Fairly Legal 1x01

Fairly Legal 1x01

Fairly Legal ist mehr Ally McBeal als Good Wife, aber das ist auch gut so. In der neuen USA-Serie überzeugt die reizende Sarah Shahi als leicht zerstreute Schlichterin, die auf der Suche nach der Wahrheit durch San Francisco hetzt.

Bezaubernd: Sarah Shahi in „Fairly Legal“ / (c) USA Network
Bezaubernd: Sarah Shahi in „Fairly Legal“ / (c) USA Network

Da kann Kate Reed (Sarah Shahi) nur mit dem Kopf schütteln: Gerade hat sie dem Kassierer möglicherweise das Leben gerettet, weil sie einen bewaffneten Kleinkriminellen beschwichtige, als dieser den Laden überfiel - und zum Dank bekommt sie nicht mal ihren Kaffee umsonst. Auch der Zuschauer schüttelt kurz den Kopf, denn diese Szene kommt in der Pilotepisode von Fairly Legal zu einem zu bequemem Zeitpunkt daher. Doch sie tut, was sie tun soll: zeigen, dass die toughe Ex-Anwältin Kate das Schlichten der kompliziertesten Konfliktsituationen beherrscht, auch wenn sie sich vor Angst lieber ducken würde.

Die neue Serie des USA Network erzählt von der Mediatorin Kate, die nach dem Tod ihres Vaters zur Arbeit in seiner Kanzlei zurückkehrt. Eine Arbeit, die niemand in ihrem Umfeld recht ernst zu nehmen scheint, die aber - oder so will man uns Glauben machen - stets den größten Erfolg verspricht. In der Pilotepisode hat Kate zwei Fälle zu lösen: Ihre Stiefmutter Lauren (Virginia Williams), Partnerin in der Kanzlei, braucht sie, weil eine wichtige Firmenübernahme zu platzen droht. Und ein ihr nicht gerade wohl gesonnener Richter (Gerald McRaney) kredenzt ihr die absurde Zehn-Millionen-Dollar-Klage eines Mannes, dessen Heiratsantrag in die Hose ging und der von den seiner Meinung nach Schuldigen nun Schadensersatz für den teuren verlorenen Verlobungsring verlangt.

Während Kate am Ende der Schlichtung der missglückten Verlobung kurzerhand zu Amor wird und gleich einer spontanen Hochzeit beiwohnen kann, ist Fall zwei ein wenig komplizierter. Es geht um so viel mehr als nur die Animositäten eines scheidenden Firmenchefs, der sein Lebenswerk nicht in die uninspirierten Hände seines Sohnes geben will. Um den Familiensegen der wichtigen Klienten zu retten, müsste Kate einen unschuldigen jungen Mann auf Jahre ins Gefängnis schicken. Doch genau, um solche Ungerechtigkeiten nicht länger mit ansehen zu müssen, hat die frühere Anwältin den Weg der Schlichterin gewählt. Also greift Kate zu schmutzigen Tricks, um einen Kompromiss zu erreichen - Happy End garantiert.

Und mit der Lösung beider Fälle, so absurd sie auch zwischenzeitlich wirken mögen, präsentiert die Serie uns immerhin sehr genau Kates Einstellung zum Recht. Welche Umstände genau dazu geführt haben, dass sie den Anwaltsjob aufgab, erfahren wir nicht - dafür aber, dass es in ihren Augen das Recht gibt und diejenigen, die es zu genau auslegen, und die Wahrheit. Sie kämpft für Letzteres, auch wenn das wie im Fall der Familienfehde bedeutet, dass sie sich auf die gegnerische Seite stellt, wenn sie doch eigentlich in der Mitte stehen sollte.

Haben Chemie: Sarah Shahi und Michael Trucco in %26bdquo;Fairly Legal%26ldquo; © USA Network
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Zur anderen Kategorie gehört ihr Ex-Mann, der stellvertretende Bezirksstaatsanwalt Justin Patrick (Michael Trucco), der von Beginn der Episode um Kate herumschwirrt. Die Chemie mit Hauptdarstellerin Shahi stimmt und macht schnell nachvollziehbar, warum diese beiden nicht mit, aber auch nicht ohne einander können. Auch weitere Nebendarsteller, wie Virginia Williams (How I Met Your Mother), machen durchaus einen guten ersten Eindruck.

Fairly Legal“ ist anders als andere Anwaltsserien, nicht nur, weil sie sich nicht entscheiden kann, ob sie nun ein Drama sein will oder eine Sitcom. Die Serie fällt definitiv durch mehr witzige Momente auf als eine gewöhnliche Dramedy, allein schon die Fälle zeugen davon, dass hier kein großes Rechtsdrama zu erwarten ist. Ein Vergleich mit Ally McBeal liegt nah. Doch bis zur verqueren Genialität der 90er-Jahre-Serie ist es noch ein weiter Weg.

Dennoch: Sarah Shahi ist ein Lichtblick. Der Darstellerin (The L Word, Life) gelingt es, zahlreiche Facetten in ihrer Figur zu kombinieren, die in jedem Moment so wirkt, als sei sie genau so und nicht anders. Bis sie sich umdreht und ihre Ernsthaftigkeit einer charmanten Zerstreutheit weicht oder sie, wie in der finalen Szene der Pilotepisode, als sie mit der Urne ihres Vaters Wein trinkt, ihre an Labilität grenzende Verletztheit zeigt.

Ihre Art hat etwas Rechthaberisches und oftmals Kaltschnäuziges, für das man sie gelegentlich ohrfeigen möchte. Etwa wie sie mit ihrer Stiefmutter umgeht, die nicht dem Klischee der Wicked Witch zu entsprechen scheint, als die Kate sie sieht. „I hate you. It's simpler that way“, sagt sie ihr, doch es scheint bereits durch, dass hier noch nicht das letzte Wort gesprochen ist. Es gibt viel Familiengeschichte zu erkunden, die wohl der zweite rote Faden neben der Beziehung zwischen Kate und Justin sein wird.

Kate und die %26bdquo;Wicked Witch%26ldquo; Lauren (links) © USA Network
Kate und die %26bdquo;Wicked Witch%26ldquo; Lauren (links) © USA Network

Die Pilotepisode war ein solider Start und macht Lust auf mehr. Doch damit „Fairly Legal“ durch mehr hervorsticht als nur seine Hauptdarstellerin, müssen die Autoren erst noch ihre Stimme finden. Eine Gefahr, der sie dabei zwangsweise begegnen werden: Mediation verspricht nicht gerade die gepfefferten Auseinandersetzungen und Feinsinnigkeiten, die es in anderen Rechtsdramen im Gerichtssaal oder bei vielschichtigen Verhandlungen hinter den Kulissen gibt. Des Schlichters Objektivität und Bedürfnis nach Ausgeglichenheit zwischen den Parteien hat das Potential, furchtbar langweilig zu werden.

Um das Spannungsgefälle zu herausragenden Genreserien wie The Good Wife nicht zu groß werden zu lassen, werden auch in „Fairly Legal“ krumme Tricks eingeflochten, das zeigt der Auftakt bereits. Ich bin ja ach so ehrlich, beteuert Kate, während sie eine Akte aus dem Büro ihres Ex entwendet. Und um einem unschuldigen jungen Mann eine Gefängnisstrafe zu ersparen, greift sie zu unlauteren Mitteln wie Erpressung. Um nicht langweilig zu werden, muss dann eine so unmotivierte wie unnötige Handlung wie der Transvestiten-Plot herhalten.

Fairly Legal wird sicherlich keine Preise für besondere Originalität gewinnen, dafür ist der Verlauf der jeweiligen Fälle der Woche zu vorhersehbar. Bestätigt sich jedoch der Eindruck der Pilotepisode, erwartet uns angenehme Unterhaltung mit einer attraktiven Hauptdarstellerin, deren Charakter - ganz gemäß dem Senderclaim Characters Welcome - in seiner ungestümen Art meist sehr sympathisch ist. Die Prämisse der Serie ist leicht zu verstehen, und popkulturelles Namedropping von „Buffy“ bis zum „Zauberer von Oz“ sorgt für Auflockerung, wenn das Drama überhand zu nehmen droht (was aber wohl nicht passieren wird). „Fairly Legal“ ist kurzweilig - nicht bloß, weil die Hauptfigur ständig von A nach B und zurück nach A hetzt. In Highheels, versteht sich.

Verfasser: Carolin Neumann am Samstag, 22. Januar 2011
Episode
Staffel 1, Episode 1
(Fairly Legal 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Neuanfang
Titel der Episode im Original
Pilot
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 20. Januar 2011 (USA Network)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 11. September 2013
Autor
Michael Sardo
Regisseur
Bronwen Hughes

Schauspieler in der Episode Fairly Legal 1x01

Darsteller
Rolle
Michael Trucco
Virginia Williams
Baron Vaughn

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