First Kill 1x01

First Kill 1x01

Die US-amerikanische Serie First Kill auf Netflix mischt Young-Adult- mit Urban-Fantasy- und Horrorelementen und punktet mit stark geschriebenen Figuren sowie einem spannenden Handlungsstrang. Ein Ersteindruck.

Szenenfoto aus der Serie Der erste Kuss (c) Netflix
Szenenfoto aus der Serie Der erste Kuss (c) Netflix
© zenenfoto aus der Serie Der erste Kuss (c) Netflix

Das ist los

Das Teenie-Girl Juliette Fairmont (Sarah Catherine Hook, American Crime Story) lebt in der beschaulichen Kleinstadt Savannah im US-Bundesstaat Georgia und hat sich unsterblich in ihre neue Mitschülerin Calliope Burns (Iman Lewis, The Equalizer) verliebt. Als die beiden sich näherkommen, scheint die Welt perfekt, gäbe es da nicht ein Problem. Juliette ist eine Vampirin, die kurz davorsteht, ihr erstes Opfer erwählen zu müssen, während Calliope einer tausend Jahre alten Jägerfamilie entstammt und endlich ihren ersten Monster-Kill vorweisen möchte. Auf einer Party kommt es zum Showdown, doch der geht gründlich schief, denn eine unheimliche Macht treibt in Savannah ihr Unwesen.

Zielgruppengeplänkel

Wer First Kill streamt, sollte sich von Anfang an darüber im Klaren sein, dass die Serie für ein Publikum zwischen 14 und 29 Jahren konzipiert ist und auf den ersten Blick wie eine pure Romance-Fantasy-Geschichte daherkommt. Juliette ist das nette Teenie-Girl von nebenan, das sich in die älter wirkende, hippe Callliope verliebt und ihr die halbe Episode lang hinterherschmachtet. Das mag hart klingen, hat aber durchaus Methode, zumal die Autoren von Anfang an klar machen, dass sich hinter der Fassade der neureichen Business-Family mit großem Haus und teurem Wagen mehr verbirgt, als tumbe Vorstadt-Yuppies. Schon recht früh wird deutlich, dass Juliette und ihre Angehörigen Vampire sind, die sich zwar als biedere Nachbarn tarnen, aber eben hin und wieder ihren Blutdurst stillen müssen.

Speziell entwickelte Blutkapseln unterdrücken den Jagdtrieb bis zu einem bestimmten Alter. Julietts Zeit ist allerdings gekommen und sie hat keine andere Wahl, als sich ein erstes Opfer zu suchen. Die Idee ist durchaus ansprechend, weil die Serienmythologie auf unnötige Spannungskiller wie Seren, Blutkonserven und Ähnliches verzichtet und die Vampire so zur ewigen Jagd verdammt sind. Ansonsten gestaltet sich die Ausarbeitung der Monsterfraktion Genre typisch und klassisch. Vampire vertragen kein Silber, beißen ihre Opfer in den Hals, verfügen über die Fähigkeiten der Gedankenmanipulation. Ghule wiederum schlurfen Zombie-artig über Friedhöfe, gammeln munter vor sich hin und fressen Leichen. So weit, so bekannt.

Ihnen steht die altehrwürdige Jägerfamilie Burns gegenüber, die mit einem riesigen Waffenarsenal in den Monsterkrieg zieht, um Ghule, schleimige Shambler (ein zwei Meter großes Monster mit vier Augen, Hauern und einem Raubtiergebiss) und eben Vampire zur Strecke zu bringen. Auch hier bietet die Serienbibel keinerlei Überraschungen. Diese Aussage ist allerdings keineswegs abwertend gemeint, sondern vielmehr als Feststellung zu betrachten, da die altbekannten Versatzstücke ohnehin lediglich als Unterbau für den Story-Arc dienen.

Just another Lovestory?

Netflix
Netflix - © Netflix

Liebesgeschichten zwischen Monstern und Jägern sind im Urban-Fantasy-Bereich spätestens seit Buffy the Vampire Slayer nichts Neues und haben ihren Weg in zahlreichen Inkarnationen ins Kino, Fernsehen und die Literatur gefunden. First Kill ist aber dennoch mehr als nur ein billiger Abklatsch. Die auf einer Kurzgeschichte der Erfolgsschriftstellerin V. E. Schwab basierende Serie wartet mit toll geschriebenen Figuren auf, bei denen es Spaß macht, sie auf ihren Abenteuern zu begleiten. Hinzu kommt, dass sich Serienerfinderin und Showrunnerin Felicia D. Henderson einen übergreifenden Handlungsbogen ausgedacht hat, der im zweiten Drittel der Pilotfolge First Kiss einsteigt und sich langsam, aber stetig aufbaut. Plötzlich scheint das kleine Örtchen Savannah regelrecht von Monstern überschwemmt zu sein, und schlimmer noch, Arten, die sich sonst aus dem Weg gehen, tauchen an ein und demselben Ort auf.

Selbst das von der Jägergilde mittels uralten Ritualen gut gesicherte Haus der Burns bleibt nicht verschont. Als Calliopes Bruder ein „Beschwörer“ genanntes Schmuckstück mitbringt, wütet nachts ein Shambler durch die Räume und kann nur mit Mühe besiegt werden. Der bisherige Aufbau und die Art des Storytellings erinnern wohl nicht ganz zufällig an ihr großes Vorbild von Joss Whedon. Das alles ist zwar nicht neu, macht aber aufgrund der netten Inszenierung dennoch etwas her und lädt zum Weiterschauen ein.

Spezialeffekte

Netflix
Netflix - © Netflix

In einer Serie mit zahlreichen Monstern nehmen Spezialeffekte einen nicht unwesentlichen Raum ein. First Kill unterscheidet sich in Sachen Technik relativ wenig von gleichartigen Produktionen auf Netflix und anderen Streamingdiensten. Einige Wesen sind den CGI-Künstlern hervorragend gelungen, so zum Beispiel ein Schattenwesen mit Totenkopf in der zweiten Folge (First Blood), während das Design und vor allem die Bewegungsanimationen des Shamblers sich auf Durchschnittsniveau bewegen. Bei Ghulen verzichtet das Produktionsteam auf Computer generiertes Material und setzt stattdessen auf Maskenarbeit, Make-up und entsprechende Kostüme. Insgesamt nehmen sich die ersten beiden Folgen recht ansehnlich aus, aber eben auch nicht überragend.

Der Cast

Netflix
Netflix - © Netflix

Ein ähnliches Bild vermittelt auch der in weiten Teilen gut gewählte Cast, der mit einer gelungenen Mischung aus vielen Jungtalenten und Routiniers aufwartet. Die Hauptfiguren Juliette und Calliope werden von Sarah Catherine Hook und Imani Lewis gespielt, die bislang zwar einige Erfolge vorweisen können, aber ansonsten noch relativ unbekannt sind. Beide liefern ein tolles Spiel und erwecken ihre Charaktere mit Charme auf der einen, und Coolness auf der anderen Seite zum Leben. Ihnen stehen einige bekannte Gesichter wie etwa Elisabeth Mitchell als Margot zur Seite, die Fans als Dr. Juliet Burke in Lost oder als Reverend Doctor Anna Volovodov in The Expanse noch in bester Erinnerung sein dürfte. Des Weiteren sind unter anderem Will Swenson (Chilling Adventures of Sabrina) und der smarte Jason R. Moore (Curtis Hoyle in Punisher) zu sehen.

Fazit

First Kill erfindet das Rad nicht neu. Genre-Fans werden zahlreiche Versatzstücke entdecken, die aus Serien und Filmen wie Buffy the Vampire Slayer und Angel, der „Twilight“-Saga, The Vampire Diaries, Shadowhunters und Co bekannt sind. Kann man das anprangern? Ja. Muss man es? Nein, denn die ersten Folgen machen ihre Sache gut und sorgen für nette Unterhaltung. Die Figuren sind ansprechend geschrieben, der Background passt und der sich entwickelnde übergreifende Handlungsbogen verspricht einen mächtigen Antagonisten, der es im Verlauf der Staffel hoffentlich richtig krachen lässt.

On top kommt, dass sich die Liebesbeziehung zwischen Juliette und Calliope nicht wie ein Fremdkörper anfühlt, sondern als harmonischer Leitfaden fungiert. Wer also Young Adult, Romance und Urban Fantasy mag und nicht genug von Monstern und Vampiren bekommen kann, darf gerne einen Blick riskieren. Wer sich zu alt für so eine Kombination fühlt, greift indes vielleicht besser zu anderen Serien.

First Kill: Serientrailer zur Vampir-Serie von Netflix

Hier noch der Trailer zur Serie „First Kill“ beim Streamingdienst Netflix:

Verfasser: Reinhard Prahl am Freitag, 10. Juni 2022

First Kill 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(First Kill 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Der erste Kuss
Titel der Episode im Original
First Kiss
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 10. Juni 2022 (Netflix)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 10. Juni 2022
Erstausstrahlung der Episode in der Mediathek
Freitag, 10. Juni 2022
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Freitag, 10. Juni 2022
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Freitag, 10. Juni 2022
Autoren
V.E. Schwab, Bryce Ahart, Stephanie McFarlane
Regisseur
Jet Wilkinson

Schauspieler in der Episode First Kill 1x01

Darsteller
Rolle
Sarah Catherine Hook
Imani Lewis
Aubin Wise
Gracie Dzienny
Dominic Goodman
Jason R. Moore

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