Everybody Loves Diamonds: Ein fast perfekter Plan - Review der Pilotfolge

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Das passiert in der Serie „Everybody Loves Diamonds“
Antwerpen, Valentinstag: Eine Bande hochspezialisierter Einbrecher bricht in das Zentrum des weltweiten Diamantenhandels ein und erbeutet Edelsteine im Wert von über eine Milliarde Dollar. Besonders hart trifft die Nachricht den Leiter der Diamond Police Inspector Mertens (Johann Heldenbergh) der sich gerade im Königspalast von Brüssel befindet, um für seine Verleihung des Leopold-Ludwig-Ordens zu proben.
Mertens nimmt die Ermittlungen auf, wird jedoch von den Gangstern auf eine falsche Fährte gelockt. Doch dann findet er einen wohlplatzierten Hinweis, der den italienischen Diamantenhändler Leonardo Notarbartolo (Kim Rossi Stuart) zum Hauptverdächtigen macht. Wer hat Leonardo verraten und wie wird er sich aus der ausweglosen Situation befreien?
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Modern und spritzig
Everybody Loves Diamonds ist ein pfiffiges Serienevent im Stile eines modern inszenierten Heist-Movies, das sofort in die Vollen geht. Gerade haben Sandra, „die Königin der Schlossknacker“, der begnadete Hacker Alberto, der Alarmprofi Chigo und Leonardo als Kopf der Bande untermalt von fetzigen Poprhythmen einen Riesencoup gelandet, da scheint auch schon alles vorbei zu sein.
Auf der Flucht werden sie plötzlich von einem Polizeiauto verfolgt. Gerade als Leonardo resigniert aufgeben will, zieht der Wagen jedoch an ihnen vorbei zu seinem eigentlichen Ziel. Dieser actionreiche und sympathische Start in die ersten 45 Minuten steckt die Tonalität und den Stil der achtteiligen Miniserie ab, die durchaus mit US-amerikanischen Formaten ähnlicher Couleur mithalten kann.
Zwar kommt die Verteilung der Rollen nicht ganz ohne Genre-Stereotypen aus, dennoch sind die Hauptfiguren interessant genug, um ihnen folgen zu wollen. Leonardo ist intelligent, vielleicht aber ein wenig zu sehr von sich eingenommen, Sandras Vater sitzt im Knast und ist ebenfalls Einbrecher, Chigo ein äußerlich ruhiger Typ, der sich gerne verwöhnen lässt und Alberto ein im Grunde gutherziger Kerl. Diese Konstellation spielt die Pilotfolge von „Everybody Loves Diamonds“ zwar noch nicht voll aus, doch es ist zu erwarten, dass sie einige Verwicklungen mit sich bringt...
Themenwechsel

Als Motiv der Serie erweist sich weniger der Diamantenraub an sich, sondern viel mehr der Verrat eines der Bandenmitglieder an Leonardo, aus dem die Geschichte ihre Spannung bezieht. Der Weg bis zu dessen Verhaftung ist mit einer fein austarierten Mischung aus Comedyserien- und Krimiserien-Elementen gespickt, die hauptsächlich von den Schauspielern Kim Rossi Stuart und Johann Heldenbergh als Bandenboss und Leiter der Diamond Police getragen werden.
Heldenberghs Figur Inspektor Mertens ist der große Gegenspieler der Gang, der als erfahrener Ermittler den Räubern zunächst schnell auf die Spur zu kommen scheint, dann aber lernen muss, dass diese alles andere als dumm sind... Das Quartett hat nämlich eine falsche Fährte gelegt, die dann wertvolle Zeit kostet und die Spuren verwischt.
Entsprechend schlecht gelaunt ist Mertens, zumal seine Vorgesetzten, die unter den Augen der Öffentlichkeit stehen, Druck auf ihn ausüben. Das Verbrechen ist zu diesem Zeitpunkt so geschickt ausgeführt, dass der folgende Fehler, die aufmerksamen Zuschauenden stutzig machen dürfte. An einer Lichtung nahe einem Wald findet die Polizei eine Mülltüte, die neben den Tatwerkzeugen auch eine Rechnung enthält, die Leonardo als Käufer aufweist. Der sitzt gerade gut gelaunt in seiner komfortablen Wohnung, als das Chaos über ihn hereinbricht.
Der Plot-Point leitet eine neue Stufe ein, die nun in ihrer Spritzigkeit nachlässt und dafür stärker ins Krimidramasegment hineinreicht. Mertens fasst im ersten Verhör mit Leonardo das ohnehin Offensichtliche in Worte: Der Bandenboss wurde verraten. Die kommenden sieben Episoden werden sich entsprechend mit der Frage beschäftigen wer der Verräter ist und wie sich Leonardo aus dieser Situation hinauswindet.
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Der Cast
Bis auf die sehenswerten Kim Rossi Stuart und Johan Heldenbergh lässt sich bislang noch nicht viel über die Protagonisten und die zu ihnen gehörende Darstellerriege sagen. Sandra (Carlotta Antonelli ist in der Pilotfolge von Everybody Loves Diamonds mit drei mehr oder weniger aussagekräftigen Szenen am meisten vertreten, während Gianmarco Tognazzi als Ghigo und Leonardo Lidi als Alberto nur eine eigene Szene auf ihr Konto verbuchen können.
Das ist indes nicht etwa mangelnder Fürsorge seitens der Drehbuch-Autoren geschuldet, sondern pure Absicht, da zumindest zwei der drei Figuren als Verräter infrage kommen. Auffallend blass bleibt hingegen Mertens Assistent Khadir Issam Dakka, der bisher überwiegend als Stichwortgeber fungiert. Einen größeren Handlungsbogen wird indes aller Wahrscheinlichkeit nach Leonardos Frau Anna Anna Foglietta erhalten, die am Telefon miterleben muss, wir ihr Mann verhaftet wird.
Fazit

Die Pilotfolge der Miniserie „Everybody Loves Diamonds“ macht Lust auf mehr. Die Geschichte kommt zunächst leichtfüßig daher, sprüht vor kleinen Gags und führt zwei konträr zueinanderstehende Hauptfiguren ein. Der Paradigmenwechsel vom „Cosy“-Feeling hin zur Krimi-Dramaserie wird glaubwürdig vorbereitet und bringt einen Wendepunkt mit sich, der sich nicht auf die Flucht der Diebe, sondern auf den Verrat gegen den Bandenboss fokussiert. Damit geht auch ein Tempowechsel einher, der die anfängliche Rasanz des Heist-Themas zugunsten der Figuren-Entwicklung zurückfährt.
Dafür gibt es von uns optimistische vier von fünf Diamanten.
Hier abschließend noch der Trailer zur Serie „Everybody Loves Diamonds“ beim Streamingdienst Amazon Prime Video: