
Die New Yorkerin Lindy (Victoria Justice; Victorious, Zoey 101) hat das unschuldige Gesicht eines Engels, schwarze, enge Lederklamotten, supercoole Freunde und ein dunkles Geheimnis. So stellt man sich im Eye Candy-Writers' Room also eine Hackerin vor. Dass die Pilotepisode K3U vor Klischees nur so trieft, sollte also nicht überraschen. Am besten ist man noch beraten, wenn man die Episode, von der ein großer Teil in schwer angesagten und total geheimen Clubs spielt, als überlanges Musikvideo nimmt. Immerhin werden ja auch die Songtitel und Interpreten eingeblendet, ungeachtet der emotionalen Situation der Story. Einiges erklärt sich, wenn man bedenkt, dass die Serie auf der gleichnamigen Buchvorlage von R. L. Stines basiert, der sich vor allem durch Kinderbücher einen Namen gemacht hatte. Doch die bedrohliche Paranoia des Romans fehlt der Pilotepisode komplett.
Worum es geht
Zu Beginn der Pilotepisode K3U muss die Hauptfigur Lindy miterleben, wie ihre kleine Schwester vor einem Fastfoodrestaurant entführt wird. Wir treffen sie Jahre später wieder, mittlerweile lebt sie als Hackerin in New York und hält sich mit einem unauffälligen Bürojob über Wasser. Nebenbei setzt sie ihre Fähigkeiten ein, um Angehörige vermisster Menschen bei der Suche nach ihren Liebsten zu helfen, die von der Polizei enttäuscht sind.
Angesichts ihrer Niedlichkeit erscheint es den Eye Candy-Machern wohl notwendig, direkt zu Beginn mit drastischen Mitteln deutlich zu machen, wie megamäßig outlaw Lindy unterwegs ist - und legen ihr eine Fußfessel an. Die wird ihr in der Pilotepisode K3U von ihrem Exfreund Ben (Daniel Lissing; Last Resort, When Calls the Heart) entfernt, der nicht nur attraktiv, sondern auch ein Cop ist. Ach ja, er ist auch der, der sie in eine Falle gelockt hatte, um sie als Hackerin zu überführen. Das hindert die beiden nicht an ihrer Hassliebe, die schon in der ersten Hälfte der Episode in Richtung unwiderstehliche Anziehungskraft kippt.
Um von ihm loszukommen, lässt Lindy sich von ihrer besten Freundin Sophia (Kiersey Clemons, Transparent) zum Onlinedating überreden. Innerhalb einer Nacht trifft sie mehrere potentielle Kandidaten in dem Club, in dem Sophia arbeitet.
Nach dieser aufregenden Nacht stellt Lindy fest, dass einer der Typen, die sie getroffen hat, sich in ihren Computer gehackt hat und ihr bedrohliche Nachrichten schickt. Sie ruft ihre Freunde als Verstärkung, in erster Linie, weil sie ihnen ihren großartigen Plan vorstellen will, bei dem ganz sicher nichts schiefgehen kann: Sie will alle drei potentiellen Kandidaten wieder treffen, um den Täter zu überführen. Und sich dabei natürlich nicht an die Polizei wenden. „Warum nicht?“, fragt ihre Freundin zu Recht. Das wisse sie doch genau, bekommt sie als Antwort, als wenn Cyberverbrechen, wie Lindy sie begeht, gleichbedeutend mit mörderischen Stalkern sind.
Immerhin hat Sophia noch einen Funken Verstand übrig und verständigt Lindys Exfreund Ben, den Cop, und seinen weniger geneigten, aber ebenso attraktiven Kollegen Tommy (Casey Deidrick), um Lindy im Ernstfall beistehen zu können. Während der Dates manipuliert Lindy die drei Jungs dazu, ihr zu erlauben, eine Spieleapp auf ihre Handys herunterzuladen. In Wirklichkeit jedoch hackt sie die Handys und installiert eine Überwachungssoftware.
Dummerweise entgeht ihr, dass der letzte Typ sein Handy mit ihrem verwechselt, was sich als tödlicher Fehler herausstellt. Lindy bekommt ihr Telefon zurück - und zwar aus dem Mund der Leiche ihres Dates, inklusive einer Nachricht vom Stalker.
Bis eine polizeiliche Bewachung eingerichtet ist, muss Ben bei Lindy bleiben und geht mit ihr nach Hause. Die Eye Candy-Autoren versuchen erst gar nicht zu verstecken, dass es sich dabei um einen simplen Kniff handelt, damit die beiden im Bett, oder besser gesagt, auf der Dachterrasse in der Horizontalen landen.
Am nächsten Tag bekommt Lindy ein Video, das den Stalker in der Wohnung ihrer Freundin Sophia zeigt. Sie alarmiert Ben, der sich sofort auf den Weg macht, doch unterdessen hat Lindy bereits festgestellt, dass das Video eine Aufnahme war und Ben in eine Falle lockt. Als auch Lindy in Sophias Apartment ankommt, findet sie einen Videochat mit Ben vor, dem sie kurz noch ein herzerfülltes Liebesgeständnis mit auf den Weg geben kann, bevor sie ihn ermordet auf dem Dach findet.
Was am Ende bleibt, ist eine Ahnung davon, dass sich aus Lindy, ihren Freunden und Bens Kollegen ein Team bilden wird, das den Mörder unerbittlich, aber sicher voller Ablenkungen jagen wird, zumindest, wenn MTV nicht vorher den Stecker zieht.
Wie es rüberkommt
Wer eine MTV-Serie einschaltet, der kann sicher über viele Klischees hinwegsehen. Auch die Tatsache, dass die einzigen beiden involvierten Polizisten heiß und jung sind, darf nicht weiter schocken. Eine realistische Darstellung steht auf der Agenda der Eye Candy-Macher nicht besonders weit oben und das ist für den Anlass auch okay so. Doch sie erlauben sich zahlreiche schwache Szenen, die man einfach besser hätte machen müssen. Wieso zum Beispiel sieht man keinen einzigen anderen Menschen während der Entführungsszene von Lindys Schwester, obwohl die ganze Szene darauf aufgebaut ist, dass sie im Drive-in zwischen anderen Autos feststeckt?
Auch der Umgang der Autoren mit dem Thema Internet und Hacks ist zumindest in der Pilotepisode ziemlich holprig. Lindy kann sich ohne Probleme in jede Homepage hacken, inklusive dem Polizeiserver, doch sie bemerkt nicht, dass jemand sie auf ihrer eigenen Webcam stalkt. Außerdem teilt sie das Schicksal mit anderen Serien, die dasselbe Thema behandeln. Möglich ist immer genau das, was Lindy ihren Freunden als möglich erklärt, wie und warum, was nicht geht, wird nicht weiter zum Thema. Ein bisschen mehr Innenansicht in eine Serie, die sich als Cyberkrimi vermarktet, sollte doch wohl drin sein.
Immerhin eines darf man positiv hervorheben: die Einblendung der Musiktitel und Interpreten bei den zahlreichen Tracks, die auch da herrühren, dass ein erheblicher Teil der Episode K3U in angesagten Clubs spielt. Doch was auf der einen Seite die interessantesten Informationen der Episode liefert, kann auf der anderen Seite schon mal einen emotionalen Moment bedrohen, zum Beispiel das Ende, als Lindy nach dem Mord an ihrem Freund bedeutungsschwanger und rachebereit in Zeitlupe einen Platz überschreitet.
Fazit
Die Pilotepisode der US-Serie Eye Candy enttäuscht, auch wenn man mit niedrigen Erwartungen eingeschaltet hat. Wenn man die Klischees, die unausgegorenen Twists und die eindimensionalen Charaktere abzieht, bleibt nicht mehr viel Story übrig.
Promo zur US-Serie „Eye Candy“: