Faking Hitler: Review der Pilotepisode der RTL+-Serie

Faking Hitler: Review der Pilotepisode der RTL+-Serie

In der neuen RTL+-Serie begleiten wir die Akteure des Skandals um die gefälschten Hitler-Tagebücher, der in den 1980ern das Magazin Stern und die ganze Bundesrepublik erschütterte. Lohnt sich ein Ausflug in die Vergangenheit an der Seite von Moritz Bleibtreu?

Lars Eidinger (l.) und Moritz Bleibtreu (r.) in der Serie Faking Hitler (c) TVNOW/Wolfgang Ennenbach
Lars Eidinger (l.) und Moritz Bleibtreu (r.) in der Serie Faking Hitler (c) TVNOW/Wolfgang Ennenbach
© ars Eidinger (l.) und Moritz Bleibtreu (r.) in der Serie Faking Hitler (c) TVNOW/Wolfgang Ennenbach

Mit Faking Hitler nimmt RTL+ sich eines Themas an, das in der Popkultur bereits tiefe Spuren hinterlassen hat. 1992 gab es den gefeierten Kinofilm „Schtonk“ von Helmut Dietl, vor einigen Jahren feierten Isa von Heyl, Malte Herwig und Nilz Bokelberg mit einem Podcast zum Thema Erfolge. Wie kann der deutsche Streamingdienst nun mit der neuen Serie mit Moritz Bleibtreu als Fälscher Kujau (Bleibtreu) punkten?

Wovon handelt die Serie Faking Hitler?

Die ersten Szenen nehmen das ohnehin längst bekannte Ende voraus, den Moment, in dem die Wahrheit an die Öffentlichkeit kommt. Zu den Tönen von „The Sound of Silence“ rast Reporter Heidemann (Lars Eidinger) auf einen Brückenpfeiler zu, während Konrad Kujau sich mit seiner Frau und seiner Freundin im Auto darüber echauffiert, dass der Radiosprecher die Fälschungen plump nennt.

Schnell tritt die Geschichte einen Schritt zurück und begleitet Gerd Heidemann zu einem besseren Punkt in seinem Leben. Er ist auf dem Weg, die beiden entführten Kinder seines Freundes per Lösegeld zu befreien und ruft auf dem Weg noch schnell seinen Chefredakteur an, um ihm zu verkünden, dass er die Kriminalgeschichte mal wieder an vorderster Front begleitet und daraus ein Exklusivinterview schlagen werde.

Unterdessen treibt Kujau in seiner Badewanne und träumt vom Nichtstun. Doch seine Partnerin hat andere Pläne: Geld soll reinkommen. Also muss Kujau an die Staffelei, in der er Hitlers Nichte nackt malt und mit der Signatur des Diktators unterschreibt. Das Bild will er einem Devotionalensammler andrehen.

Die dritte Hauptperson im Bunde ist die einzige fiktive. Wir treffen Elisabeth (Sinje Irslinger) an einer Straße, auf welcher sie nach Hause läuft und dabei von Thomas mitgenommen wird. Sie ist Reporterin beim Stern, wie auch Heidemann - sie ist jung, idealistisch, aber auch bereits durch die Realität im Büro aufgeklärt. Die anderen, meist älteren und männlichen Journalisten nehmen sie nicht ernst, doch Elisabeth versucht, sich davon nicht entmutigen zu lassen. Sie wechselt erfolgreich das Ressort und darf an einer Story über bekannte, ehemalige SS-Mitglieder mitarbeiten. In der Pilotepisode begleiten wir sie dabei in eine zarte Romanze mit Thomas und in einen großen Schock, als sie in den Listen der Altnazis einen mehr als bekannten Namen aus ihrem persönlichen Umfeld findet...

Kujau trifft seinen potentiellen Kunden und dessen fachlichen Ratgeber, die ihm beim Verkauf des Bildes auf die Schliche kommen. Doch der clevere Fälscher braucht nur zehn Minuten ungestört, einen Füller und ein Feuerzeug, um sich und den Verkauf zu retten. Dabei behält er sich, dass die Hitler-Experten die von ihm gefälschte Handschrift feiern und entschließt sich zu Hause dazu, es auf einen Versuch ankommen zu lassen. Er will ein Hitler-Tagebuch fälschen und seinem Kunden samt Experten vorlegen.

Heidemann rettet derweil die Kinder, wird jedoch um das Interview betrogen, denn die Konkurrenz bietet mehr. Seinen Frust lässt er am Abend auf der Feier zu einem eigenen Stern-Jubiläum raus. Dort wird er von der Bühne aus gelobt, unter vier Augen wird ihm jedoch deutlich gemacht, dass die nächste große Story nun mal kommen müsste. Nebenbei erfahren wir, dass der Reporter selbst eine Faszination für die Nazis hegt, unter anderem die Tochter eines ranghohen Nationalsozialisten als Geliebte hat und sich das Boot eines anderen gekauft hat. Doch ebenjenes Boot will er nun wieder loswerden und versucht, es dem Devotionaliensammler zu verkaufen, der auch von Kujau bezieht. So kommt die Verbindung zustande, die uns durch den Rest der Serie begleiten wird...

Wie kommt es rüber?

Historische Themen aus der jüngeren Vergangenheit auf die kleine und große Mattscheibe zu bringen, ist schon längst zum großen Trend in der deutschen Fernseh-Produktionswelt geworden. In diesem Fall gibt es nicht nur das historische Vorbild, sondern auch den bereits genannten Film aus den 1990er Jahren.

Der Film, längst zum geliebten Kult aufgestiegen, tritt gegen eine Serie aus der RTL-Maschinerie an. Da kommen die Vorurteile ganz von alleine zum Vorschein... Doch die hat Faking Hitler nicht verdient. Denn vor wie hinter der Kamera wird hier gute bis großartige Arbeit geleistet. Schon die Eingangsszene, in der die Kamera auf Heidemann hält, der sich in Zeitlupe mit seinem Auto überschlägt, weiß zu fesseln. Spätestens, wenn dann Moritz Bleibtreu seinen jovial-urkomischen Kujau gibt, muss man aufhorchen und feststellen, dass hier das alte Klischee einer RTL-Produktion nicht mehr zutrifft.

Für Zuschauer des Streamingdienstes, der lange als TVNOW firmierte und nun als RTL+ relauncht wurde, ist das schon länger kein Geheimnis mehr. Auch Eigenproduktionen wie die Fridays-for-Future-Serie Mirella Schulze rettet die Welt und die Comedyserie Tilo Neumann und das Universum mit Christoph Maria Herbst sind von hoher Qualität und hätten mehr Aufmerksamkeit verdient gehabt.

Doch zurück zu den Hitler-Tagebüchern und ihrer Neuverfilmung auf der kleinen Mattscheibe. Denn dort trifft Wortwitz auf eine bis in die Nebenrollen glänzend aufgelegte Darstellertruppe. Es macht vor allem Spaß, zuzuschauen. Das Spiel mit den Parallelen treiben die Serienmacher fast bis zur Spitze, bleiben jedoch in einem Bereich, der unterhält, ohne unangenehm aufzufallen. Es gibt einfach wenig, was man der Serie vorwerfen könnte.

Dass die Macher die erfundene Geschichte der jungen Reporterin in den Mix werfen, fühlt sich in den ersten Episoden wie ein Fremdkörper an, aber es trägt zum Zeitkolorit bei und stört nun auch nicht wesentlich. In sich ist es eine kleine, bezaubernde Story, die schon ein bisschen Fahrt aufnimmt, bevor sie richtig eng an die anderen beiden anknüpft.

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