
© usan Sarandon (l.) und Jessica Lange in „Feud“ / (c) FX
Das neue FX-Format Feud ist der mittlerweile dritte Eintrag im Anthologieserien-Universum von Ryan Murphy. Bereits vor dem Start ist eine zweite Staffel bestellt worden, in der es um das Leben und Streiten von Prinz Charles und seiner Gemahlin Diana gehen wird. Die nun mit ihrer Pilotepisode gestartete erste behandelt indes die legendäre Auseinandersetzung der beiden Hollywood-Diven Joan Crawford und Bette Davis zu Beginn der 1960er Jahre. Gespielt werden sie von Murphy-Muse Jessica Lange und Susan Sarandon.
Why can't you just get along?
Zu diesem Zeitpunkt befanden sich die Schauspielerinnen im Herbst ihrer Karriere. Einblicke in ihren Gefühlszustand gewährt uns Murphy, der Regie führte und zusammen mit Jaffe Cohen und Michael Zam das Drehbuch schrieb, mittels Interviews mit ehemaligen Kolleginnen wie Olivia de Havilland (Catherine Zeta-Jones) oder Joan Blondell (Kathy Bates), die knappe zwei Jahrzehnte später für eine Dokumentation Rede und Antwort stehen. Zu Beginn fasst Havilland sehr bündig zusammen, woraus sich die Faszination aus diesem Streit speiste: „They hated each other, and we loved them for it.“
Natürlich war schon damals die Gier des Boulevardjournalismus nach immer neuen aufsehenerregenden Themen unersättlich, wobei längst dasselbe Problem bestand, das wir noch heute aus der bisweilen unsäglichen Berichterstattung der Yellow Press kennen: Alternde Schauspielerinnen wurden als Zicken porträtiert, während ihre männlichen Counterparts in Würde altern durften. Hier tritt eine solche Medienvertreterin in Person von Hedda Hopper (Judy Davis) auf, die nicht locker lässt, bis Joan ihr die gewünschte Schlagzeile serviert, mit der sie Giftpfeile in Richtung der frischgebackenen Golden-Globe-Gewinnerin Marilyn Monroe abschießt.
Hopper bekommt in der Auftaktepisode einen weiteren Auftritt, der das gleiche Ergebnis zum Ziel hat, allerdings erfolglos bleibt. Da geht es für Joan und Bette längst nicht mehr nur um Klatsch und Tratsch, sondern um nichts weniger als ihre letzte Chance zum Comeback. Beide haben den Zenit ihrer Karriere überschritten - Joan hat seit drei Jahren keinen Film mehr gemacht, Bette tritt mittlerweile wieder im Theater auf -, wollen aber trotzdem nichts unversucht lassen, ein letztes Mal an vergangene Glanzzeiten anzuknüpfen. Trotz - oder gerade wegen - ihrer Fehde soll ihnen die dafür nötige Publicity garantiert sein.

Angestoßen wird das gemeinsame Projekt von Crawford persönlich. Nach dem Tod ihres Ehemanns, des steinreichen Pepsi-Chefs Alfred Steele (Jon Morgan Woodward), und dem Monroe-Auftritt bei den Globes ist ihr Ehrgeiz neu entfacht. Leider findet ihr Agent Marty (Ken Lerner) nicht das Projekt, das sie sich von ihm erwünscht. Der im heutigen Hollywood grassierende Sexismus war damals schon weitverbreitet: Rollen für Schauspielerinnen jenseits der 40 waren und sind eine Rarität. Also macht sich Joan selbst auf die Suche.
These are lean times
Es ist jedoch nicht nur der berufliche Ehrgeiz, der sie antreibt. Das Geld wird langsam knapp - so sehr, dass sie sich mit Hilfe ihrer Haushälterin Mamasita (Jackie Hoffman) selbst um die Gartenpflege kümmern muss. Eine Buchvorlage ist immerhin schnell gefunden. Der Roman „What Ever Happened to Baby Jane?“ von Henry Farrell soll es sein, der von zwei Schwestern handelt, beides ehemals berühmte Schauspielerinnen, die zusammen in der Abgeschiedenheit leben und dort ein Psychodrama miteinander ausfechten. Im Regiestuhl soll Robert Aldritch (Alfred Molina) sitzen, dem es ähnlich geht wie seinen beiden Darstellerinnen - wirklich gute Angebote sind Mangelware.
Also kämpft er mit ähnlichem Furor wie seine Stars für das Projekt, was zu solch amüsanten - und mit erstaunlichen Kraftausdrücken beladenen - Szenen wie der mit dem legendären Studioboss Jack Warner (Stanley Tucci) führt, in der der seinen Hass auf Bette Davis in deutliche Worte gießt, weil die einst das Studiosystem mit einer Klage eigenhändig zu Fall gebracht hatte. Am Ende kommt es aber trotz aller Streitigkeiten und unüberwindbar erscheinenden Hürden zur Aufnahme der Dreharbeiten, die zu dem Film führen sollten, der heutzutage als Klassiker angesehen wird.
Feud ist eine Serie für Hollywood-Enthusiasten und alle, die interessiert sind an der Geschichte dieses polarisierenden Ortes. Ryan Murphy nimmt sich dabei angenehm zurück, was einige seiner inszenatorischen und dramaturgischen Vorlieben angeht, die manchmal zur Überfrachtung des Materials führen. Hier lässt er seine hochbegabten Schauspielerinnen und die Großzahl an Könnern in Haupt- und Nebenrollen glänzen. Ausstattung, Kostüm, Musik, ja sogar der Vorspann bewegen sich auf solch hohem Niveau, dass ein Satz von Bob Aldritch gegenüber Jack Warner auch heute noch zutrifft: „Television is kicking your ass.“
Seien wir froh, dass wir in einer solch üppigen Zeit leben. Es gibt ja sonst genug zu betrauern.
Trailer zu Episode 1x02: 'The Other Woman'