Der Auftritt von Tracy in der Tonight Show mit Johnny Carson wurde durch ein echtes Interview mit einer jungen Diane Lane adaptiert und mit Sarah Jones als Tracy technisch zusammengefügt. Durch diese kleinen Spielereien wirkt die Zeitlinie authentisch und liefert ähnlich wie in Marvel-Produktionen faszinierende kleine Details für Geschichtsfans.

Der Kalte Krieg im Weltraum
Im fulminanten Finale The Grey löst sich der Konflikt auf der Erde und auf dem Mond durch den emotionalen Handschlag im Weltraum auf. Die US-Mannschaft und die russische Besatzung der Sojus-Apollo-Mission docken erfolgreich die beiden Raumkapseln aneinander und widersetzen sich somit den Befehlen ihrer Regierungen. Die bewegenden Bilder des Zusammentreffens zwischen Astronautin Poole und dem russischen Kosmonauten gehen um die Welt und die Präsidenten aus den USA und aus Russland reden wieder miteinander, anstatt Kampfjets oder Raketen sprechen zu lassen. Ein Hollywood-Happy-End, möchte man meinen, hätte es nicht in der Geschichte einige solcher Momente gegeben, in denen eine kleine Entscheidung oder ein emotionaler Moment einen etwaigen Krieg verhindert haben. Wir denken zum Beispiel an die Kuba-Krise von 1962, die in einer anderen Zeitlinie auch zum Dritten Weltkrieg hätte führen können...
Der Streit zwischen Karen und Ed kurz vor dem Start von Pathfinder verdeutlicht diesen Punkt. Der Mensch oder die Geschehnisse der Menschheit sind nicht in binäre Muster/Attribute zu kategorisieren - schwarz oder weiß, gut oder böse, richtig oder falsch. Eine Lehre, die auch in der Serienwelt bei der Charakterzeichnung zum Tragen kommt. In diesem Fall sind die Russen nicht böse, die US-Regierung nicht uneingeschränkt gut, Menschen nicht immer rational. Es gibt Facetten, die im Graubereich liegen und das Schauen von Serien - und die Einordnung von Ereignissen des eigenen Lebens - betreffen.
Die Rettung aller Stationsbewohner und die Verhinderung einer Nuklearkatastrophe auf dem Mond, bei der Gordo und Tracy in wenigen Sekunden in einem selbstgebastelten Schutzanzug über den Mond laufen, ist konstruiertes Hollywood-Kino. Auf emotionaler Ebene hat der Tod der beiden Ex-Ehepartner jedoch funktioniert und die noch nie zuvor gesehene Szene ist spannend und emotional aufwühlend zugleich; der gemeinsame Tod der beiden allerdings wohl auch unabdingbar bei den Gegebenheiten des Mondes, so sehr man sich auch ihr Überleben wünschen würde...
Offene Fragen für die weiteren Entwicklungen
Das Schauen von For All Mankind ist besonders aktuell, da die Menschheit momentan fast wöchentlich neue Informationen von der Mars-Mission in den Nachrichten erfahren kann. Der Mars-Hubschrauber „Ingenuity“ fliegt höher, schneller weiter oder der Mars-Rover „Perseverance“ gewinnt Sauerstoff auf dem Mars. Faszinierend, dies parallel zu beobachten, wobei natürlich auch die Überlegung stattfindet, ob diese Entwicklungen durch eine kleine Änderung in der Zeitlinie nicht früher hätten geschehen können...
Margo hat in dieser Staffel einen menschlicheren Zug erhalten. Ihr Zusammenspiel mit dem russischen Ingenieur Sergei (Piotr Amaczyk) hat daher überraschend gut funktioniert und einer romantischen Beziehung würden wir nicht entgegenstehen, wäre da nicht der russische Geheimdienst mit seinen eigenen Interessen. Somit wird wohl auch Margo eine wichtige Rolle in der bereits bestellten dritten Staffel einnehmen und der Kampf um den Weltraum auch im Jahre 1995 weitergehen. Vielleicht ist dann bereits eine dritte Weltmacht, China, mit von der Partie?
Ein anderes politisches Schwergewicht könnte Ellen einnehmen. Obwohl der technische Fortschritt in der parallelen Zeitlinie stark vorangeschritten ist - mit Computern für Privatpersonen und Elektro-Autos bereits in den 1980er Jahren -, haben sich die Rechte und die Akzeptanz von Homosexuellen in der Gesellschaft nicht in gleichem Maße verändert. Ellen muss weiterhin ihre Liebe zu Freundin Pam geheim halten beziehungsweise diese will Ellens Karrieremöglichkeit nicht gefährden. Ehemann Larry hat ebenfalls Befürchtungen, was geschehen würde, sollte Ellen sich outen. Es wird angedeutet, dass sie nun eine politische Karriere in Angriff nimmt. Wird sie in der kommenden Staffel also mit „Madam President“ angesprochen werden?

Fazit
Für eine kurze Beantwortung der Frage, ob die zweite Staffel in den 1980er Jahren mit der Verlagerung des Kalten Krieges auf den Mond funktioniert hat: Ja, es hat funktioniert. Die zehn Episoden der zweiten Staffel sind stramm erzählt mit emotionalen Charaktermomenten, technisch brillanten Actionszenen und liebevoll kreierten alternativen Zeitlinien, die zum Nachdenken anregen. Eine starke Prise Patriotismus ist natürlich auch weiterhin mit dabei, die man bei der US-Produktion rund um die Weltraumagentur NASA eben aushalten können muss.
Die junge Generation wurde für einen erneuten Zeitsprung in Position gebracht, wobei hier auch die Kritikpunkte zur Staffel angeführt werden müssen. Etwas mehr Tempo oder Tiefgang rund um die Geschichtsstränge von Adoptivtochter Kelly, die aufmüpfige Aleida und vor allem Danny Stevens (Casey W. Johnson) wären wünschenswert gewesen. Leider kann auch die langatmige Entwicklung rund um Karen Baldwin nicht mit den emotionalen Entwicklungen der ersten Staffel mithalten.
Trotz dieser kleineren Mängel sind wir jetzt schon bereit für die Besiedelung des Mars mit alten und neuen Gesichtern, denn For All Mankind bleibt ungewöhnlich, spannend und absolut sehenswert.
Die erste und zweite Staffel von For All Mankind sind jeweils auf Apple TV+ abzurufen. Eine dritte Staffel befindet sich bereits in der Produktion und hier könnt Ihr außerdem unsere Interviews mit Joel Kinnaman (Ed Baldwin) und den Showrunnern Ronald D. Moore und Maril Davis nachlesen.
Weiterführende Links:
Interview mit den Showrunnern zur zweiten Staffel
Bestellung der 3. Staffel von For All Mankind
Trailer zur zweiten Staffel:
Hier abschließend noch der Trailer zur aktuellen zweiten Season der Serie „For All Mankind“ auf Apple TV+:
Verfasser: Hanna Huge am Montag, 26. April 2021(For All Mankind 2x10)
Schauspieler in der Episode For All Mankind 2x10
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?