Fett und Fett 1x01

© zenenbild von Fett und Fett: Jaksch (Jakob Schreier) badet mit Hanna (Isabella Wolf)... (c) ZDF
Dass deutsche Regisseur/-innen und Autor/-innen entgegen dem Klischee nicht nur Krimis, sondern auch Komödien können, bewiesen Serien wie Stromberg, Pastewka, Eichwald, MdB und Jerks. Dennoch merkt man dem Humor hierzulande oftmals eine gewisse Bemühtheit an, die in Übersee durch den Siegeszug des Genres Dramedy immer seltener zu werden scheint. Mit der Münchner ZDF-Comedy Fett und Fett startet heute Nacht um 0.15 Uhr ein neues Format, das in eine sehr ähnliche Richtung geht.
Der äußerst späte Sendeplatz lässt erahnen, dass die alte Dame ZDF selbst ein wenig Angst vor ihrem untypischen Werk hat. Zum Glück wurden aber alle Episoden vor einer Woche bereits in die Mediathek hochgeladen, in der sie voraussichtlich ein halbes Jahr lang zur Verfügung stehen werden. Insgesamt gibt es elf Ausgaben von Fett und Fett, wobei die ersten fünf noch selbstständig von den zwei Serienschöpfern Jakob Schreier und Chiara Grabmayr produziert wurden. Erst durch die guten Kritiken beim Filmfest München wurde der öffentlich-rechtliche Fernsehsender auf das Projekt der beiden Filmstudenten aufmerksam und orderte sechs weitere Folgen.
Ziellos durch München
Schreier, der hin und wieder ein paar Gags für die „heute-show“ schreibt, spielt zugleich die Hauptfigur Jaksch, bei dem es sich um einen Millennial aus München handelt. An der Schwelle zum 30. Lebensjahr steht der liebenswürdige Lockenkopf ohne Freundin, ohne Job und folglich ohne erkennbaren Lebenssinn da. Seine vielen freien Stunden vertreibt sich der Theaterwissenschaftler und gelernte Regieassistent mit Drogen, Partys und allerhand Alltagssorgen. Als er an seiner innerlichen Leere zu zerbrechen droht, macht er eine Therapie.
„Man kommt in ein Alter, wo man merkt, dass einem nur noch wenige Dinge im Leben Spaß machen: essen, trinken, Sex und Geld. Aber Sex und Geld sind schwierig, also endet man fett und besoffen.“ Mit diesen selbsterklärenden Worten versucht Jaksch, seinen Kummer in Komik umzuwandeln. Seiner Psychotherapeutin bleibt jedoch das Lachen im Halse stecken, und das nicht etwa, weil sie Mitleid mit ihrem Klienten hat, sondern, weil sie genervt von ihm ist. Männer wie ihn, sprich weinerliche Loser, die keine echten psychischen Probleme hätten, müsse sie jeden Tag ertragen. Und darauf habe sie einfach keinen Bock mehr.

Szenen wie diese begründen die teils kühnen Vergleiche einiger Kritiker/-innen mit dem amerikanischen Serienmeisterwerk Louie von Louis C. K., das aufgrund der persönlichen Skandale des Komikers inzwischen abgesetzt wurde. Und tatsächlich hat man das Gefühl, dass Schreier und die Regisseurin Grabmayr selbst ebenfalls Fans des avantgardistischen FX-Formats waren. Oder möglicherweise auch von Dramedys wie Girls und Master of None. Dennoch kommt ihre Hommage natürlich niemals an das Original heran, zumal bei Fett und Fett zu wenige eigene Akzente gesetzt werden.
Und trotzdem ist die Serie auf alle Fälle einen Blick wert. Sie so früh schon mit den ganz Großen zu vergleichen, ist vermutlich eh ein wenig unfair. Obwohl Fett und Fett tatsächlich ein paar Momente bietet, die durchaus Eindruck hinterlassen. Nennenswert ist etwa das musikalische Ende der Episode Spürst du's, in der Jaksch und seine neue Freundin Hanna (Isabella Wolf), die perspektivisch genauso verloren ist wie er selbst, nach einer berauschenden Partynacht melancholisch einschlafen. „Auf MDMA im Technoclub weinen“, heißt es in dem Lied - und auch, wenn das Ganze wahrscheinlich furchtbar edgy klingt, ist man doch irgendwie gerührt...
Besonders hoch anerkennen muss man der Serie, dass sie nichts größer macht als es eigentlich ist, sondern eher im Gegenteil. Dies dürfte vermutlich auch der Grund sein, warum Fett und Fett beim großen Publikum niemals auf Aufmerksamkeit stoßen wird. Wer aber einen Sinn für Schönheit im Alltäglichen hat, in kleinen Begegnungen mit Fremden und für Geschichten, die kein klares Ziel verfolgen, sondern einfach so vor sich hin plätschern, wird vermutlich große Freude haben. Außerdem ist die Inszenierung erstaunlich atmosphärisch, so dass man gut und gerne für ein paar Stunden mit Jaksch durch die Stadt zieht. Selbst, wenn man kein großer München-Fan ist...
Fazit
Alles in allem fällt es äußerst schwer, eine euphorische Empfehlung für Fett und Fett auszusprechen, da die Serie einfach selbst so wenig euphorisch ist und ihre Zuschauer/-innen wahrscheinlich eher herunterzieht als aufheitert. Dennoch ist sie außergewöhnlich genug, dass es sehr, sehr schade wäre, wenn sie ohne jede Erwähnung im Nachtprogramm des ZDF verschwinden würde. Fans der genannten US-Dramedys Louie, Girls oder Master of None sollten der Sache unbedingt eine Chance geben. Obwohl die eigenen Maßstäbe auch sicher nicht zu hoch geschraubt werden dürfen.
Verfasser: Bjarne Bock am Montag, 14. Oktober 2019(Fett und Fett 1x01)
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?