Euphoria 2x08

Euphoria 2x08

Das zweite Staffelfinale von Euphoria spiegelt sowohl die Stärken als auch die Schwächen der immer beliebter werdenden HBO-Serie wider. Es ist wie Lexis Theaterstück: das perfekte Chaos, aber wenigstens nie langweilig.

Zendaya und Maude Apatow in der Serie Euphoria (c) HBO
Zendaya und Maude Apatow in der Serie Euphoria (c) HBO
© endaya und Maude Apatow in der Serie Euphoria (c) HBO

Jugendlichen verzeiht man Fehler leichter als Erwachsenen, weil sie noch lernen und in jedem Rückschritt eine neue Chance steckt. Ähnlich ist es auch beim Coming-of-Age-Drama Euphoria, das in seiner langersehnten zweiten Staffel vieles falsch macht - und trotzdem erfolgreicher denn je dasteht (wir berichteten). Die Serie von Sam Levinson entwickelt sich in der zweiten Hälfte der neuen Season zu einem unausgewogenen Durcheinander verschiedenster Genres, dessen Schönheit auf wundersame Weise jegliche Frustration wegwischt. Lieben Eltern so auch ihre Kinder?

Siehe hier: Euphoria: Verschlossene Himmelspforten - Kritik zum Start der 2. Staffel

Viel hat sich seit der sensationellen Auftaktstaffel aus dem Jahr 2019, die der Hauptdarstellerin Zendaya einen wohlverdienten Emmy einbrachte, verändert. So versucht sich der Showrunner Levinson an Fanservice, indem er den Publikumslieblingen Fez (Angus Cloud) und Lexi (Maude Apatow) mehr Screentime schenkt. An sich erfreulich, doch leider werden andere Figuren dafür vernachlässigt, allen voran Kat (Barbie Ferreira) und Jules (Hunter Schafer). Auch wird - bis auf wenige Ausnahmen - das Cold-Open-Stilmittel verabschiedet, das stets eine der größten Stärken der Serie war.

Stattdessen kulminiert die neue Season in einem Theaterstück, das die bisherigen Ereignisse von „Euphoria“ noch mal Revue passieren lässt. Ein simpler und genialer Kniff, den man auch aus Game of Thrones kennt oder aus „Avatar: Der Herr der Elemente“. Hier kommt der ganze Wahnsinn der Serie zur Geltung (womit nicht das lächerlich hohe Produktionsbudget der Schulaufführung gemeint ist). Kein Wunder, dass vor allem die bipolare Protagonistin Rue (Zendaya) von der Show inspiriert wird, denn Manie und Depression geben sich zwischen den Szenen die Klinke in die Hand.

Sassy Cassie

Es ergibt wenig Sinn, einem so wilden Ritt wie „Euphoria“ irgendeine Ordnung aufzwingen zu wollen. Fangen wir also einfach mal bei Cassie (Sydney Sweeney) an, die zum Finale hin zur neuen Schurkin aufgebaut wird. Ein echter Gänsehautmoment, wie sie wütend die Bühne stürmt, um ihre kleine Schwester zu demütigen - und dabei wieder mal sich selbst blamiert. Noch besser wird es dann, als ihre Mutter Suze (Alanna Ubach) dazukommt und sich bei Ethan (Austin Abrams) für seine spöttische Darbietung bedankt. Mein Gefühl sagt mir, dass Suze und Ethan dieses Jahr die heimlichen Helden waren und dafür hoffentlich in Staffel drei belohnt werden.

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Sydney Sweeney in Euphoria
Sydney Sweeney in Euphoria - © HBO

Auch die Vorstellung, dass die sonst so naive Cassie künftig ihre dunkle Seite erkundet, gefällt mir gut. Zumal ihr Freund Nate Jacobs (Jacob Elordi) langsam an Ausstrahlung verliert. Die finale Konfrontation zwischen ihm und seinem Vater Cal (Eric Dane) war vielleicht die vorspulbarste Szene in der abschließenden Episode All My Life, My Heart Has Yearned for a Thing I Cannot Name (2x08). Und das, obwohl Cal zu Beginn der Staffel so eine interessante Wandlung durchgemacht hat. Trotzdem brauchen wir Nate leider noch, um die Seifenoper zwischen Cassie und Maddy (Alexa Demie) am Laufen zu halten, von der ich gern noch mehr sehen will. Maddy verspricht uns ja auch, dass das erst der Anfang war...

Baby Breaking Bad

Nun zu meinen unliebsamsten Teil der neuen Season: das Drogendrama rund um Fez, Ashtray (Javon Walton), Faye (Chloe Cherry) und dem neuen Big Bad Laurie, nach wie vor genial besetzt mit der einzigartigen Martha Kelly (Baskets). Hier stimmt zum Finale leider gar nichts, denn einerseits vergisst die Serie Rues Schulden bei Laurie, die ihr vermeintliches Happy End gehörig untergraben könnten; außerdem wirkt die Tragödie von Ash so unpassend und überflüssig, dass man sie am liebsten wieder vergessen würde.

Allgemein wirken die Ausflüge in die kriminelle Unterwelt bei Euphoria stets wie ein Fremdkörper. Levinson will damit einerseits ein bisschen Action reinbringen und andererseits vielleicht betonen, dass sich lebensbedrohliche Zusammenstöße mit Gesetzlosen für die hormongefluteten Jugendlichen kaum schwerwiegender anfühlen als Liebeskummer oder Selbstwertprobleme. Alle leiden gleich viel, egal wie gut oder schlecht der Grund dafür ist. Dennoch wäre die neue Season sicherlich runder gewesen, wenn man sich lediglich auf Fez' erfrischende Romanze mit Lexi konzentriert und seinen Arbeitsalltag einmal ignoriert hätte.

The Lexi Show

Wenn es eine Rolle in der neuen Staffel von „Euphoria“ gibt, die an Bedeutung dazugewonnen hat, dann sicherlich Lexi. Nicht nur durch ihre Verbindung zu Fez und ihr Theaterstück, sondern auch durch ihre wiederentdeckte Freundschaft mit Rue tritt die notorische Randfigur ins Scheinwerferlicht. Auch wenn es nie großartig ausgeführt wurde, hat man immer gespürt, dass sie für die Titelheldin noch wichtig wird. Und so schafft ihre wertfreie Reflexion über Rues Leben - und besonders die Beerdigung ihres Vaters, mit der ihr Leben aus der Bahn geworfen wurde -, das vermeintlich Unmögliche. Erstmals kann Rue sich selbst sehen, ohne Hass zu fühlen.

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Zendaya und Hunter Schafer in Euphoria
Zendaya und Hunter Schafer in Euphoria - © HBO

Der nächste Schritt ist klar: Rue muss diesmal wirklich clean werden. Wie sie sich vornimmt, es wenigstens für den Rest des Schuljahres zu versuchen, klingt sehr viel aussichtsreicher und ehrlicher als frühere Versuche. Wer hätte je erwartet, dass Rue nach ihrem absoluten Tiefpunkt in der Episode Stand Still Like the Hummingbird (2x05) zum Ende der Season so große Fortschritte machen würde? So hoffnungsvoll war man zuletzt nach ihrer weihnachtlichen Therapiesitzung mit ihrem Mentor Ali (Colman Domingo). Vieles riecht bei Euphoria derzeit nach einem Neuanfang - und würde damit vielleicht sogar als Serienfinale funktionieren.

Fazit

Trotz einiger misslungener Experimente, die sich „Euphoria“ in der zweiten Staffel erlaubt hat, hatte ich mit dem HBO-Format erneut den größten Spaß. Man muss einfach wissen: Die Höhepunkte, die Sam Levinson uns beschert, sind so hoch, dass sie alles übersteigen, was man sonst im Fernsehen zu sehen kriegt (man denke nur an Ethans „Holding Out For a Hero“-Nummer). Und die Tiefpunkte sind eher normales Niveau für die meisten anderen Serien. Außerdem steckt in dem Chaos auch ein Plan, den man durchaus respektieren kann. So wie die Protagonistin Rue „all over the place“ ist, so muss es auch ihre Serie sein.

Einige Dinge sind trotzdem kaum zu entschuldigen: Angefangen beim schmalzigen Song von Elliot (Dominic Fike) über den Abgang von Ash und die unerklärliche Abwesenheit von Football-Talent McKay (Algee Smith) bis hin zur alles überschattenden Tatsache, dass Hunter Schafer als Jules dieses Jahr hintenüberfiel. Einer der besten Charaktere der letzten Jahre, gespielt von einer extrem beeindruckenden Senkrechtstarterin. Man kann nur hoffen, dass Sam Levinson sich besinnt und ihr wieder mehr zu tun gibt. Wobei immerhin die liebevolle Aussprache zwischen Jules und Rue etwas Versöhnliches hatte, obwohl mit der Beziehung der beiden erst mal Schluss sein dürfte. Rue muss sich jetzt auf sich selbst konzentrieren, das Gesündeste, was sie tun kann.

Siehe hier: SJ-Therapie 6x02: Euphoria - Therapie ist eine Familienangelegenheit

Ich freue mich unheimlich auf die Zukunft von „Euphoria“, zu sehen, was Levinson aus der Serie macht, wie er sie wieder neu erfindet und Dinge ausprobiert, die womöglich schief gehen. All das gehört fest mit zum Erfolgsrezept des HBO-Hits. Ein kreativer Geysir, der genauso deprimierend wie lustig sein kann, unvorhersehbar und auch ohne aufgesetzte Scheu vor Klischees - und niemals langweilig. Wie gesagt: ein perfektes Chaos, dessen Schönheit alles überstrahlt.

Euphoria 2x08 Serientrailer

Hier abschließend noch der Trailer zum Finale der zweiten Season der Serie „Euphoria“:

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Verfasser: Bjarne Bock am Mittwoch, 2. März 2022

Euphoria 2x08 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 8
(Euphoria 2x08)
Titel der Episode im Original
All My Life, My Heart Has Yearned for a Thing I Cannot Name
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 27. Februar 2022 (HBO)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Sonntag, 27. Februar 2022

Schauspieler in der Episode Euphoria 2x08

Darsteller
Rolle
Austin Abrams
Alexa Demie
Barbie Ferreira
Kat
Storm Reid

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