Netflix-Kunden können nun endlich die neue Animationscomedy F Is for Family von Stand-up-Komiker Bill Burr sehen. In der ersten von sechs Episoden lernen wir im Jahre 1973 den mürrischen Frank Murphy und dessen Familie kennen.

Familie Murphy beim gemeinsamen Abendessen / (c) Netflix
Familie Murphy beim gemeinsamen Abendessen / (c) Netflix

Nach BoJack Horseman wirft der VoD-Anbieter Netflix mit F Is for Family seine zweite Animationsserie mit düsterem Humor auf den Markt. Das Projekt ist eine Koproduktion des Stand-up-Komikers Bill Burr (Breaking Bad) und des emmyprämierten The Simpsons-Autors Michael Price. Gemeinsam haben sie ein Format geschaffen, das mit einer derben Sprache und tabulosem Humor daherkommt. Für die erste Staffel wurden insgesamt sechs Episoden produziert, die in der Kombination eine serielle Geschichte erzählen.

Und diese spielt im amerikanischen Anytown inmitten der 70er Jahre. Im Zentrum steht der mürrische Familienvater Frank Murphy (Bill Burr), der mit seinem Leben alles in allem nicht besonders zufrieden ist. Eine vollständige Durchleuchtung seiner Persönlichkeit und den Gründen, warum er ist, wie er ist, liefert bereits das Intro der Serie, das wohl zu den besten des gesamten Jahres zählen dürfte. Man sieht darin, wie ein junger Frank nach seinem Collegeabschluss glücklich in den Himmel steigt ob all der Möglichkeiten, die vor ihm liegen und wegen der Freiheit, die er verspürt. Allmählich entwickelt sich sein Flug aber zu einem wahren Albtraum, getroffen von unerwarteten Schicksalschlägen wie einer ungewollten Vaterschaft, dem Verlust seiner Haare oder einem langweiligen Job. Am Ende erreicht er durch eine Bruchlandung seinen Status quo. Musikalisch begleitet wird die Sequenz durch den Redbone-Hit „Come and Get Your Love“.

„Daddy's home, time for dinner!“

Aufgrund all der Enttäuschungen, die der Patriarch und Korea-Veteran Frank über die Jahre hat einstecken müssen, ist er ständig frustriert und die kleinsten Kleinigkeiten wie das Klingeln des Telefons während des abendlichen Familiendinners bringen ihn bereits zur Weißglut. Sein Aggressionsproblem wird besonders in der Tatsache deutlich, dass er sich einen Boxsack in der Garage aufgehängt hat, an dem er regelmäßig Wut ablässt. Passend zu seinem Gemüt hängt im Wohnzimmer des Hauses das Gemälde eines Stierkämpfers, der das wilde Tier durch die Arena führt. Am meisten leiden aber seine Frau Susan (Laura Dern) und die drei gemeinsamen Kinder Kevin (Justin Long), Billy (Haley Reinhart) und Maureen (Debi Derryberry) unter den Launen Franks.

Frank (Bill Burr) sieht seine Lieblingsserie © Netflix
Frank (Bill Burr) sieht seine Lieblingsserie © Netflix

Es scheint nur eine Beschäftigung zu geben, die Frank wirklich glücklich stimmt: fernsehen. Seine Lieblingsserie ist passend zu der Zeit, in der F Is for Family spielt, ein Crimeformat der alten Schule, voll mit rassistischen Klischees und platten Sprüchen. Das Lebensmotto des Titelhelden Colt Luger hat Frank längst absorbiert: „sometimes, a man's got to do what a man does“. Ohnehin sieht er sich selbst noch als „so einen richtigen Kerl“.

Und da ist es natürlich auch wichtig, vor den Kumpels gut dazustehen. Voller Euphorie plant er deshalb „Franks famous fight party“, zu der er seine Freunde einlädt. Zusammen will er mit ihnen Bier trinken und den Boxkampf des Jahres ansehen. Seine Freunde wollen aber lieber zur Party seines verhassten Nachbars Vic gehen, da er als einer der ersten bereits Farbfernsehen hat. Ohnehin scheint es für ihn ganz gut zu laufen mit seinem guten Aussehen, seiner Villa und seinen sexy Freundinnen, was wohl auch der Grund für Franks Abneigung sein dürfte. Nun scheint nichts mehr für ihn wichtiger zu sein, als Vic zu übertrumpfen, indem er sich ein noch besseres TV-Gerät anschafft.

„Oh, I need this.“

Nach anfänglichem Entsetzen darüber, dass Frank einfach so das Collegegeld des ältesten Sohnes Kevin opfern will, immerhin sei er sowieso zu dumm fürs College, um sich seinen neuen Traum zu erfüllen, ist dann auch seine Frau Sue begeistert von der Idee. Und im Elektronikgeschäft geraten sie dabei in einen wahren Rausch im Anblick der modernen Technik. Sie kaufen gleich das teuerste TV-Gerät und fahren glücklich nach Hause, wo sie wunderbare Stunden vor dem Bildschirm verbringen. Doch dann passiert die Katastrophe: Der zweitgeborene Sohn Billy experimentiert mit einem Magneten und dem Fernsehbild, wobei er das Gerät versehentlich zerstört.

Sein älterer Bruder hilft ihm, seine Schuld zu vertuschen. Auch in einer anderen Szene wird deutlich, wie sehr sich Kevin um seine Geschwister kümmert, auch wenn er teilweise recht rabiat mit ihnen umgeht. Doch als Teenager macht er ohnehin gerade die typischen Stimmungsschwankungen und Hormonüberschüsse durch. Als sich Frank die beiden dann wegen des kaputten Fernsehers vorknöpft, kommt es zum Eklat. Kevin brüllt seinem Vater ein wütendes „I fucking hate you“ ins Gesicht, was diesem sichtlich zusetzt. Obwohl zuvor auch er seinem Sohn gegenüber den Nachbarn als „fucking animal“ bezeichnet hatte.

Frank macht seinen Söhnen das Leben schwer. © Netflix
Frank macht seinen Söhnen das Leben schwer. © Netflix

Am Ende wird aber, genau wie in einer normalen Familienkomödie, alles wieder gut, zumindest, was den Fernseher betrifft. Denn Billy nimmt sich das Lebensmotto des Vaters zu Herzen und regelt die Sache mit einer geschickten List selbst. Und Frank fühlt sich endlich mal nicht wie ein Loser und schreit dies auch sogleich in die Welt hinaus. Dazu darf er sich aufgrund eines Todesfalles bei seiner Arbeit in der Flughafengepäckabfertigung über eine Beförderung freuen. Was die verletzten Gefühle und die Spannungen innerhalb der Familie angeht, ist noch immer alles offen und wird sicherlich zum Grundthema der folgenden Episoden.

Fazit

F Is for Family verspricht in seiner Pilotepisode, einen unterhaltsamen und äußerst scharfzüngigen Blick auf die 1970er Jahre zu werfen, einer Zeit, in der am Ende des Tages im Fernsehen noch die Nationalhymne lief und somit den Sendeschluss einläutete. Die Hauptfigur Frank Murphy ist zwar noch kein Homer Simpson oder Peter Griffin - apropos, sah nicht der eine Kumpel von Frank total wie eine komisch deformierte Version von Peter aus? - aber verfügt doch über Charaktereigenschaften, die für lustige Situationen am laufenden Band sorgen könnten.

Besonders auffällig ist, dass die Serie mit größter Mühe klarmachen will, dass sie edgy ist. In dem halbstündigen Piloten wird gleich aus allen Rohren gefeuert. So gibt es die gesamte Palette der derben Komik: rassistische Witze, sexistische Witze, Hitler-Witze und Fäkalhumor. Hoffentlich guckt kein Kind aus Versehen in die Serie rein, weil es sich durch den Animationsstil angezogen fühlt. Koschöpfer und Drehbuchautor Michael Price verlässt mit F Is for Family also den sicheren Hafen der anständigen Familienunterhaltung, der er bei The Simpsons noch gefrönt hatte.

Am besten haben mir bei dieser neuen Netflix-Comedy die zeitgeschichtlichen Referenzen gefallen, die sich in erster Linie im TV-Programm innerhalb der Serie eingeschlichen haben. Besonders die politische Talkshow des fiktiven Showmasters Jim Jeffords hat es mir dabei angetan, in welcher er über heikle Themen spricht, die man damals noch nicht so ernst genommen hatte. So begrüßt er seine feministische Gesprächsrunde beispielsweise mit den Worten: „May I say, you all look super hot“. Und waren die 70er nicht wirklich so? Ich weiß es leider nicht, doch genau so stelle ich sie mir vor.

Einen Makel hat F Is for Family aber doch: Es wird wahrscheinlich niemals die Qualität des eigenen Intros erreichen. Damit haben sich Bill Burr und Michael Price womöglich echt ein Bein gestellt. Keine gute Tat bleibt eben ungestraft.

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