In der Pilotepisode bietet die Serie Flesh and Bone schon alles auf, was man von einer Ballettserie an Klischees erwarten muss: blutige Füße, Gewichtsprobleme, geheime Strippernebenjobs, Arroganz auf allen Seiten und eine schüchterne Newcomerin, die mehr Talent hat als alle anderen.

Sarah Hay als Ballerina in der US-Serie „Flesh and Bone“ / (c) Starz
Sarah Hay als Ballerina in der US-Serie „Flesh and Bone“ / (c) Starz

Am Ende der Pilotepisode der Serie Flesh and Bone stellt sich vor allem eine Frage: Meinen die das alles ernst? Statt großer Dramen wird uns eine Seifenoper geboten. Kein Klischee wird ausgelassen und am Ende wird die Ernsthaftigkeit, mit der die Serienmacher ihre Geschichte erzählen, nur noch amüsant.

Worum es geht

Die junge Claire (Sarah Hay) hat sich um ihren Vater gekümmert, doch als ihr Bruder aus dem Kriegseinsatz zurückkehrt, haut sie aus dem Fenster ab, um sich endlich ihren großen Traum von der Ballettkarriere in New York zu erfüllen. Dort stößt sie zunächst auf den selbstverliebten Direktor Paul (Ben Daniels, House of Cards), der sie nicht einmal vortanzen lassen will. Mit gediegenem Kampfgeist schafft Claire es dann jedoch, ihre Chance zu bekommen und landet einen Gig im Ensemble. Doch dort wird sie wenig herzlich empfangen. Ihre neue Mitbewohnerin Mia (Emily Tyra) und die anderen Tänzerinnen fluchen, lästern, mobben und beleidigen sich durch den Tag. Alles natürlich aus Neid. Aber wie könnte das auch anders sein, schließlich musste die übertalentierte Claire nur einmal vortanzen und das, nachdem sie die letzten Jahre in einem kleinen Studio, nachts putzend und tagsüber trainierend, verbracht hat.

Der einzige Kollege, Russ (Sascha Radetsky), der zunächst nett zu ihr ist, will dann doch nur mit ihr ins Bett. In der ersten Trainingsstunde bei Paul klingelt dann auch noch Claires Handy, worauf der selbstverliebte Direktor nicht anders reagieren kann, als sie direkt rauszuschmeißen - um sie im letzten Moment zurückzuholen, denn kurz darauf erfahren wir, dass er sich durch die außergewöhnlich talentierte Newcomerin seine große Chance erhofft.

Nach dem Training bekommt die weinende Claire einen ersten Rat von ihrer Kollegin Daphne (Raychel Diane Weiner) und wird von ihrer neuen Konkurrenz Kiira (Irina Dvorovenko) niedergemacht. Und dann erfahren die Mädchen auch noch, dass abends eine Companyparty auf sie wartet, wo sie die Gönner umwerben müssen. Claire wendet sich für Hilfe an die wohlhabende Daphne, die ihr ein Kleid leiht und sie in ihr großes Geheimnis einweiht. Nebenberuflich betätigt die Ballerina sich als Stripperin.

Während Paul bei den Investoren darum kämpft, Claire ins Rampenlicht zu stellen, begutachtet die sich stumm im Spiegel. Auf der Party zeigt sich dann, dass sie ihre Schüchternheit und Unsicherheit ziemlich gewinnbringend als Besonderheit verkaufen kann.

Gut gelaunt schenkt Claire Romeo (Damon Herriman, Justified), der unter der Treppe lebt, am nächsten Morgen eine Orange, bevor sie für den Investor vortanzt. In der Sympathie ihrer Kolleginnen rutscht sie damit noch weiter ab, doch dazu kommen noch ganz andere Probleme, denn ihr Bruder Bryan (Josh Helman) ruft an und gibt einen unangenehmen Inzestvibe ab, da er sich während des Gesprächs befriedigt und sich auch darüber hinaus als ausgemachter Stalker präsentiert.

Wie kommt es rüber?

Die Serie Flesh and Bone ist schon optisch düster und deprimierend angelegt. Sie führt uns in eine Welt, die von Egomanen voller Selbstliebe und Selbsthass kontrolliert wird. Während die Tänzerinnen und Tänzer uns große Dramen und Märchen vortanzen, leben sie in einer gefühllosen Hölle, die sich die Branche selbst geschaffen hat. Als Ausgangspunkt für ein Drama könnte das gut funktionieren, wenn da nur nicht die Klischeefallen wären. Im Verlauf der Pilotepisode wird von einem Stumm-in-den-Spiegel-Starren über Peptalks beim gekauften Sex bis hin zu geheimen Strippernebenjobs nichts ausgelassen. Mal von der Ausgangssituation des schüchternen Entleins, das mit seinem Talent alle bezaubert, ganz abgesehen.

Die Figuren werden nicht zu Charakteren, sondern erfüllen die Rolle, die von ihnen verlangt wird. Der neidische Altstar der Company, der ein Drogenproblem hat, die hinterhältige Mitbewohnerin, die jeden Abend Sex hat. Und natürlich der selbstverliebte Direktor, der sich seine jungen Liebhaber per Telefon bestellt. Dass das arme Mädchen dann auch noch einen Bruder hat, der sie offenbar missbraucht, macht das Märchen perfekt. Die Serienmacher nehmen den Seifenopernfaktor ihrer Show jedoch offenbar nicht wahr und halten an einer übertrieben wirkenden Ernsthaftigkeit fest, die schnell in Lächerlichkeit umschlagen kann.

Fazit

Die Serie Flesh and Bone zeigt sich in ihrer Pilotepisode düster und ernst, bleibt dabei jedoch leider in Klischees stecken.

Trailer der US-Serie „Flesh and Bones“:

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