Faking It 1x01

Faking It 1x01

MTV hat wieder einmal eine neue Teenieserie auf den Markt geschleudert, doch ob Faking It tatsächlich ein Erfolg wird, darf stark angezweifelt werden. Die Pilotfolge ist sehr durchwachsen und gibt schon jetzt einen Eindruck, wie vorhersehbar und dröge die neue Comedy wohl werden wird.

Geben sich als lesbisches Pärchen aus, um beliebter zu werden: Amy (Rita Volk) und Karma (Katie Stevens) in „Faking It“. / (c) MTV
Geben sich als lesbisches Pärchen aus, um beliebter zu werden: Amy (Rita Volk) und Karma (Katie Stevens) in „Faking It“. / (c) MTV

Es ist nie wirklich leicht, komplett unvoreingenommen an eine Serie und ein bestimmtes Thema ranzugehen. Manche Formate sind schlicht und einfach für eine gewisse Zielgruppe konzipiert, zu der sich der jeweilige Rezensent oftmals vielleicht weniger zählen würde. Trotzdem versuchen wir bei SERIENJUNKIES.DE®, so wertfrei wie möglich neue Serien unter die Lupe zu nehmen. Dies gelingt uns mal besser, aber ab und an vielleicht auch mal etwas schlechter.

Im konkreten Fall von Faking It findet sich nun SERIENJUNKIES.DE®-Redakteur Felix in ebenjener Lage wieder, die oben kurz skizziert wurde. Die neue MTV-Comedy über zwei beste Freundinnen, die sich an ihrer Schule als lesbisches Pärchen ausgeben, um beliebter zu werden, spricht nun mal eine Zuschauerschaft an, zu der ich mich weniger zählen würde. Trotzdem will man der Pilotfolge der Comedy eine faire Chance geben.

Die Frustration ist dann dennoch recht groß, denn die Auftaktfolge von Faking It bietet nicht nur eine sehr einfache Prämisse an, sie ist darüber hinaus auch unglaublich platt. Außerdem geht sie in gewisser Weise äußerst respektlos mit dem in den USA sensiblen Thema Homosexualität um. Die Serienmacher versuchen zwar gerade am Ende noch einmal, die Kurve zu kriegen und uns mit dem Zaunpfahl zuzuwinken, dass eine liberale und moderne Geschichte in dem 20-minütigen Format steckt. Doch der generelle Eindruck bleibt: „Faking It“ macht in seiner Pilotepisode eine unglückliche Figur und ruft einiges Kopfschütteln hervor. Da helfen auch ein paar gut getimte Gags nicht.

Homecoming Queens

Wie bereits geschrieben, dreht sich in Faking It alles um die beiden besten Freundinnen Amy (Rita Volk) und Karma (Katie Stevens), die an ihrer Highschool von niemandem wirklich wahrgenommen werden. Karma denkt sich immer wieder neue Sachen aus, wie sie diesen Umstand ändern könnte, doch so richtig mag es ihr nicht gelingen. Ein mehr oder minder glücklicher Zufall ist es dann, der die beiden in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit rückt. Der sehr innigen Freundschaft von Amy und Karma geschuldet, entsteht der Eindruck, dass die beiden ein lesbisches Liebespärchen sind. Schnell weiß die ganze Schule darüber Bescheid und die Freundinnen scheinen schlagartig die beliebtesten Mädchen an der hochliberalen Highschool zu sein, obwohl sie in Wirklichkeit überhaupt nicht homosexuell sind.

Natürlich bringt dieses neue Arrangement auch einige Schwierigkeiten mit sich. Wo Karma ihre Vorteile aus der pikanten Situation und angeblichen Liebesbeziehung ziehen will, ist Amy da schon etwas skeptischer und weniger bereit, sich auf den Ärger einzulassen, der aus dieser Lüge resultieren könnte. So kracht es zwischen ihnen auch gewaltig, doch letztendlich raufen sie sich zusammen und Amy verspricht Karma, die Fassade weiter aufrechtzuerhalten, nur um dann selbst festzustellen, dass Karma für sie vielleicht doch mehr als nur eine sehr gute Freundin ist...

Keep those nipples to yourself

Alleine bei der Prämisse mag so mancher schon angestrengt mit den Augen rollen, denn wirklich überzeugend hört sich diese nicht an. Viel mehr bekommt man das Gefühl, dass man dieses Thema in einen 90-minütigen Spielfilm in Form einer x-beliebigen Teeniekomödie packen könnte. Inwiefern die Serienmacher aus diesem Material ein serielles Format machen wollen, ist durchaus fraglich. Mit dem richtigen Zugang zur Thematik würden sich eventuell einige Möglichkeiten und Lösungen anbieten, eine Geschichte über mehrere Episoden zu gestalten. Doch leider gibt der Verlauf der Pilotepisode zu erkennen, dass der Fokus weit mehr auf bekannte Teenieklischees als auf dem relevanten Thema der Homosexualität liegt.

Wirklich originell kommt die erste Episode von Faking It nämlich nicht daher. Schnell ist man von den diversen Merkmalen und Elementen aus ähnlichen Genreprodukten genervt. Zumindest ist dies der Fall, wenn man dieser Art von Serie nicht besonders viel abgewinnen kann. Erfrischend wirken da schon ein paar gute Gags und explizite Witzchen, doch stets bleibt das Gefühl, hier eines der vielen blutleeren Formate zu sehen, die sich in kaum einer Weise von ihrer Konkurrenz abheben können.

Please clap

Besonders problematisch ist dann das allgemeine Konzept hinter der Comedy selbst. Dieses ist nicht nur recht platt und vorhersehbar, es suggeriert darüber hinaus auch eine recht seltsame Erwartungshaltung gegenüber der Serie. Im Endeffekt haben wir hier zwei junge Mädchen, die als soziale Außenseiter gelten. Um dies zu ändern, verändern sie sich selbst, denn es gibt keine andere Möglichkeit, um aufzufallen. Aber halt, diese Einstellung ist falsch. Hauptsache, du bleibst dir selbst treu, alles andere ist egal. Früher oder später wird Faking It eben genau auf diese einfache Moral abzielen, an der an und für sich nicht viel auszusetzen ist. Jedoch wird sie uns derartig plump ins Gesicht geschleudert, dass es schon fast beleidigend ob des Zuschauers Fähigkeit ist, dies selbst zu erkennen.

Zusätzlich sorgt die Debatte rund um das Thema Homosexualität für Stirnrunzeln. Zum einen versucht MTV, mit aller Macht zu zeigen, was für ein offener Sender man doch ist und dass Homosexualität absolut kein Tabuthema ist - vor allem in den USA. So aufdringlich uns dies in Faking It auch präsentiert wird, der generelle Gedanke dahinter ist löblich. Doch die Art und Weise, wie mit diesem Thema in der Comedy umgegangen wird, hinterlässt dann doch einen sehr faden Beigeschmack.

Auch wenn man am Ende seinen Kopf etwas aus der Schlinge ziehen kann, indem man andeutet, dass Amy noch ihre eigentliche Sexualität beziehungsweise Homosexualität entdecken wird - allein der Umstand, dass man so tun muss, als ob man lesbisch ist, um als etwas zu gelten, wirkt äußerst seltsam. Es steckt sicherlich Potential in diesem Thema, doch Faking It geht bereits in der Pilotfolge die emotionale Tiefe zu sehr verloren, als dass man von dem Format in Zukunft erwarten würde, sich respekt- und würdevoll mit dem Thema zu beschäftigen. So stehen vielmehr schnöde Charakterdynamiken unter pubertierenden Jugendlichen im Vordergrund, die wir in jeder dahergelaufenen Teenieschmonzette zur Genüge sehen können.

Fazit

Man möchte nicht abstreiten, dass sich ein paar leichte Lacher in der Auftaktfolge von Faking It finden lassen. Leider ist dies schon fast alles, was man der neuen MTV-Comedy abgewinnen kann. Mit der Prämisse wird eher schludrig umgegangen, das Setting kommt langweilig daher und die Botschaft, die das Format uns mitteilen will, ist ebenfalls etwas unausgegoren und zweifelhaft.

Einige Dinge mögen derartig lächerlich sein, dass der eine oder andere so doch noch auf seine Kosten kommen könnte. Vielleicht ist es tatsächlich noch möglich, dass Faking It sein rares Potential irgendwann einmal abrufen wird und tatsächlich Substanz vorweisen kann. Die Pilotepisode gibt jedoch sehr wenig Anlass dazu, überhaupt noch einmal in die Comedy reinzuschauen.

Verfasser: Felix Böhme am Mittwoch, 23. April 2014
Episode
Staffel 1, Episode 1
(Faking It 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Plötzlich Königin
Titel der Episode im Original
Pilot
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 22. April 2014 (MTV)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Sonntag, 7. September 2014
Regisseur
Jamie Travis

Schauspieler in der Episode Faking It 1x01

Darsteller
Rolle
Rita Volk
Amy
Katie Stevens
Gregg Sulkin
Michael J. Willett
Claudia Doumit
Ivy
Breezy Eslin
Courtney Kato

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