Fear the Walking Dead 3x04

Fear the Walking Dead 3x04

Die Fear The Walking Dead-Episode 100 legt den Fokus darauf, was einer Figur in ihrer Abwesenheit geschehen ist und lässt uns bis zuletzt daran zweifeln, ob sie ihre alten Wege hinter sich gelassen hat oder nicht.

Szenenfoto aus der „Fear the Walking Dead“-Episode „100“ / (c) AMC
Szenenfoto aus der „Fear the Walking Dead“-Episode „100“ / (c) AMC
© zenenfoto aus der „Fear the Walking Dead“-Episode „100“ / (c) AMC

Die Fear the Walking Dead-Episode 100 ist aus mehrerlei Gründen herausragend. Wir sind es als Zuschauer gewohnt, ab und an Untertitel zu lesen, da die Serie rund um die mexikanisch-amerikanische Grenze spielt. Diesmal muss man aber rund 90 Prozent der Zeit Untertitel lesen, es sei denn man spricht Spanisch. Denn wir erfahren - wenn auch nicht ganz lückenlos -, wie Daniel Salazar (Ruben Blades) das Feuerinferno überleben konnte und wie es ihm seither gegangen ist. Bis auf Strand (Colman Domingo) und Dante (Jason Manuel Olazabal) sehen wir keines der bekannten übrigen Gesichter, was aber nicht schlecht sein muss.

Und nein: Es gibt weiterhin kein Lebenszeichen von Ofelia (Mercedes Mason). Das hat sich inzwischen zum eigenen Meme bei Talking Dead und auf Instagram entwickelt, wo die Schauspielerin selbst darüber Witze macht.

Die Suche nach Wasser

Daniel humpelt nach seinen Erlebnissen beim Anwesen von Celia - in dem er, gelinde gesagt, Brandstiftung betrieben hat - durch die Gegend und ist verzweifelt auf der Suche nach Wasser und am Ende seiner Kräfte angekommen. Das sieht man nicht nur an seinem ungepflegten Äußeren, sondern auch an der Tatsache, dass er sich eines einzelnen Teenageruntoten nicht erwehren kann, dabei auf die Hilfe eines bellenden Hundes angewiesen ist und sich im Endeffekt erschöpft unter einem Auto versteckt.

Dort wird er von einem gewissen Efrain (Jesse Borrego) gefunden, der sich gibt wie eine Mischung aus Landstreicher, Hipster und Geistlicher und mithilfe Hammers und Nagels den Untoten Einhalt gebietet und die Straße von ihnen säubert. Auch Daniel hält er für einen davon, bis der verbal zu erkennen gibt, dass er nur ein extrem durstiger Mensch ist.

Szenenfoto aus der „Fear the Walking Dead“-Episode „100“
Szenenfoto aus der „Fear the Walking Dead“-Episode „100“ - © AMC

Efrain kann ihm seinen Wunsch erfüllen, da er dann zum wundersamen Wasserspender laufen kann. Denn jeden Dienstag um 17 Uhr spendet ein Brunnen etwas aqua, das Efrain mit einem Kanister, einem Rad und einer Durchsage unter die Leute bringt. Daniels Durst ist zwar gestillt, aber sein Bein braucht immer noch dringend Hilfe und die soll ihm Lola (Lisandra Tena) spenden, was allerdings absolut nicht schmerzfrei ist.

Good News and Bad News

So verbringt das Duo aus Daniel und Efrain ein wenig gemeinsame Zeit, während Daniel sich mit einem professionellen Haarschnitt bedankt. Efrain merkt dabei, dass Daniel nicht plant, auf ewig zu bleiben und erfährt von seiner Zeit als Folterer in El Salvador, wo er 96 Menschen getötet hat. Nun möchte er seine Tochter suchen, der er nie reinen Wein über seine düstere Vergangenheit eingeschenkt hat und sich unsicher ist, ob er nicht ihren Tod verschuldet hat, während er keine Erinnerung hat, wie er bei Celia überhaupt aus der Zelle mit den Untoten gekommen ist. Diese Erklärung bleiben uns die Autoren also weiter schuldig, was in gewisser Weise wie ein cop out wirkt und hoffentlich nie auf Travis angewandt wird.

Daniels großes Thema in der Folge scheint das Verlangen nach Vergebung zu sein, auch wenn das bedeutet, dass er seine alten Fähigkeiten wieder einsetzen muss - und zwar die volle Bandbreite.

Thunderbolt!

Nachdem er sich von Efrain eine Portion Vergebung geholt hat, schlägt sich Daniel auf eigene Faust durch und hat dabei nur seine Krücken, die er gegen einen sich ihm nähernden Beißer einsetzt. Als jedoch ein besonders robuster toter Zeitgenosse es auf ihn abgesehen hat, bleibt ihm nur, für ein Wunder zu beten. Und tatsächlich schlägt der Blitz in den Zombie ein. Diese Szene ist selbst für eine Serie wie Fear the Walking Dead wahrscheinlich zu viel des konstruierten Guten, auch wenn es eine witzige Idee ist, das Gehirn durch einen Blitzeinschlag zu rösten.

Denn irgendwie baut es auch die Brücke zur nächsten Szene, in der sich Daniel in einem Tunnel unter besagtem Untoten versteckt und so von der Crew des zuletzt eingeführten Gonzales-Staudamm gefunden wird. Denn Lola arbeitet zufälligerweise genau dort - und somit für Dante. Wie wir bald erfahren, wird der Staudamm durch Benzin betriebene Generatoren betrieben und ist somit voll funktionsfähig. Aber Dante hat ihn sich nach dem Fall Tijuanas unter die Nägel gerissen und betreibt ihn seither nach seinen strengen - und teils doch willkürlichen - Regeln. Daniel muss gar nicht lange warten, dann hat er auch schon durch Lola eine Position als Hausmeister inne, weshalb sie auch mit dem Sicherheitschef streitet.

Schon zur ersten Gelegenheit wird Daniel jedoch auffällig. Statt nämlich in der Anwesenheit des Bosses aufzustehen, bleibt er mit Absicht - und vielleicht auch wegen seiner Beinverletzung - sitzen und zieht so die Aufmerksamkeit des Sicherheitschefs auf sich, der deshalb in seinem Essen rumbohrt. Daher sticht Daniel wiederum seine Gabel durch dessen Hand...

What is your name?

Das allerdings geht auch nicht an Staudammboss Dante vorbei, der das Potential von Daniel erkennt und ihm prompt eine Sonderbehandlung in Aussicht stellt und sein Lippentattoo entdeckt. Daniel würde gerne einen Jeep haben, um nach Tochter Ofelia zu suchen, doch Dante hätte gerne, dass ihm jemand hilft, einen Dieb aufzuspüren.

Zusammen mit einigen anderen bewaffneten Gehilfen fährt Salazar also durch die Stadt und findet sich an einem Ort wieder, der ihm nicht fremd ist: Efrains geheime Wasserquelle nämlich. Tatsächlich ist wohl eine Woche vergangen, seit er zuletzt hier war, denn es ist kurz vor 17 Uhr. Somit würde das Geheimnis auffliegen, also beschließt Daniel, zu handeln und den Rest der Männer einzuweihen, was ihn in direkten Konflikt mit Lola bringt, die in die Wasserverteilung involviert ist und auch Bedürftigen das kühle Nass zukommen lassen will. Allerdings warnt er sie davor, was passieren könnte, wenn sie weitermacht.

Auch der Dialog zwischen Daniel, Strand und dessen großer Ofelia-Lüge wird wiederholt, doch, weil Daniel gesehen hat, dass Strand alles sagen würde, um seine eigene Haut zu retten, merkt er, dass er ihn anlügt und lässt ihn zunächst allein und in dem Glauben, dass er keine Chance auf eine Flucht hat.

Confess!

Szenenfoto aus der „Fear the Walking Dead“-Episode „100“
Szenenfoto aus der „Fear the Walking Dead“-Episode „100“ - © AMC

Dante hat derweil Efrain geschnappt und verhört ihn mit Gewalt. Der Profi soll übernehmen und gibt zu verstehen, dass es für Efrain eigentlich keine glimpfliche Lösung gibt, denn, wenn er spricht, bringt er sich und Lola in Gefahr und wenn er nicht spricht, dürfte er trotzdem sterben. Daniel setzt also zu Schlägen an, ehe er mit dem Hammer droht, was dazu führt, dass Lola dazwischengeht und geständig wird. Wie Daniel vorausgesehen hat, soll es Konsequenzen für ihre ganze Gruppe geben. Einer von ihnen wird tatsächlich vom Damm geworfen, um ein Exempel zu statuieren, was Daniel Zeit ermöglicht, um die Lage zu analysieren.

Szenenfoto aus der „Fear the Walking Dead“-Episode „100“
Szenenfoto aus der „Fear the Walking Dead“-Episode „100“ - © AMC

Als Nächstes greift Daniel sich Lola, doch er nutzt das Überraschungsmoment, um erst Dantes Männer und schließlich Dante selbst umzubringen und somit Efrain und Lola - und vielleicht auch Strand - die Staudammkontrolle zu überlassen. Denn er selbst scheint sich nur als reuevolles Werkzeug zu sehen, was diese Situation ermöglicht und dann um Vergebung bei Lola bittet.

Fazit

Szenenfoto aus der „Fear the Walking Dead“-Episode „100“
Szenenfoto aus der „Fear the Walking Dead“-Episode „100“ - © AMC

Wer sich fragt, was es mit dem Episodennamen 100 auf sich hat, dürfte erst am Ende der Folge schlauer sein. Denn zu den 96 Menschen, die er gegenüber Efrain eingesteht, getötet zu haben, kommen auf dem Staudamm noch einmal vier hinzu.

Die Daniel-Einzelepisode erinnert ein wenig an die Exkurse zu Morgan (Lennie James) in The Walking Dead und stellt eine sehenswerte und durchaus spannende Bottle Episode dar. Sie ist zwar vielleicht nicht immer ganz nachvollziehbar (der unglaubliche Zufall rund um den Blitzzombie...), aber sie lässt hinterfragen, ob Daniel von seiner Folterervergangenheit übermannt wird oder doch zu den Personen steht, die sein Leben gerettet haben. Etwas, das nun schon zum zweiten oder dritten Mal passiert ist - und das alles trotz seiner Vergangenheit und seiner Selbstbeschreibung als schlechter Mensch.

Inzwischen sind vier Folgen ins Land gezogen und man muss sich fragen, ob die Autoren erneut beabsichtigten, zwei Serien innerhalb einer Serie zu erzählen. Denn die Clarkes auf der Ranch haben momentan keinerlei Berührungspunkte mit Daniel, Strand und Ofelia (?).

Die Idee des Staudamms und der Verantwortung und Organisation der neuen „Währung“ Wasser könnte dabei einiges an Potential besitzen. Denn bleibt man bei der harten Linie von Dante, macht man sich schnell Feinde und Neider. Öffnet man die Quelle hingegen für alle, könnte sie eventuell schneller versiegen, als einem lieb ist. Wir werden sehen, was unter neuer Führung damit passiert...

Trailer zur nächsten Episode, Burning in Water, Drowning in Flame (3x05), der US-Serie Fear the Walking Dead:

Verfasser: Adam Arndt am Montag, 19. Juni 2017
Episode
Staffel 3, Episode 4
(Fear the Walking Dead 3x04)
Titel der Episode im Original
100
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 18. Juni 2017 (AMC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 19. Juni 2017
Autor
Alan Page
Regisseur
Alex Garcia Lopez

Schauspieler in der Episode Fear the Walking Dead 3x04

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?