Fam 1x01

© er Cast aus „Fam“ (c) CBS
Komplizierte Familienverhältnisse sind in Sitcoms gängiger Stoff und auf der Kreativitätsskala, was die Themenwahl der Schreiber betrifft, eher im Durchschnitt anzusiedeln. Genauso kann man die neue CBS-Comedy Fam auch bezeichnen: durchschnittlich. Und genauso wie bei den vorangegangenen Premieren von The Neighborhood und Happy Together bleibt der großartige Cast aufgrund eher mangelhafter Dialoge, weniger guter Pointen und aufgewärmter Geschichten hinter seinen eigentlichen Möglichkeiten zurück.
Schöpferin Corinne Kingsbury paart Nina Dobrev und Tone Bell in den Hauptrollen. Die beiden spielen das frisch verlobte, hübsch anzusehende Paar Clem und Nick. Sie haben ein inniges Verhältnis zu Nicks Eltern Walt und Rose, verkörpert von den Schauspielern Sheryl Lee Ralph und Brian Stokes Mitchell, die zumindest in der ersten Episode unglücklicherweise zu kurz kommen. Clem hat ihrer neuen Familie erzählt, ihr Vater sei verstorben, denn sie schämt sich für den spielsüchtigen Kriminalbeamten, der kaum einen Funken elterliche Fürsorge verspürt.
Dieses gut gehütete Geheimnis droht aufzufliegen, als sich Clems 16-jährige Halbschwester Shannon (Odessa Adlon) unerlaubt Zutritt zur Wohnung des jungen Glücks verschafft. Sie ist ein problematischer Teenager, die klaut, Drogen nimmt und eigentlich nur auf ihren Freund wartet, der sie abholen will, nachdem er Marihuana verkauft hat, um die Miete seines Apartments zu bezahlen. Natürlich wird Shannon von ihm sitzen gelassen und Clem steckt in einer schwierigen Situation. Auf der einen Seite möchte sie die Zeit mit Nick allein genießen, auf der anderen Seite plagt sie das schwesterliche Gewissen, welches Shannon nicht bei deren Vater wohnen lassen will. Also beschließt das Pärchen, Clems jüngere Halbschwester bei sich aufzunehmen, um ihr ein geborgenes Zuhause zu geben. Man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass das mit einigen Hürden verbunden sein wird...
Außerdem hat der eine oder andere bestimmt ein „Moment, das kommt mir irgendwie bekannt vor" im Kopf, ähnelt dieser Erzählstrang doch sehr The WBs What I Like About You. Vermutlich glaubt CBS, seinem Kernpublikum ist das egal... Und vielleicht ist das auch so. Überhaupt wirkt „Fam“ wie ein Puzzle aus vergangenen Comedys, die es ihrerseits allerdings auch nicht zu großen Hits geschafft haben. Auch wenn die Macher ab und an versuchen, ernste, gefühlvolle Elemente, verständlicherweise meist getragen von Dobrev, mit humorvollen zu kombinieren, gelingt ihnen damit kein packendes Gesamtwerk.
Apropos Dobrev. Sie soll mit Sicherheit das Zugpferd der Serie sein, auch wenn man ihr nach The Vampire Diaries und „Flatliners“ nicht unbedingt ein Komiktalent zutraut. Dieses blitzt auch tatsächlich nur bedingt auf. Dies liegt zum einem an für sie geschriebenen Passagen, die, wie bereits erwähnt, oftmals nachdenkliche Nuancen haben. Und zum anderen werden sowohl Bell als auch Dobrev von Odessa Adlon in den Schatten gestellt, der das Comedy-Gen scheinbar via Muttermilch (Pamela Adlon) weitergegeben wurde. Auch, wenn selbst sie die leider zu häufig schlecht geschriebenen Konversationen nicht aufwerten kann...
Dass CBS nicht ganz blind gegenüber den vorhandenen Qualitäten innerhalb ihres Personals ist, beweist, dass sie Broadway-Star Brian Stokes Mitchell gleich innerhalb der ersten zehn Minuten singen lassen. Irgendwie liegt das eben auf der Hand, ist er doch seit den 90er Jahren einer der führenden männlichen Figuren auf New Yorks berühmten Brettern, die die Welt bedeuten. Schade, dass er in „Fam“ sonst eher aus dem Abseits sinnlose Kommentare einstreuen darf. Seine Funktion mutet zumindest in der Pilotfolge ein wenig nach „Perlen vor die Säue werfen“ an. Nicht minder ungenutzt bleibt die Bildschirmpräsenz und das Können von Sheryl Lee Ralph. Ihre Figur vereint einfach zu viele Klischees in sich. Sie ist eine Mischung aus überfürsorglicher Mutter, die sich nicht nur um ihren Sohn, sondern selbstverständlich auch um ihre Schwiegertochter in gesteigertem Maße kümmert, und schrulliger Alter, die zwischendurch hippe Abkürzungen von sich gibt. Das ist für sie auf jeden Fall zu platt.
CBS schafft es wie bei „Fam“s Vorgängern auch bei dieser Show nicht, das fantastische schauspielerische Potential seines Casts auszuschöpfen. Natürlich gilt das zunächst nur für die Pilotepisode, aber man darf aus Erfahrung einer Verbesserung durchaus skeptisch gegenüberstehen. Bewerte ich die Qualität des Drehbuchs und der Figuren einzig und allein der Pilotepisode, ohne voreingenommen das eigentliche Potential der Schauspieler einzubeziehen, vergebe ich lediglich magere 1,5 Sterne. Dafür fehlt es mir zu sehr an Kreativität, eloquenten und witzigen Konversationen sowie besonderen Momenten, die meiner Meinung nach nötig sind, um ein Publikum an eine Serie zu binden.
Verfasser: Gine Kreuzer am Montag, 14. Januar 2019Fam 1x01 Trailer
(Fam 1x01)
Schauspieler in der Episode Fam 1x01
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