Escape at Dannemora 1x01

© zenenbild von âEscape at Dannemoraâ: Benicio del Toro und Patricia Arquette spielen ein gefĂ€hrliches Spiel. (c) Showtime
Der Name Ben Stiller lĂ€sst die meisten vermutlich an alberne Komödien der Sorte „Zoolander“ oder „Nachts im Museum“ denken, doch als Regisseur kann der Komiker und Schauspieler noch ganz andere Facetten von sich zeigen. In der neuen Showtime-Serie Escape at Dannemora, die kurz vor Weihnachten bei Sky Atlantic HD zu sehen sein soll, wagt er sich nun an ein dĂŒsteres GefĂ€ngnisdrama, das auf wahren Ereignissen basiert. Schon im Pilot (1x01) beweist Stiller ein stilsicheres HĂ€ndchen in Sachen Inszenierung. Der beste Grund, dem Ganzen eine Chance zu geben, liegt allerdings im erstklassigen Cast.
Allen voran die OscarpreistrĂ€gerin Patricia Arquette (CSI: Cyber, „Boyhood“) sorgt zuverlĂ€ssig fĂŒr SpaĂ und Spannung, wenn die Geschichte selbst noch nicht so richtig in die Pötte kommen will. Aber auch Benicio Del Toro („Sicario“), Indiestar Paul Dano („Swiss Army Man“) und David Morse, bekannt aus Serien wie Outsiders, Treme und Blindspot, sind echte Hingucker. Schon auf dem Papier liest sich Escape at Dannemora als einer vielversprechendsten Neustarts dieses Jahres. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Vorschusslorbeeren verdient sind.
Hip-Hop, Pop und Classic Rock
WĂ€re man gezwungen, Stillers Regie auf ein charakteristisches Merkmal herunterzubrechen, so fiele die Wahl wahrscheinlich auf die Musik, die in der ersten Episode zum Einsatz kommt. In knapp einer Stunde Laufzeit wird sich verschiedenster Genres bedient, die entweder einzelne Charaktere reprĂ€sentieren sollen oder gar den Handlungsort. Die Hauptfigur ist Pop. Ihr Name: Tilly Mitchell (Arquette). Als Frau Anfang FĂŒnfzig fristet sie mit ihrem langjĂ€hrigen Ehemann ein tristes Dasein in Shittown, Nowhere. Beide arbeiten beim wohl deprimierendsten Unternehmen der gesamten Gegend: dem örtlichen GefĂ€ngnis.
„Kafkaesk“ könnte man ihr Leben nennen, denn die Eintönigkeit fĂŒhlt sich an der verschneiten NordostkĂŒste der USA keineswegs sicher, sondern irgendwie bedrohlich an. Schuld ist Tilly daran selbst, denn sie stĂŒrzt sich leichtfertig in eine verbotene AffĂ€re mit einem der Gefangenen, der in der von ihr geleiteten Textilfabrik aushilft. Sweat (Dano) ist Hip-Hop, jung, wild und rebellisch. Viel Wut liegt in seiner Seele, und er hat zwei Wege gefunden, sie herauszulassen: Erstens, indem er Tilly grob zum Orgasmus bringt, und zweitens, indem er malt. Letzteres ist vermutlich gesĂŒnder...

Sein Mentor Richard (del Toro), offenbar ein hohes Tier in der Mafia, warnt ihn, dass gehörnte EhemĂ€nner dem Betrug stets auf die Schliche kĂ€men. Richard ist Classic Rock und brachte seinem SchĂŒtzling Sweat den Trick mit dem Malen bei. Dank seiner Freundschaft zum WĂ€rter Gene (Morse) genieĂt er zahlreiche Privilegien im GefĂ€ngnis. Doch er wird es auch sein, der den Ausbruch ausheckt, obwohl davon in der Auftaktepisode noch ĂŒberhaupt keine Rede ist. Ohnehin fĂŒhlt sich der Beginn sehr langsam an - ganz anders zum Beispiel als eine Serie wie Prison Break. Allerdings lĂ€sst Stiller uns ab der ersten Szene wissen, dass etwas passieren wird, denn die Ermittlerin Catherine Scott (Bonnie Hunt) arbeitet in der Zukunft bereits an der AufklĂ€rung des Ganzen. FĂŒr sie steht fest: Tilly hat Richard und Sweat bei der Flucht geholfen.
Um der AtmosphĂ€re der Serie viel Luft zum Atmen zu geben, hĂ€lt sich Stiller mit den Wechseln zwischen Gegenwart und Zukunft beziehungsweise Vergangenheit zurĂŒck. AuffĂ€llig viele Establishing Shots sollen den Zuschauern helfen, in die ungemĂŒtliche und kalte Welt von Dannemora einzutauchen. Die Anzahl der Figuren bleibt zunĂ€chst zum GlĂŒck noch ĂŒbersichtlich, allerdings fĂŒhlen sich die wenigen Hauptcharaktere nach dem ersten von insgesamt acht Kapiteln noch etwas unterentwickelt an - mit Ausnahme von Tilly, was nicht zuletzt an der packenden Darbietung Arquettes liegt.
Wie ĂŒblich bei Prestigeprojekten dieser Art wurde nicht gegeizt, was die hollywoodreifen Schauwerte, die Lizenzkosten beim Soundtrack oder die GehĂ€lter der Topstars betrifft, wĂ€hrend das Drehbuch vielleicht etwas zu stiefmĂŒtterlich behandelt wurde. Zwar gibt es natĂŒrliche BeschrĂ€nkungen dadurch, dass die Autoren Brett Johnson, Michael Tolkin und Jerry Stahl eine reale Geschichte adaptierten, aber in Zeiten von #PeakTV wĂ€re ein etwas actionreicherer Anfang sicher nicht verkehrt gewesen.
Fazit
Insgesamt lĂ€sst sich festhalten: Escape at Dannemora ist auf alle FĂ€lle einen Blick wert, denn ein derart namhaftes Schauspielensemble und eine so stilsichere Inszenierung Seitens Stillers gehören trotz des weltweiten Serienwahns noch immer eher zur Ausnahme. TatsĂ€chlich erfĂŒllt Stiller hier nicht nur seine Pflichtaufgaben, sondern beweist mit seinen individuellen Ideen echte Inspiration. Die Showtime-Serie ist fĂŒr ihn offenbar ein Herzensprojekt, womit klar sein dĂŒrfte, wieso er darauf bestand, nicht nur bei einer, sondern bei allen Episoden auf dem Regiestuhl Platz zu nehmen. Auch wenn die Geschichte anfangs noch ein wenig langsam erscheint, spĂŒrt man bereits, dass sich hier etwas GroĂes anbahnen könnte.
Verfasser: Bjarne Bock am Montag, 19. November 2018Escape at Dannemora 1x01 Trailer
(Escape at Dannemora 1x01)
Schauspieler in der Episode Escape at Dannemora 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?
